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21.06.2010 apa

Gewerkschaft nimmt Call-Center wieder ins Visier

Der Grund: Es gibt nach wie vor zu viele Mitarbeiter, die zu Unrecht nur als freie Dienstnehmer beschäftigt und nicht angestellt werden. Ein Großteil werde zu niedrig eingestuft, Zuschläge nicht immer korrekt ausbezahlt.

Damit schaden die Unternehmen nicht nur den betroffenen Beschäftigten, sondern auch der Sozialversicherung. Daher werde man in nächster Zeit gemeinsam mit der Sozialversicherung und dem Arbeitsinspektorat bei den Call-Centern in Österreich verstärkte Kontrollen durchführen, kündigte der Vorsitzende der GPA-djp, Wolfgang Katzian, am Montag (21. Juni) bei einem Pressegespräch an.

2006 hat die Gewerkschaft begonnen, sich intensiv für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Call-Centern einzusetzen. Seit damals hat sich die Situation auch deutlich verbessert. Allerdings müsse man den Druck wieder verstärken, damit es nicht wieder zu Umgehungen des bestehenden Kollektivvertrages komme, so Katzian.

FREIE MITARBEITER HALBIERT In Österreich gibt es derzeit 256 Call-Center mit rund 25.000 Angestellten. Die Zahl der freien Dienstnehmer hat sich seit 2006 auf rund 5.000 bis 6.000 in etwa halbiert. Dies sei immer noch zu viel, denn bei den freien Dienstnehmern handle es sich fast immer um Umgehungsverträge. Nur in wenigen Einzelfällen, wie zum Beispiel bei einigen Meinungsforschungsinstituten, sind freie Dienstverträge gerechtfertigt. Alle ungerechtfertigten Dienstverhältnisse sollen daher schnellstens in echte Arbeitsverhältnisse umgewandelt werden, so Katzian. Die Gebietskrankenkasse müsse daher ihre bundesweiten Prüfungen der Call-Center fortsetzen.

Heftige Kritik übt die Gewerkschaft an der Einstufungspolitik der Unternehmen. Ein Großteil der Mitarbeiter werde in einer zu niedrigen Verwendungsgruppe beschäftigt. Der stellvertretende Bundesgeschäftsführer der GPA-djp, Karl Proyer, schätzt, dass rund ein Drittel der Call-Center-Beschäftigten falsch und daher zu niedrig eingestuft sind. Derzeit sind rund ein Drittel in der Verwendungsstufe 2, das heißt sie wären nur für einfache Auskünfte zuständig. Ein weiteres Drittel arbeitet in der 3. Verwendungsgruppe für komplizierte technische Auskünfte. Verdient wird in der 2. Verwendungsgruppe 1.218 Euro, in der 3. Verwendungsgruppe beläuft sich das Gehalt auf 1.521 Euro pro Monat.

Für die Beschäftigten im Call-Center gilt der Gewerbe-Kollektivvertrag. Das bedeutet, dass auch Zuschläge für Nachtarbeit gezahlt und Vordienstzeiten angerechnet werden müssen, betont Katzian. Häufig werde aber ein fixer Stundenlohn vereinbart, egal wann gearbeitet werde.

Viele Unternehmen beauftragen externe Call-Center, um Kosten zu sparen. Die Gewerkschaft appelliert an alle Unternehmen, bei der Auftragsvergabe verantwortungsvoll vorzugehen und darauf zu achten, dass das jeweilige Call-Center seine Mitarbeiter fair behandelt. In diesem Zusammenhang schließt die GPA-djp auch Verfahren wegen unlauteren Wettbewerbs gegen einzelne Arbeitgeber nicht aus und werde sich nicht scheuen, die Namen der Auftraggeber zu nennen. (apa)

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