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22.07.2010 Alexandra Mesmer*

Diese Fehler sollten Bewerber vermeiden: Die wichtigsten Karrierefallen

Sie schreiben viele Bewerbungen, bilden sich permanent weiter und sind ständig erreichbar? Gratulation, dann machen Sie garantiert keine Karriere. Karrierecoach Martin Wehrle klärt auf.

Mit Karriere-Ratgebern könnte man ganze Bibliotheken füllen, doch nicht alle abgesonderten Tipps bestehen den Praxistest. Karrierecoach und Autor Martin Wehrle hat die Tipps mal unter die Lupe genommen und einen Karriere-Ratgeber der anderen Art geschrieben. Im Lexikon-Stil hat er die häufigsten Karriere-Irrtümer gesammelt. So erfährt der Leser zum Beispiel, warum er im Anschreiben keine Gehaltsvorstellung nennen sollte oder warum E-Mails nicht formlos sein sollten. Gleichzeitig erhält er einige Kniffe, wie er es besser machen könnte. Wir haben für Sie einige Karrierefallen zusammengestellt.

1. Je mehr Bewerbungen man schreibt, desto höher der Erfolg Wer glaubt, allein mit der Zahl der Bewerbungen steige die Chance auf eine Zusage, der könnte auch glauben, allein mit der Zahl der Seiten stiege die Qualität eines Buches. Blinde Schüsse mit der Schrotflinte, auch "Blindbewerbung" genannt, bringen wenig. Besser nimmt man eine bestimmte Position gezielt ins Visier.

Gehen Sie individuell auf die Eigenarten einer Firma und Branche ein, erkennen Sie ihre Bedürfnisse und präsentieren Sie sich selbst als Problemlöser. Telefonieren Sie mit der Firma, sammeln Sie Informationen und verfassen Sie für jede Bewerbung ein individuelles Anschreiben und einen Lebenslauf mit individuellen Elementen. Dann können Sie mit einer spezifischen Bewerbung mehr erreichen als ein Massenversender mit hundert "Blindbewerbungen".

Eine Topbewerbung ist ein maßgeschusterter Aschenputtel-Schuh: Sie darf nur an den Fuß dieser einen Firma passen.

2. Ich sollte meine Gehaltsvorstellung im Anschreiben nennen. Etliche Bewerbungs-Ratgeber flüstern Ihnen ein, auf Wunsch direkt im Anschreiben eine Gehaltsvorstellung anzugeben. Die Autoren raten: "Nennen Sie eine Spanne, etwa: "Ich erwarte ein Jahresgehalt von 30.000 bis 40.000 Euro"

Eine solche Angabe verrät dem Unternehmen zweierlei.

1. Sie wären bereit, den Job für 30.000 Euro zu machen - warum sollte man Ihnen dann mehr bieten? 2. Sie scheinen im Vorfeld schlecht recherchiert zu haben; sonst wären Sie in der Lage, ein konkretes Gehalt zu nennen.

Pfiffige Bewerber antworten im Jargon der ausschreibenden Firmen. Die formulieren ja auch nicht: "Unsere Stelle ist mit 35.000 Euro dotiert." Vielmehr ist von einer "angemessenen Vergütung" die Rede. Diese Landessprache der Republik Abstrakta beherrschen Sie auch: "Ich stelle mir ein Gehalt vor, das meiner Qualifikation und der Verantwortung der Position entspricht."

So gehen Sie auf den Wunsch der Firma ein, ohne sich womöglich durch einen zu hohen Gehaltswunsch selbst aus dem Rennen zu werfen. Mit etwas Glück bekommen Sie die Chance, die Chefs im Vorstellungsgespräch von Ihren Qualitäten zu überzeugen. Wenn man Sie erst mal kennt und wirklich haben will, ist man mit dem Etat nicht allzu päpstlich - und legt im Zweifel eine Schaufel drauf!

3. E-Mails dürfen formlos sein Die E-Mail-Flut reißt ein, was Briefschreiber über Jahrhunderte aufgebaut haben: die einfachsten Regeln der Höflichkeit. Gruß-, adress- und völlig formlos, so kommen Geschäftsmails daher. Die Anrede - wozu? Die Großschreibung: gespart! Die Rechtschreibung: Kraut und Rüben! Was ein ausformulierter Bewerbungsbrief geworden wäre, behelligt den Empfänger als E-Mail-Sendung im Embryonenstadium des Entwurfs. Und jeder Vorgang, der nicht mindestens zwei Jahre Zeit hat, wird mit einem Ausrufezeichen für hohe Priorität versehen.

Vergessen Sie nie: E-Mails vermitteln Botschaften unübertroffen schnell - auch die Botschaft, dass der Absender keine Manieren hat! Unhöflichkeit bleibt Unhöflichkeit, Fehler bleibt Fehler; ganz egal, ob der Text von einem Boten auf dem Pferd oder einem Draht unter dem Atlantik zugestellt wird. Und wie steht es damit, kleine Schludrigkeiten durch Smilies zu entschuldigen? Keine gute Idee, denn die so genannten Emoticons haben in Geschäftsmails nichts verloren (außer, der Mailpartner verwendet sie seinerseits).

4. Ständige Erreichbarkeit ist ein Zeichen für hohes Engagement "Wenn der Chef mich anruft, stehe ich dreißig Sekunden später bei ihm auf der Matte. Er weiß, wie engagiert ich bin."

Gut, Sie sind schnell zur Stelle. Aber daraus lassen sich auch andere Schlüsse ziehen. Zum Beispiel der, dass Sie nicht viel zu tun haben, womöglich den ganzen Tag auf Kommandos des Chefs warten. So wie ein Hund aufs Pfeifen seines Herrchens.

"Ich bitte Sie! Soll ich meinen Chef etwa warten lassen?"

Kann es nicht sein, dass Sie mal in einem wichtigen Meeting sitzen? Oder auf Geschäftsreise sind? Oder einen dringenden Vorgang bearbeiten? Oder einen wichtigen Kunden sprechen? Leistungsträger sind oft beschäftigt. Bei diesen Gelegenheiten erkennt der Chef, was ihm sonst leicht entgeht: wie wichtig Sie für die Firma sind.

5. Fortbildungswillige Mitarbeiter sind gern gesehen Die Mappe des Bewerbers ist so dick, dass die Wochenendausgabe der FAZ daneben schmal wie eine Schülerzeitung wirkt. Der Personalchef überfliegt den Lebenslauf, blättert sich durch ein paar Zeugnisse - und dann geht´s los: Zertifikate ohne Ende! Der Bewerber war so oft auf Fortbildung, dass seine Qualifikation nur eine winzige Frage offen lässt: Wann hat der Kerl eigentlich gearbeitet?

Aber ist es nicht ein gutes Geschäft, einen solchen Mitarbeiter und sein kostenloses Wissen an Bord zu holen? Nur dann, wenn er nicht auf derselben Welle weiterreiten will. Und genau das fürchten die Firmen.

Fortbildungswille ist äußerst gern gesehen, aber nur nach Feierabend, wenn er die Firma keinen Cent und keine Minute kostet. Ansonsten werden Weiterbildungen oft nach den Notarzt-Prinzip vergeben: Man operiert erst, wenn es nicht mehr anders geht. Der fortbildungswillige Mitarbeiter, der auf die Vorsorge wert legt, wird in Firmenbroschüren bejubelt, aber im Alltag nicht selten ausbremst - es sei denn, er kann seien Chef überzeugen, dass die Fortbildung der Firma mindestens das Doppelte dessen einbringt, was sie kostet.

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