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07.07.2010 Michaela Holy

Bessere Berufsorientierung gegen Technikskepsis

Zum zehnten Mal lud die Veranstaltung "YO!tech" Schüler dazu ein, sich dem Thema Technik zu nähern. Neben dem Angebot von HTL und technischen Lehrberufen fand ein Round Table zum Thema Berufsorientierung statt.

Etwa 1.400 Schüler aus der Unterstufe und auch zahlreiche Erwachsene verspürten »Lust auf Technik« beim »Yo!tech«-Tag im Technischen Museum Wien. Zum zehnten Mal präsentierten HTL und technische Lehrberufe den 10- bis 14-jährigen Schülern umfassende Informationen über technische Ausbildungswege.

Von »Wörtern, die fliegen können« über »Landkarten, die zu hören sind«, bis zur Bewegung von Modellautos per Handbewegung reichten die Experimente der ausstellenden HTL. Deren Schüler präsentierten selbst und hatten großen Spaß dabei, den jüngeren Schülern Technik zu erklären. Auch die kleine Vortragsreihe für Volksschüler erfreute sich eines regen Andranges –Themen wie »Wozu brauchen wir Mathematik?« und Bionik-Workshops sorgten für ein volles Haus.

Die Erwachsenen informierten sich einstweilen beim Round Table zur Berufsorientierung mit Heidrun Strohmeyer, Bereichsleiterin IT beim Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Klaus Fetka, HR-Chef bei Porsche Inter Auto, Heidi Schrodt, Direktorin AHS Rahlgasse und, in Vertretung von Brigitte Jank, Erich Huber, Bildungsbeauftragter der Wirtschaftskammer Wien (WKW).

Das Angebot an Ausbildungswegen ist umfangreich. Dennoch entscheiden sich mehr als die Hälfte aller Lehrlinge für die Top Fünf von 260 zur Verfügung stehenden Lehrberufen und 60 Prozent der Studierenden für eine Handvoll Studienrichtungen. Technische Ausbildungen werden nicht auf der Hitliste der Jugendlichen geführt, obwohl Wirtschaft und Wissenschaft dringend Nachwuchs suchen.

»Österreich ist ein Land mit ausgeprägter Technikskepsis«, so Heidrun Strohmeyer. »Der Technikermangel sollte transparent gemacht werden – welche technischen Berufe genau Nachwuchs suchen. Wir werden uns mit der WKO Fachverband Unternehmensberatung und IT die Situation ansehen.« Man brauche vor allem in den Schulen Eigenverantwortung und ein gutes Management, »und man sieht auch, bei aktiven Schulen gibt es auf vielen Ebenen gute Ergebnisse. Berufsorientierung ist jedenfalls in allen siebten und achten Schulstufen eine verbindliche Übung. Jeweils 30 Stunden müssen dafür verwendet werden«, erklärt Strohmeyer. »In der Schule wird zuwenig getan, Schulen präsentieren sich eher marketingmäßig. In der achten Schulstufe muss man schon wissen, was man machen will beziehungsweise wofür man geeignet ist. Das ist die Aufgabe von staatlichen Einrichtungen und nicht die von kommerziellen Anbietern«, so Fetka. Für Heidrun Strohmeyer ist hier Selbstkompetenz ein sehr wichtiges Schlagwort. »Es ist schwierig, nur mit Tests zu sagen, was man ein Leben lang machen soll. Er sollte nur zur Orientierung gelten.«

»Die Jugendlichen haben nur sehr eingeschränkte Bilder vom Wort Technik im Kopf. Das müssen wir ändern. Uns ist es gelungen, heute auch im Realgymnasium gleich viele Burschen wie Mädchen zu begeistern – das war früher anders, die Mädchen entschieden sich für Sprachen und die Burschen für Mathematik. Wir können in den Schulen vieles selbst umsetzen und sehen auch die Erfolge – und die Berufsorientierung gehört weiter verbessert – damit nicht alle guten Schüler in die BHS gehen und die weniger guten in der AHS bleiben«, erklärt Heidi Schrodt, Direktorin der AHS Rahlgasse, die im Bereich Technik einige Kooperationen mit der Wirtschaft verbindet. »Kooperationen dürfen aber nicht von oben verordnet werden. Es muss Ressourcen geben, die Basis muss sozusagen ermuntert werden. Die Direktoren sind hier Schlüsselfaktoren«, so Schrodt, denn sie stünden in direkter Verbindung mit den Schülern, müssen sensibilisieren und Fähigkeiten erkennen.

Klaus Fetka brachte die praktische Seite des Technikermangels ins Gespräch: »Es wird immer schwieriger, gute Leute zu finden. Wir bieten Talentetests an – leider melden sich nur wenig Mädchen. Das ist jedoch nur in Österreich so! Bei unseren anderen Standorten, in anderen Ländern gibt es das nicht. Das ist insofern auch schade, weil wir wissen, wenn Frauen ins Team kommen, ändert sich das Miteinander sehr zum Positiven. Ich fordere in der 8. Schulstufe eine standardisierte Potenzialeinschätzung! Denn die Eltern, die zu 80 Prozent ihre Kinder beeinflussen, sind selbst in der Beratung ihrer Kinder überfordert.« Durch das sehr differenzierte Bildungssystem sollte die Berufsorientierung überhaupt so früh wie möglich ansetzen, meint dazu Erich Huber der WKW. »Die Kooperation mit den Eltern ist dabei entscheidend. Uns besuchen im Berufsinformationszentrum der Wiener Wirtschaft täglich viele Klassen – gleichzeitig sind wir gefordert, die rasanten Änderungen der Berufsbilder in der Wirtschaft zu kommunizieren. Oft wird leider die 9. Schulstufe in berufsbildenden Schulen verbracht, um dieses Jahr ‘abzusitzen’.«

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