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23.09.2010 Michaela Holy

Gleiche Chancen durch anonyme Bewerbung?

Eine Monster-Umfrage zeigt: Knapp 40 Prozent der österreichischen Umfrageteilnehmer glauben an mehr Chancengleichheit durch anonymisierte Unterlagen. Mehr als 60 Prozent sehen die Gleichbehandlung spätestens im Bewerbungsgespräch gefährdet.

Hat Anna bei ihrer Bewerbung mehr Chancen als Ayse? Eine Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) und der Universität Konstanz bestätigt diese Befürchtung. Sie belegt, dass Bewerber mit einem türkisch klingenden Namen bei gleicher Qualifikation deutlich seltener zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden, als Bewerber mit einem deutschen Namen. Doch auch Merkmale wie Alter, Geschlecht und Konfession können das Bewerbungsverfahren entscheidend beeinflussen. Aus diesem Grund startet die Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Berlin die Initiative „Anonyme Bewerbung“. Fünf deutsche Großunternehmen wie etwa die Deutsche Telekom nehmen daran teil und akzeptieren ab Herbst ein Jahr lang nur noch anonyme Bewerbungen ohne Angaben zu Nationalität, Alter, Geschlecht, Familienstand oder Name. So soll allein die Leistung und Qualifikation in die Entscheidung für oder wider einen Bewerber einfließen. Eine Befragung des bekanntesten österreichischen Online-Karriereportals Monster.at* zeigt: 37 Prozent der österreichischen Umfrageteilnehmer denken, dass durch anonyme Bewerbungen die unbewusste oder bewusste Diskriminierung in der ersten Bewerbungsrunde verhindert wird. 63 Prozent der Befragten sehen eine höhere Chancengleichheit allerdings spätestens im Bewerbungsgespräch als nicht mehr realistisch.

Der Vergleich mit Deutschland und der Schweiz zeigt, dass die Umfrageteilnehmer Chancen und Grenzen der anonymen Bewerbung ähnlich einschätzen. So geben 40 Prozent der befragten Deutschen und 41 Prozent der Schweizer an, dass sie durch die anonyme Bewerbung das Kriterium der Qualifikation in der ersten Bewerbungsrunde gesichert sehen. Für 59 Prozent der Schweizer und 60 Prozent der Deutschen jedoch ist die Unvoreingenommenheit der Arbeitgeber spätestens im Bewerbungsgespräch nicht mehr sicher gestellt.

„Die IZA Studie für Deutschland zeigt, dass die Ungleichbehandlung in kleineren Unternehmen am stärksten ausgeprägt ist. Gleichzeitig leiden diese Unternehmen am meisten unter dem drohenden Fachkräftemangel. Für Österreich vermuten wir ein ähnliches Bild“, sagt Barbara Wiesinger, Country Manager & Sales Director bei Monster Worldwide Austria. „Die anonyme Bewerbung kann auch in Österreich eine große Chance für all diejenigen Bewerber sein, die mit ihrer Qualifikation überzeugen, aber aufgrund von Alter, Nationalität oder Geschlecht im Bewerbungsprozess unter Umständen vorab ausscheiden.“

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