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09.11.2010 Rainer Doh*

Mit neuen Technologien zum Studienerfolg

Die Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule München erprobt in mehreren Forschungsprojekten neue Formen der Lehre. Die Basis-Technologie stellt Cisco WebEx.

Die traditionelle Hochschuldidaktik befindet sich im Umbruch. Über Jahrzehnte eingespielte Formen der Lehre, beispielsweise frontal ausgerichtete Vorlesungen oder gruppenorientierte Seminare und Kurse, werden hinsichtlich ihrer Effizienz heute in Frage gestellt. Neue Anforderungen, wie sie etwa durch den Bologna-Prozess formuliert werden, müssen von den Hochschulen aufgegriffen werden und bei der Gestaltung der Lehre berücksichtigt werden. Die Hochschulen müssen daher den Studierenden auch neue Formen des Unterrichts anbieten. Dabei stehen die Technologien, die in den letzten Jahren rund um das Internet entstanden sind und die mittlerweile in vielen Bereichen ausgereifte Lösungen vorweisen können, eine zentrale Rolle.

Die Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule München – die größte Hochschule ihrer Art in Deutschland – untersucht und testet schon seit mehreren Semestern die Einsatzmöglichkeiten der Online-Technologien in der Lehre, also primär die Nutzung des Web für E-Learning. Konkret geht es um den Einsatz von Werkzeuge für Communication und Collaboration, also Web-Konferenzen, Web-Seminare und Web-Arbeitsgruppen. Solche Lösungen werden außerhalb der Hochschulen von zahlreichen Unternehmen bereits erfolgreich eingesetzt. "Der Umgang mit solchen Technologien dürfte in absehbarer Zeit zum Grundlagenwissen jedes Studierenden beziehungsweise Absolventen zählen, so wie heute Word, Excel oder Powerpoint", stellt Professor Wolfgang Döhl, von der Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen, Hochschule München, fest.

FORSCHUNGSPROJEKT ZUR ONLINE-LEHRE Im Sommersemester 2009 wurde an der Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen das Forschungsprojekt "Methoden der Online-Lehre" gestartet. Im Rahmen dieses Projekts werden die Einsatzmöglichkeiten der neuen Medien für die Lehre getestet und Anwendungshilfen für Dozenten und Studierende erarbeitet. Für die Hochschule geht es zum einen darum, die Studierenden an die neuen Tools heranzuführen, ihren Einsatz zu trainieren sowie Möglichkeiten aber auch Grenzen zu erkennen und erfahrbar zu machen. Zum anderen müssen sich die Hochschulen aber auch die Frage stellen, ob und wie sie diese neuen Werkzeuge zur Verbesserung der Lehre nutzen können.

So wurde im SS 2010 die Vorlesung "Technisches Marketing" im Weiterbildungsprogramm von der Hochschule "hybrid" angeboten, also sowohl mit Präsenz- also auch mit Online-Teilen. Die Studierenden hatten die Möglichkeit, die Lehrveranstaltung entweder live zu besuchen oder über das Conferencing-Tool von Cisco WebEx aktiv über das Web daran teilzunehmen. Zugleich wurde von jeder Vorlesung ein Webstream erstellt, der über das ganze Semester als "Lecture on Demand" im Web zur Verfügung stand. An Online-Vorlesungen der Hochschule können Studierende per Web in Echtzeit aktiv teilnehmen. Aktive Teilnahme bedeutet, Fragen in die Vorlesung hinein stellen und sich per Chat mit anderen Online-Teilnehmern, dem Dozenten und/oder dem Auditorium vor Ort austauschen zu können. Die Anwendung von Online-Technologien in der Lehre umfasst aber auch die Zusammenarbeit von Studierenden in Projektarbeiten über webbasierte Collaboration Tools. "Mit Meeting Center von Cisco WebEx haben wir eine Lösung gefunden, die sich problemlos überall installieren lässt und die von Dozenten wie von Studierenden ohne Schwierigkeiten sofort benutzt werden kann", erklärt Döhl. "Wir müssen dafür auch keine eigene Infrastruktur aufbauen, was den Einsatz weiter vereinfacht."

Regelmäßig werden Online-Vorlesungen an der Hochschule München seit dem Sommersemester 2009 und seit dem Wintersemester 2009/2010 auch im Masterstudiengang MBA and Engineering der Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen eingesetzt. Masterstudenten in diesem berufsbegleitenden Studiengang haben die Möglichkeit, Vorlesungen von wo auch immer zu hören, die entsprechenden Präsentationen 1:1 zu verfolgen oder zeitversetzt abzurufen. Diese Form des Unterrichts stößt bei den Studierenden auf große Resonanz. So wurde in diesem Studiengang für die Web-Vorlesung über ein komplettes Semester eine durchschnittliche Nutzungsrate von 20 Prozent erreicht. "Wichtig ist allerdings, dass diese neuen Techniken immer nur als Ergänzung der klassischen Lehre und nicht als deren Ersatz eingesetzt werden", betont Döhl. Das Konzept des "Blended Learning", also die wechselseitige Ergänzung und Verschränkung von Online- und Präsenzveranstaltung, hat in der Praxis Vorrang. Das zeigt auch, dass die Studierenden reine Online-Veranstaltungen, die zu Testzecken ebenfalls angeboten wurden, nicht angenommen haben.

E-LEARNING IM INTERNATIONALEN STUDIENBETRIEB Besonders engagiert hat sich die Hochschule München außerdem beim Einsatz von Webkonferenzen für den internationalen Studienbetrieb. In diesem Sektor besteht für Online-Meetings ein besonderes Potenzial, weil der klassische Dozentenaustausch sowohl für den Dozenten, als auch für die beteiligten Hochschulen mit großen Problemen verbunden ist: Die Unterbringung, die Betreuung durch die aufnehmende Hochschule, Fragen der Honorierung, die sinnvolle Eingliederung in die aufnehmende Hochschule usw. stellen Probleme dar, die die Beteiligen nur mit hohem Aufwand in den Griff bekommen können. Über Online-Vorlesungen lassen sich die internationalen Lehrveranstaltungen besser in den normalen Lehrbetrieb integrieren, weil der Dozent seine Hochschule nicht physisch verlassen muss.

Im Dezember 2009 hat die Hochschule München ein Strategieseminar zur Automobilindustrie als Pilotprojekt mit der Partnerhochschule, der Université de Haute Alsace Mulhouse Colmar erfolgreich abgeschlossen. Dabei hatten sich die beteiligten zu Beginn des Semesters zum Kennenlernen getroffen und hatten während des Semesters dann ihre Themen in internationalen und interdisziplinären Teams in WebEx-Meetings online bearbeitet. Am Ende des Semesters wurden die Ergebnisse in einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung präsentiert. Im Oktober 2011 startet eine Neuauflage dieses Seminars. Thema: Chancen und Risiken alternder Gesellschaften.

"Ich bin jetzt seit mehr als 25 Jahren als Hochschullehrer tätig", resümiert Döhl. "In dieser Zeit gab es an den Hochschulen überschaubare Änderungen. Jetzt erlebe ich, wie sich der Vorlesungsbetrieb grundsätzlich ändert. Wir veranstalten internationale Seminare, ohne dass die Studierenden ihren Hochschulort verlassen müssen; wir ermöglichen den Studierenden unseren Vorlesungen zu verfolgen, wo immer sie sich auch aufhalten; wir können Auslandsdozenten integrieren, ohne dass diese anreisen müssen und mit der Aufzeichnung von Vorlesungen (lecture on demand) eröffnen wir unsren Studierenden eine viel bessere Prüfungsvorbereitung. Allerdings habe ich das Gefühl, dass Politik und Hochschulen dieses Potential noch gar nicht erkannt haben."

* Rainer Doh ist Redakteur in München.

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