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19.07.2010 Michaela Holy

Fachliches Innovationswissen ist die nachgefragte Qualifikation nach der Krise

Erfolgreiche Unternehmen werden nach der Wirtschaftskrise neue Produkte und veränderte Dienstleistungen anbieten und mit neuer Technologie arbeiten. Die Anforderungen an Mitarbeiter steigen.

Damit verändern sich auch die Anforderungen an die Beschäftigten, neue veränderte Qualifikationen werden in Zukunft von der Wirtschaft nachgefragt. "Nach der Krise ist nicht wie vor der Krise, das gilt insbesondere auch für die Qualifikationen der Mitarbeiter", betonte Wolfgang Tritremmel, Leiter der Abteilung Arbeit und Sozialpolitik der Industriellenvereinigung und Mitglied des Verwaltungsrates des Arbeitsmarktservice (AMS). Gemeinsam mit den Leitern der Forschungsabteilungen, Entwicklern und Personalverantwortlichen großer heimischer Unternehmen - wie beispielsweise Magna, Miba, IBM, die Borealis Group oder PORR - hat das Arbeitsmarktservice daher in einem Ende 2009 gestarteten Projekt den künftigen Qualifikationsbedarf der Wirtschaft erhoben.

Im Zeitraum Oktober 2009 bis Juni 2010 wurden im Rahmen des "AMS Standing Committee on New Skills" Spezialistengruppen für die fünf Wirtschaftscluster "Maschinen, Kfz, Metall" - "Chemie, Kunststoff, neue Materialien" - "Büro und Verwaltung" - "Gesundheit, Wellness und Tourismus" und "Bau und Bauökologie" eingerichtet. In jeweils drei Arbeitssitzungen haben Branchenfachleute aus großen, innovativen Unternehmen, Clustermanager, Vertreter des AMS, von Weiterbildungseinrichtungen, Sozialpartnerorganisationen und Beratungseinrichtungen wichtige betriebliche Veränderungsprozesse und daraus resultierende kurz- bis mittelfristige Qualifizierungserfordernisse identifiziert. "Die Festlegung der Cluster erfolgte sowohl nach der Betroffenheit der jeweiligen Branche durch die Wirtschaftskrise, als auch nach der Relevanz für den Arbeitsmarkt, die künftige Beschäftigung und die wirtschaftliche Entwicklung", erklärte Wolfgang Bliem, Projektleiter des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw).

Der Tenor der befragten Unternehmen: Die Halbwertszeit des Wissens wird weiter dramatisch sinken, einmal erworbenes Wissen wird nach kurzer Zeit wieder veraltet sein. In technologiebezogenen Bereichen sind rund 50 Prozent der Wissensinhalte nach bereits drei Jahren veraltet. Bei EDV-Fachwissen beträgt diese Halbwertszeit sogar nur rund ein Jahr. Das bedeutet, jedes Jahr ist eine Aktualisierung dieses Fachwissens notwendig. Von der Wirtschaft nachgefragt ist daher Wissen und Know How, das dem letzten Stand der laufenden technologischen Entwicklung entspricht. "Fachliches Innovationswissen ist daher die nachgefragte Qualifikation in allen untersuchten Wirtschaftsclustern", erklärte Johannes Kopf, Vorstandsmitglied des Arbeitsmarktservice (AMS) Österreich.

Das fachliche Innovationswissen hängt an der raschen technologischen Entwicklung der einzelnen Wirtschaftsbereiche. In der Metallverarbeitung stehen derzeit die Bereiche Elektrochemie, Hybridentwicklung und Hochvoltbatterien im Zentrum der technologischen Entwicklung. Damit wird in dieser Branche neben der Grundqualifikation in den Bereichen Maschinenbau, Elektro- oder KFZ-Technik auch Know How in den Bereichen Mechatronik, Hydraulik/Pneumatik, hybride Antriebstechnologien oder Alternativenergien nachgefragt. Ebenso sind durch die neuesten Produktionsverfahren in der Metallverarbeitung neue Qualifikationen wie Füge- und Klebetechniken sowie Schweißtechniken nachgefragt. "Magna beispielsweise sieht vermehrten Bedarf an Aus- und Weiterbildungsangeboten speziell für die Schwerpunkte alternative Antriebstechnologien, Leichtbau, Verarbeitung neuer Materialien, material- und energieschonende Fertigungstechnologien sowie im Bereich des Product Lifecycle Managements. Der Fokus der Qualifizierungsmaßnahmen sollte dabei auf der Vermittlung von anwendungsbereitem Wissen auf höchstem Niveau liegen", erklärte Sybille Kuske, Program Manager Innovation & Technology der Magna International Europe.

Im Wirtschaftscluster "Chemie, Kunststoff, Neue Materialien" steht die zunehmende Automatisierung im Zentrum der technologischen Entwicklung, Kenntnisse in den Bereichen Mechatronik, Elektronik und Robotik sind daher stark nachgefragt. Im Wirtschaftscluster "Büro und Verwaltung" dreht sich die technologische Weiterentwicklung um neue IT-Entwicklungen und ihre Anwendung. Im Wirtschaftscluster "Gesundheit, Wellness, Tourismus" steht unter anderem die Behandlung neuer Krankheitsbilder, wie beispielsweise Allergien oder Essstörungen, im Blickpunkt. Im Wirtschaftsbereich "Bau und Bauökologie" geht der Trend in Richtung ökologisches Bauen, nachgefragt ist daher aktuelles Wissen im Bereich Energieeffizienz und -technik sowie Photovoltaik oder Wärmedämmung. "Die Schnellen werden die Langsamen hinter sich lassen. Deshalb gilt es, das Arbeitskräftepotenzial rasch auf den neuesten Stand des Wissens zu bringen, weil es der Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft im internationalen Wettbewerb ist", betonte Tritremmel.

Für Facharbeiter aber auch für Anlernkräfte wird ein immer breiteres Wissen notwendig, da die Berufsfelder immer mehr ineinander fließen, das heißt in der Praxis überschneiden sich die einzelnen Qualifizierungserfordernisse sehr stark, wie z. B. in den Bereichen Mechatronik, Spritzgusstechnik und Chemielabortechnik. Generell gilt daher: "Jedem Mechaniker sein Elektronikwissen, jeder Kunststofftechnikerin ihre Metallkenntnisse, jedem Bauarbeiter sein Energiesparwissen und den Arbeitskräften generell technisches Englisch und Kenntnisse des Projektmanagements. Das sind die Qualifikations-antworten auf Elektroantrieb, moderne Kunststoffverarbeitung, Bauökologie und weltweite Vernetzung in einer gemeinsamen Sprache in immer mehr Projekten", so Tritremmel.

Aus dem Trend zur Globalisierung folgt eine starke Internationalisierung der Unternehmen. Daraus folgt der Bedarf nach einem unternehmensweiten "Internationalisierungsprogramm" für die Beschäftigten, das Kenntnisse in verschiedenen Sprachen, interkulturelles Management und interkulturelles Verständnis sowie ein länderübergreifendes Projektmanagement beinhaltet. "In Zukunft werden sowohl Facharbeiter als auch ungelernte Arbeitskräfte gute Englischkenntnisse benötigen. Dabei geht es nicht nur um Konversation, sondern auch um das Verständnis von technischem Englisch bzw. Fachenglisch ", erklärte Kopf. Neben Sprachkenntnissen werden Arbeitnehmer der Zukunft ebenso gute IT-Kenntnisse sowie die Fähigkeit zur Kommunikation mit und über neue Medien vorweisen müssen. Grenzüberschreitendes Arbeiten macht auch neue Formen der Arbeitsorganisation wie Teleworking, Viodeoconferencing sowie internationales Prozess- und Projektmanagement notwendig.

"Der Qualifikationsbedarf am Arbeitsmarkt wurde vom AMS auch in den vergangenen Jahren laufend untersucht, beispielsweise durch die systematische Analyse der beim AMS gemeldeten freien Stellen sowie der veröffentlichten Stellenanzeigen in den Printmedien", so Kopf. "Mit dem Projekt "AMS Standing Committee on New Skills" haben wir nun eine neue Ebene beschritten, das Projekt ist eine Qualifikationsforschung der neuen Art. Wir sprechen hier nicht allein mit den Personalverantwortlichen, sondern mit den Entwicklern und Innovationsbeauftragten über neue Trends. Die Ergebnisse sind nicht nur für das AMS, sondern auch für alle anderen Unternehmen von Bedeutung, da sie nun ihre Weiterbildungs-angebote an den konkreten Untersuchungsergebnissen ausrichten können."

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