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21.06.2010 Rudolf Felser

Smartphones gut für Lernerfolg

Handys sind in der Schule normalerweise unerwünscht. Dabei können sie einen wertvollen Beitrag für den Lernerfolg leisten, wie nun eine Feldstudie der FH St. Pölten zeigt.

Die Studie hat untersucht, wie Smartphones in den Lernalltag integriert werden können und welche Effekte dies auf den Unterricht hat. Die Ergebnisse zeigen: Die Schüler sind allein durch die Verwendung der Handys schon motiviert. Denn das mobile Gerät bietet die Möglichkeit des interaktiven Lernens - die Schüler lernen spielerisch und damit auch effizienter. So haben sie sich im Feldversuch interaktiv mit dem Lernstoff beschäftigt, indem sie Aufgaben mit dem Handy in virtuellen Gruppen lösten, beispielsweise als Frage-Antwort-Spiele.

Die Ergebnisse der Studie werden jetzt einem internationalen Fachpublikum bei der Konferenz ICETC - International Conference on Education, Technology and Computer in Shanghai, China (22. - 24. Juni), präsentiert. Hier werden die Erfahrungen, die bei der Feldstudie gemacht wurden, als Empfehlungen für eine Handynutzung im Unterricht vorgestellt.

TEAMWORK LEICHT GEMACHT Welche konkreten Vorteile die Nutzung eines Smart Phones im Unterricht bringt, erklärt Projektleiter Grischa Schmiedl vom Institut für Medieninformatik: "Jugendliche sind heutzutage so genannte Digital Natives. Das heißt, sie sind mit dem Internet aufgewachsen und können daher mit Neuen Medien oft besser umgehen als mit analogen - wie zum Beispiel einem Lehrbuch. Dies sollte man sich auch in der Schule zunutze machen. Denn Smartphones erfüllen die wichtigsten Funktionen für das Arbeiten im Internet und werden im Gegensatz zu einem Laptop von Jugendlichen ständig und überall mitgenommen und angewendet. Das legt den Grundstein für mobiles Lernen und wirkt sich aktivierend und motivierend auf die Schüler und Schülerinnen aus."

Darüber hinaus haben die Smartphones noch einen anderen überraschenden Effekt: Sie schaffen bei anonymer Nutzung innerhalb der Klasse ganz neue Arbeitsteams und tragen damit zu einem positiven Klassenklima bei. Normalerweise wählen Schüler ihre Teampartner nämlich immer auf Basis von Sympathien innerhalb der Klasse. Mit den Handys können sie Aufgaben in virtuellen Teams lösen, ohne dabei ihre Teamkollegen zu erkennen. Damit finden plötzlich auch Schüler in Gruppen zusammen, die im "normalen" Umgang Probleme miteinander haben. Von dieser Durchmischung profitieren die Jugendlichen im täglichen Umgang. Die Smartphones ermöglichen damit das gemeinsame Konzentrieren auf den Lernstoff ohne mühsamen Teambildungs-Prozess.

HANDY MACHT MOBIL Neben den sozialen und schulischen Vorteilen kann das Handy-Lernen auch eine gute Möglichkeit bieten, Schüler zu körperlicher Aktivität zu motivieren. Gerade Jugendliche leiden bekanntermaßen oft unter Bewegungsmangel. Im Zuge der Studie arbeiteten sich die teilnehmenden Schüler im Alter von elf bis zwölf bzw. 16 Jahren mit Freude bei einer Rätselrallye quer durch die Schule. Sie lösten Aufgaben an verschiedenen Stationen und arbeiteten sich durch direkte Eingabe von Daten per Handy von Aufgabe zu Aufgabe weiter vor. Dies ist eine gelungene Abwechslung zum Lernalltag an der Schulbank, wie FH-Professor Schmiedl erläutert: "Das Handy wirkt sich aktivierend auf die Jugendlichen aus. Zusätzlich fördert die Bewegung auch das bessere Einprägen des Schulstoffs. Diese Vorteile ergeben sich durch die Mobilität der Smartphones."

Mit dieser Studie konnten dank der Partnerschulen, der wirtschaftlichen Fachschule Sta. Christiana in Rodaun und des Wienerwaldgymnasiums in Tullnerbach viele Erfahrungen für eine Handy-Nutzung im Unterricht gesammelt werden. Daraus ergeben sich Chancen, die schulische Handy-Nutzung in Zukunft zu erweitern. So könnten die Jugendlichen mit dem Handy künftig auch einen Teil ihrer Hausaufgaben erledigen. Das würde noch stärker zur Verbesserung der sozialen Gefüge beitragen. Denn anstatt alleine zuhause vor den Büchern zu sitzen, würden die Schüler im Team weiter zusammenarbeiten. Auch das will der Studienleiter der FH St. Pölten mit seinem Team und den Partnerschulen demnächst testen. Dank der Ergebnisse dieser Feldstudien könnten Handys in der Schule bald keine unerwünschten Störenfriede mehr sein. Denn die technischen Entwicklungen schreiten so rasch voran, dass das, was diesmal nur ein Versuch war, in ein paar Jahren schon zum Schulalltag gehören könnte. (pi/rnf)

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