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16.12.2010 Michaela Holy/pi

Weiblich, jung, ausgebeutet

Weihnachten steht vor der Tür. Was hierzulande Einkaufsstress hervorruft, stürzt Menschen in China in den Tod: Sie arbeiten unter menschenunwürdigen und schädigenden Bedingungen.

Alle Jahre wieder macht Südwind mit der Kampagne »Clean-IT« für faire Arbeitsbedingungen in der Elektronikindustrie auf die Situation von Arbeitern in asiatischen Produktionsstätten aufmerksam. Sie arbeiten für bekannte Markenfirmen, deren Produkte gerade zu Weihnachten verstärkt nachgefragt werden: Prognosen zufolge werden in Österreich für Elektronikartikel heuer 250 Millionen Euro für Weihnachtsgeschenke ausgegeben. Hungerlöhne, exzessive Überstunden und gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen machen den Kauf solcher Produkte möglich. Das belegte die Südwind-Kampagne anhand von Beispielen aus den Produktionsländern China und Philippinen.

Der Konzern Foxconn, der in den Medien aufgetaucht war, weil sich der mittlerweile 18. Angestellte in den Tod gestürzt hatte, beschäftigt in China 900.000 Personen und erwirtschaftet den Großteil seines Umsatzes als Auftragshersteller von Elektronikartikel für Markenunternehmen wie Apple, Nokia, HP, etc. Obwohl Foxconn Anfang des Jahres nach einer Selbstmordserie von Arbeitern unter massivem öffentlichen Druck Verbesserungen versprach, haben sich die Arbeitsbedingungen nicht entscheidend verbessert, wie neue Berichte von Clean-IT belegen. Nach der Selbstmordserie limitierte Foxconn die monatlich erlaubten Überstunden auf 80, was noch immer weit über dem gesetzlichen Maximum von 36 Stunden liegt. In einigen Werken müssen Arbeiter nun schriftlich zusichern, dass sie Überstunden »freiwillig« leisten.

Dass ohne Überstunden ein finanzielles Auskommen aber nicht möglich ist, belegen Beispiele von Clean-IT. So ging aus einem Gehaltszettel eines Foxconn-Arbeiters in Shenzhen hervor, dass der Grundlohn von 900 Yuan (etwa 100 Euro) nur 40 Prozent seines Gesamtgehalts ausmacht, den Rest verdient er mit 136 Überstunden. »Das sind 100 Stunden mehr, als das Gesetz erlaubt. Aber nur damit können die Menschen die 200 Euro verdienen, die sie bräuchten, um halbwegs über die Runden zu kommen«, so Andrea Ben Lassoued, Leiterin der Clean-IT Kampagne.

Die Zustände bei Foxconn sind in der Elektronikbranche jedoch keine Ausnahme. In philippinischen Sonderwirtschaftszonen werden Halbleiter, Festplatten und SIM-Karten für Intel, HP, Nokia und viele andere Markenfirmen produziert.

BILLIGE PRAKTIKANTEN Cecilia Tuico vom Workers Assistance Center (WAC), einer philippinischen Arbeitsrechtsorganisation, berichtet von dramatischen Entwicklungen. Mit der Wirtschaftskrise ist Kontraktarbeit zur gängigen Praxis geworden. Etwa 60 Prozent der Arbeiter sind bereits über Personalvermittlungsagenturen angestellt, darunter auch zahlreiche Praktikanten, die laut Gesetz nur 75 Prozent des Mindestlohns erhalten. »Für Zulieferbetriebe, die dem Preisdruck der Markenfirmen ausgesetzt sind, ist das günstig, denn diese Arbeiterschaft kann ständig gekündigt werden, bekommt oft nicht einmal den Mindestlohn und darf sich nicht gewerkschaftlich organisieren, obwohl das Recht darauf im Gesetz verankert ist«, so Tuico. Morde an Gewerkschaftsführern beweisen, dass es lebensgefährlich ist, sich im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen zu organisieren.

Geht es nach den Fabriksbesitzern und den Auftraggebern der philippinischen Elektronikindustrie, ist die ideale Arbeiterschaft jung, weiblich, alleinstehend, ohne familiäre Verpflichtungen und ohne Forderungen. Um sicherzugehen, dass Mitarbeiterinnen diese Voraussetzungen erfüllten, würden ihnen »virginity tests« auferlegt, so Lassoued. »Die Arbeiterinnen müssen ihre Jungfräulichkeit nachweisen, bevor sie für Hungerlöhne die SIM-Karten von Handys von Nokia, Siemens oder Sony Ericsson produzieren dürfen. Dieser massive Eingriff in die Intimität der Frauen hat mich erschüttert«.

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