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25.10.2010 Michaela Holy

Business-Frauen in Österreich

Von 1997 bis 2007 hatte sich der Frauenanteil bei den Führungskräften in Österreich von 16 auf 36 Prozent mehr als verdoppelt. Drei Jahre später, 2010, sind nur mehr 30 Prozent der Führungskräfte weiblich.

Bei der Teilhabe von Frauen in der Wirtschaft erreicht Österreich im aktuellen Gender Gap Report 2010 den 92. Rang von 134 Ländern – die Schweiz den 30., Deutschland den 37. Rang. Innerhalb der EU ist nur ein Land noch weiter hinten als Österreich: Italien, das an 97. Stelle liegt. Spanien liegt 14 Ränge vor Österreich: an 78. Stelle.

Vor diesem Hintergrund diskutierten Top-Manager mit 150 Teilnehmern aus Wirtschaft, Medien und Politik bei Women Talk Business in der Industriellenvereinigung konkrete Maßnahmen zur Gleichstellung von Frauen und Männern in zukunftsorientierten Unternehmen anhand der Beispiele von Hewlett-Packard und Infineon.

In seiner Begrüßung betonte Peter Koren, dass sich die Industrie ihrer Verantwortung im Bereich Vereinbarkeit von Familie und Beruf und deren Wichtigkeit für den Wirtschaftsstandort Österreich vollkommen bewusst sei. Aus diesem Grund wäre die IV 2010 Gastgeber für Women Talk Business und hätte Markus Beyrer, Generalsekretär der IV, den Ehrenschutz übernommen. Christian Friesl nannte als Gründe für die Wichtigkeit der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Wirtschaft das damit mögliche Wirtschaftswachstum, wichtige Beschäftigungsimpulse und eine positive demografische Entwicklung. Letztendlich wäre es aber auch eine Frage der Ethik, dass Gerechtigkeit in den Unternehmen gelebt würde, denn an der Spitze der Unternehmen stünden „Menschen, die sich auch noch in den Spiegel schauen wollen“.

„Mir sind die sehr gut ausgebildeten und ehrgeizigen jungen Frauen aufgefallen, die nun nachdrängen – da kommt eine neue Generation“, schilderte Föderl-Schmid ihre Beobachtung. Dabei erlebe sie die jungen Männer nicht so motiviert wie die jungen Frauen. In den Industrieunternehmen würde man sich über ein derartiges Selbstbewusstsein freuen: Dieter Kittenberger erzählte, wie man bei HP Frauen zusätzlich zu den für alle zugänglichen Informationen individuell versichere, dass man sich über ihre Bewerbung freue. HP sei davon überzeugt, dass gemischte Teams die besseren Ergebnisse brächten, aber es sei aufgrund mangelnder Bewerberinnen (unternehmensin- und –extern) oft nicht möglich, dieses Ziel zu erfüllen.

Kittenberger meinte, dass Frauen gegenüber den eigenen Qualifikationen oft viel zu kritisch wären. Sabine M. Fischer erwiderte darauf, dass Frauen auch dazu erzogen würden und nannte das aktuelle Programm womenTUsuccess: „Selbst wenn Frauen, die die Technische Universität Wien erfolgreich absolviert haben, als Botschafterinnen für Mädchen gesucht werden, müssen sie durch ein Bewerbungsverfahren, an dessen Ende eine Jury die 25 besten aussucht – wo gibt es solche Bedingungen für Männer, die für ihre Alma Mater sprechen?“

Florian Haas wies darauf hin, dass das gesamte gesellschaftliche Bild von Frauen in Österreich, das Mädchen von klein auf kommuniziert würde, und die Erwartungen der österreichischen Gesellschaft an Frauen dazu führe, dass Mädchen sich gegen technische Ausbildungen entscheiden. Die Unternehmen könnten hier nur in einem mühsamen, langfristigen Prozess schrittweise dagegen wirken. Die „SEMI High Tech University“ wäre eine der vielen Maßnahmen, die Infineon dazu in Villach setze: auf spielerische Weise würde Einblick in die Welt der Technik gegeben - auch Lehrpersonen als Multiplikatoren. An jedem Programm würden dabei mehr als 50% Mädchen teilnehmen. Haas hoffte, diese sehr erfolgreiche Aktivität bald mit starken Partnern österreichweit umsetzen zu können.

Eine der Maßnahmen, die Eltern und damit vor allem Frauen mit Kinderbetreuungspflichten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtere, wäre der Heim-Arbeitsplatz. Sowohl Infineon als auch HP bieten ihren MitarbeiterInnen diese Möglichkeit und machen damit sehr gute Erfahrungen, ebenso wie mit flexiblen Arbeitszeiten-Regelungen sogar im Schichtbetrieb wie bei Infineon. Kittenberger wies auch auf die große Unterstützung von WiedereinsteigerInnen hin, wie z.B. durch den HP Career Day. Generell sei das Gender-Thema nur eines von vielen, um das sich HP im Rahmen seiner Diversity-Kultur aktiv bemühe. Weitere Diversity-Schwerpunkte wären beispielsweise Alter, Rasse, Nationalität, ethnische Herkunft und Religion.

Haas erwähnte in diesem Zusammenhang das hohe Engagement von Infineon im Bereich Integration ausländischer Arbeitskräfte. Ein Punkt, der für international tätige Unternehmen mit international rekrutiertem und eingesetztem Personal zwangsläufig überlebensnotwendig wäre. Friesl betonte zudem, dass neben der Gleichstellung von Frauen und Männern eine rasche Lösung der Integrationsfrage für den Wirtschaftsstandort Österreich von entscheidender Bedeutung für die Zukunft sei.

Hinsichtlich der Objektivität bei Bewerbungsgesprächen wies Kittenberger auf die HP-Regel hin, dass die Bewerbungsgespräche immer von einem vierköpfigen Team geführt würden. Durch die Entscheidung im Team wäre nicht nur ein höherer Grad an Objektivität sichergestellt als bei einer Einzelentscheidung, sondern auch eine vielfältigere Betrachtung der Persönlichkeit und der Fähigkeiten der sich Bewerbenden. Haas meinte, dass eine absolut objektive Entscheidung über sich in verschiedensten Details unterscheidende Lebensverläufe nie möglich wäre.

Eine hervorragende Karrieremöglichkeit für Frauen sahen alle am Podium vertretenen Unternehmen, Donau, HP und Infineon, insbesondere im Vertrieb. Johanna Stefan versicherte, dass gerade in diesem Bereich absolute leistungsorientierte Bezahlung herrsche und Frauen in der Donau im Vertrieb zu den Top-Verdienern zählen.

Hinsichtlich der neulich von der österreichischen Regierung beschlossenen gesetzlich verpflichtenden Einkommensberichte erklärte Haas, dass es bei Infineon seit 2004 ein monatliches Reporting gäbe, aufgrund dessen die Mitarbeiter genau wüssten, wo sie hinsichtlich ihrer Entlohnung stünden. Im Übrigen wären die Infineon-MitarbeiterInnen international mobil, sodass Infineon jedenfalls auf eine sinnvolle Transparenz und auch angemessene Entlohnung achten müsse, um das Personal zu halten.

Bei HP gäbe es „Pay bands“ und jeder im Unternehmen könne selbst sehen, wo er oder sie gehaltlich stünde, erläuterte Kittenberger. Wenn die Mitarbeiter nicht angemessen bezahlt würden, „verlieren wir sie unmittelbar, weil sie am Markt so gefragt sind!“

Ingrid Moritz wollte von den Unternehmensvertretern wissen, ob die Krise zu einer Benachteiligung von Frauen geführt habe, z.B. durch höheren Anteil bei den Personalreduktionen oder Hindernissen beim Wiedereinstieg von Frauen nach der Karenz. Dies hatten weder Kittenberger noch Haas beobachtet. Für Friesl hatte die Krise generell gezeigt, wo strukturelle Schwachstellen in der Wirtschaft und den Unternehmen wären.

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