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31.08.2010 Michaela Holy

Forschungsinfrastruktur soll verbessert werden

Eine Bestandsaufnahme zur Forschungsinfrastruktur in Österreich ließ der Rat für Forschung und Technologieentwicklung in Auftrag geben. Damit wurden Mängel bei internationalen Kooperationen und gemeinsamer Nutzung geortet.

Spitzenforschungsinfrastruktur ist die Basis für die Bündelung von exzellenten Wissenschaftern, verstärkte Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, exzellente wissenschaftliche Ausbildung und das Entstehen einer attraktiven Forschungsumgebung, bestätigt Knut Consemüller, Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologieentwicklung. Aufgrund dieses hohen Stellenwerts ließ der Rat für Forschung und Technologieentwicklung die Agentur Austin, Pock & Partners mit der Studie "Erhebung der Österreichischen Forschungsinfrastruktur" eine Bestandsaufnahme durchführen.

Befragt wurden Universitäten, Fachhochschulen und Privatuniversitäten sowie Unternehmen mit einem hohen Forschungsanteil. Insgesamt umfasst die Auswertung 1024 Forschungsinfrastrukturen in Form von Großgeräten und Forschungseinrichtungen, Core-Facilities, Sammlungen (Datenbanken und Archive) und geschlossener baulicher Infrastruktur, die ausschließlich für Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten genutzt werden.

"Nur erstklassige Infrastruktur ermöglicht Forschern an Hochschulen und in der Wirtschaft Brücken zwischen ihren Bereichen zu schlagen. Deshalb ist sie ein wesentlicher Faktor für die Qualität in der Grundlagenforschung und für exzellente Forschung an unseren Universitäten und in den Unternehmen", erläutert Günther Bonn, stellv. Vorsitzender des Forschungsrates und innerhalb der Ratsversammlung zuständig für Forschungsinfrastruktur. Und er ergänzt: "Die Innovationsstärke hängt dabei entscheidend von einer modernen Ausstattung ab."

Die Studie bestätigte zwar eine akzeptable Anzahl von Forschungsinfrastrukturen in Österreich, bei größeren, international sichtbaren Forschungsinfrastrukturen hat die Alpenrepublik im Vergleich mit anderen forschungsintensiven EU-Ländern jedoch deutlichen Aufholbedarf. "Ein Defizit besteht zudem in der kooperativen Nutzung der Infrastruktur", erklärt Bonn. Rund 75 Prozent aller erhobenen Infrastrukturen werden ausschließlich von der betreibenden Organisation genutzt. Institutionsübergreifende Nutzung von Großgeräten und Core-Facilities findet außerhalb des Kooperativen Sektors kaum statt.

"Eine bessere Vernetzung und der verstärkte Ausbau von Service Centern sowohl an den Hochschulen als auch in den Unternehmen würden gleichermaßen die Exzellenz in der Wissenschaft fördern und die Kosten von Großinfrastrukturen senken", ist Bonn überzeugt.

Um in der internationalen Forschung auch weiterhin im Spitzenfeld zu bleiben, wird es für Österreich auch zunehmend wichtiger, sich an internationalen und europäischen Kooperationen zu beteiligen. Im Bereich Infrastruktur stellt die Initiative "European Strategy Forum on Research Infrastructures", kurz ESFRI, den momentan umfassendsten Plan dar, europäische Infrastrukturzentren zu bilden, gemeinsam zu führen und zu finanzieren. In den 44 geplanten Projekten im Rahmen der ESFRI-Roadmap 2008 ist bei der derzeitigen Finanzierungslage nur eine sehr eingeschränkte Teilnahme österreichischer Organisationen möglich. Nur bei vier Projekten ist die Teilnahme gesichert.

"Dies gefährdet laufende internationale Kooperationen ebenso wie die Anbindung der österreichschen Spitzenforschung an strategisch wichtige, überregionale Forschungsinfrastrukturen. Eine Steigerung des Budgets für internationale Kooperationen ist daher dringend nötig", appelliert Bonn. Immerhin ergab die Bedarfserhebung an den Forschungsorganisationen für den Zeitraum 2010 bis 2014 notwendige Investitionen in der Höhe von ca. 1.2 - 1.5 Mrd. Euro für die Erneuerung der Forschungseinrichtungen sowie der Errichtung neuer Infrastruktureinheiten. Alleine die staatlichen Universitäten weisen in diesem Zeitraum rein für Forschungsinfrastrukturen einen Bedarf von rund 660 Mio. Euro aus.

Vorsitzender Consemüller betont: "Die vorliegenden Studiendaten bestätigen eindrucksvoll, dass wir mehr Geld in die österreichische Forschungsinfrastruktur investieren müssen. Um eine effiziente Leistungssteigerung zu garantieren, brauchen wir dazu ein Hochschulinfrastrukturprogramm." Neben einer verstärkten Bildung von "Awareness" für Forschungsinfrastruktur, verbesserter Kooperation und einer substanziellen Beteiligung und Teilnahme an internationalen Projekten - mit dem Ziel, vermehrt Führungsrollen zu übernehmen -, werden durch die Studie auch die Notwendigkeit einer verbesserten strategischen Planung, einer zielorientierten Profilbildung und der Initiierung eines tragfähigen Informationsmanagements aufgezeigt.

Die Studie "Ergänzende Erhebung Österreichischer Forschungsinfrastruktur" von Austin, Pock & Partners (2010) findet sich hier.

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