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09.09.2010 Michaela Holy

Hürdenlauf für Frauen in der IT-Branche geht weiter

Weibliche IT-Führungskräfte sind immer noch in der Minderheit und müssen nach wie vor Nachteile in Kauf nehmen. Nicht nur Vorbilder und Role Models fehlen Frauen in der IT-Arbeitswelt.

Der Trend geht in die richtige Richtung, sehr viel ist trotz zahlreicher Initiativen aber trotzdem nicht passiert: Noch immer verharrt der Frauen-Anteil im Top-Management von IT-Unternehmen auf einem niedrigen Niveau und auch die Hürden auf dem Karriereweg sind nach wie vor hoch. Das war der Tenor bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der APA-E-Business-Community.

Dem weiblichen Nachwuchs IT schmackhaft zu machen, sei bisher mehr schlecht als recht gelungen. »Wir brauchen die Frauen aber unbedingt. Schließlich ist der Mangel an Nachwuchs in der Branche ein wirtschaftliches Thema. Da geht es nicht um ‘wäre nett’, sondern wir benötigen alle Gruppen im Sinne von Diversity«, so Evelin Mayr von HP Österreich.

Eine neue Studie über Bildungswegentscheidungen könnte hier ein Ansatz sein: Nicole Schneeweis und Martina Zweimüller vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Uni Linz haben herausgefunden, dass der Mathematik-Unterricht ohne Buben die Chance von Mädchen erhöht, dass sie später in eine technische Schule gehen. Expertinnen fordern daher fächerweise Geschlechtertrennung, denn Mädchen könnten so ihre immer wieder dokumentierte Scheu vor naturwisschenschaftlichen Fächern eher ablegen.

Ein paar Schritte weiter, im Arbeitsleben, seien neben flexiblen Arbeitszeiten auch Rollenvorbilder essenziell, so die Expertinnen der Podiumsdiskussion. Bei HP betrage der Frauenanteil bei den Mitarbeitern rund 30 Prozent, in der ersten Führungsebene 50 Prozent. »Das ist für die IT-Branche sehr viel, aber selbst wir sehen noch Spielraum nach oben«, so Mayr. Zielvorgabe sei, in der Bewerbungsendrunde einen Frauenanteil von 50 Prozent zu haben. Eine Quote hält sie aber nicht für zielführend, »weil wir gar nicht so viele Bewerberinnen haben«.

»Es ist ganz klar, dass wir was tun müssen«, unterstrich auch Elisabeth Unger-Krenthaller von SAP Österreich. Rund 60 Prozent der Uni-Absolventen seien weiblich, im Top-Management komme davon aber wenig an. »Gerade in der IT-Branche, die historisch sehr männerlastig ist, fehlt es Frauen leider oft an guten Vorbildern und Role Models«, bemängelte Unger-Krenthaller. Quoten sieht sie nicht als Ziel, »sondern als eine Maßnahme, um ein gewisses Ziel zu erreichen«. Bei SAP Österreich seien an die 40 Prozent der Gesamtbelegschaft weiblich.

GLÄSERNE DECKE Eine Entscheidung für die Karriere sei für Frauen »noch immer eine Entscheidung für Doppelbelastung und weniger Lohn«, so Marija Jelinek vom Beratungsunternehmen Capgemini. Zwar sei ein Drittel der Beschäftigten in der IKT-Branche weiblich. Trotz einer gleichwertigen Ausbildung würden Frauen in technischen Berufen aber seltener auf Führungsposten gelangen und häufig »übersehen«.

Von weiblichen und männlichen Führungskräften werde dasselbe erwartet: Fachkompetenz, Durchsetzungsvermögen, Bereitschaft für längere Arbeitszeiten, unternehmerisches Denken. »Gleichzeitig verdienen Frauen auf IT-Positionen nicht dasselbe wie Männer«, so Jelinek. Außerdem müsse die fachliche Kompetenz immer wieder unter Beweis gestellt werden. »Es ist ein langsamer Prozess, Klischees aus den Köpfen zu bringen«, so Jelinek.

»Frauen müssen sich bewusst für eine Karriere entscheiden und damit auch mögliche Nachteile in Kauf nehmen: Wenig Freizeit, keine Zeit für Partner und Familie«, stellte Lisa Kuhn von Navax Consulting fest. Derzeit seien viele Frauen in der IKT-Branche in Bereichen wie Administration oder Marketing tätig. »Wenn unter zehn möglichen Kandidaten für eine Führungsposition nur eine Frau ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie es wird, dementsprechend gering«, so Kuhn.

Frauen würden überhaupt ihr Licht zu sehr unter den Scheffel stellen, waren sich die Diskutantinnen einig. »Männer, die zu 60 Prozent geeignet sind, sagen sich: ‘Schauen wir was geht’. Frauen, die die Anforderungen zu 100 Prozent erfüllen, sind sich unsicher, ob sie das schaffen«, so HP-Managerin Mayr.

Außerdem würden sich männliche Bewerber besser verkaufen, weibliche wollten ihre Qualifikation am Papier nachweisen. Frauen würden auch auf eine Beförderung warten, Männer ihre Karriere konkret planen, so der Tenor. Unger-Krenthaller empfiehlt Frauen deshalb: »Tue Gutes und rede darüber.«

»Ist die Zukunft wirklich weiblich?« heißt auch eine Podiumsdiskussion auf der Personal Austria am 22. September. Hier diskutieren u.a. Gundi Wentner von Deloitte, Gabriele Domschitz, Vorstandsdirektorin der Wiener Stadtwerke und Joachim Burger, Personaldirektor von T-Mobile Austria.

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