"Das Problem ist oft selbst gemacht" "Das Problem ist oft selbst gemacht" - Computerwelt

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21.02.2013 :: Printausgabe 04/2013 :: Michaela Holy

"Das Problem ist oft selbst gemacht"

Fachkräfte sind am IT-Arbeitsmarkt zwar rar, aber doch vorhanden. Die "eierlegende Wollmilchsau", die topqualifiziert ist und auch noch Deutsch spricht, ist aber eher selten. Unternehmen sollten sich dessen bewusst sein und ihre Anforderungen überdenken. Der Personaldienstleister Hays tritt nun neben anderen Ländern auch in Österreich als Managed Service Provider (MSP) auf. Warum dieser Schritt gerade jetzt erfolgt und warum manche Unternehmen ein hausgemachtes Fachkräfteproblem haben, erklärt Hays-Österreich-Geschäftsführer Mark Frost im COMPUTERWELT-Interview.

Mark Frost, Hays

Mark Frost, Hays

© Hays

Hays tritt nun auch als Managed Service Provider (MSP) auf. Wieso bieten Sie so etwas an?
Mark Frost:
Es ist fester Teil unseres Angebots. MSP ist effektiv ein Business Process Outsourcing des gesamten Managements von externen Ressourcen in der Form von Dienstleistungsverträgen oder Werkverträgen bei Kunden. Viele unserer Kunden haben festgestellt, dass sie extrem defragmentierte Einkaufslandschaften haben, und ein Ziel von MSP ist eine Konsolidierung dieser Einkaufslandschaft unter einer Dachorganisation, die im Endeffekt diese Lieferantenkette von den Kunden trennt und ihm die ganze Administration abnimmt.

Wie lang macht Hays das schon?
In Deutschland machen wir das schon seit vielen Jahren, da haben wir große Kunden wie die Deutsche Bank oder die Deutsche Telekom. Dieses Modell kommt ursprünglich aus dem angelsächsischen Raum, wo Firmen sich für die Fokussierung auf die Kernkompetenz entschieden haben.  

Wieso bietet Hays MSP in Deutschland schon seit acht Jahren an und in Österreich erst jetzt?
Ich glaube die Unternehmen waren noch nicht so weit das zu akzeptieren. Oft sind die ersten Firmen, die so etwas aufnehmen, internationale, die das von ihren Mutterkonzernen empfohlen bekommen. Auf der anderen Seite muss ich sagen: Wir waren noch nicht bereit. Es bedarf einer bestimmten Mannschaftsstärke, einer gewissen Reife, als Unternehmen so etwas überhaupt zu stemmen. Wenn man diese gewisse Reife an Personal und Prozessen nicht hat, sollte man die Finger davon lassen.

Was kommt als nächstes?
Es gibt das Thema RPO, Recruitment Process Outsourcing. Das ist ein ähnliches Modell, aber für das Thema Permanent Hiring. Das ist auch ein Produkt, das sehr viel Interesse weckt, gerade in Bereichen, wo es sehr große Sprünge und Schwankungen gibt. Nehmen wir an, ein Unternehmen braucht drei Monate zwanzig Leute pro Monat, und fünf Monate nur drei. Mit der Personalausstattung ihres Recruitmentteams werden sie das nicht auf einmal hinkriegen, außer sie haben viele Recruiter herumsitzen, die dann aber sechs Monate fast nichts zu tun haben.

Wann bietet Hays diesen Service an?
Wir sind in verschiedenen Verhandlungen, aber darüber redet man erst wenn die Tinte trocken ist.

Zum Thema Fachkräftemangel gibt es in letzter Zeit immer mehr verschiedene Ansichten. Was ist Ihre Meinung?
Den Fachkräftemangel gibt es auf jeden Fall. Es gibt nicht genügend topqualifizierte Leute. Aber im Endeffekt machen sich die Firmen das Leben manchmal selbst schwer bei dieser Thematik. In unserer HR-Studie haben wir österreichische Unternehmen gefragt ob sie auch Leute aus dem Ausland anstellen würden. Ein großer Anteil der befragten Firmen sagten 'Ja, natürlich!'. Das echte Leben zeigt aber, dass sie natürlich eine Person aus dem Ausland nehmen würden, nur muss diese fließend Deutsch sprechen und am besten aus einem EWR-Staat kommen. Wenn man aber auf die technischen Schulen beispielsweise in unseren Nachbarländern geht, welche Sprache lernen die Schüler? Nicht Deutsch! Für die Menschen am Arbeitsmarkt macht es Sinn, Englisch zu lernen und nicht Deutsch. Wenn wir hier sitzen und jammern, dass wir keine Fachkräfte haben aber nicht gewillt sind, gegebenenfalls Fachkräfte, die Englisch sprechen, zu nehmen, ist zum Teil das Problem auch selbst gemacht. Wir haben auch mehrere Kunden die kein Problem mit englischsprechenden Kandidaten haben. Für die gibt es natürlich eine deutlich breitere Bandbreite an Kandidaten.

Fachkräfte gäbe es also immer irgendwo zu finden?
Natürlich nicht. Die Unternehmen stehen schon im Wettbewerb. Natürlich will aber auch beispielsweise eine Fachkraft aus dem Osten in Österreich so viel verdienen wie heimische Fachkräfte. Die sind nicht mehr gewillt für einen Apfel und ein Ei nach Österreich zu kommen und effektiv einen hervorragenden Job zu machen, aber dafür nur sehr niedrige Tagessätze oder Gehälter zu bekommen.

Laut Studie wurden letztes Jahr insgesamt weniger Mitarbeiter gesucht als 2011. Wie ist Hays aufgestellt?
Hays hat das nicht gespürt, denn Spezialisten werden immer gesucht. Und wir suchen uns auch die Kunden die Bedarf haben und gleichzeitig verstehen, dass Prozesse eingehalten werden müssen um die beste Kandidaten zu gewinnen. Wir sind aber kein Headhunter im engeren Sinn, meine Leute gehen auf die Kunden zu und bieten ihnen bereits Kandidaten an. Wir arbeiten dabei nie mit Vorauszahlungen, das heißt der Kunde zahlt erst wenn er sagt ich will diesen Kandidaten.

Hat sich der Personalbeschaffungsmarkt in Österreich in den letzten Jahren geändert?
Als ich nach Österreich gekommen bin war alles im Personalumfeld mit Retainer unterwegs. Auch in Deutschland gab es das früher, im Executive-Bereich gibt es das immer noch. Im Spezialisten-Bereich ist es zum Teil auch durch unsere Präsenz im deutschsprachigen Markt nicht mehr so präsent. Das ist einer der interessantesten Punkte die ich gemerkt habe über die letzten fünf Jahre. Heute redet niemand mehr davon, es ist eine Selbstverständlichkeit dass es eine erfolgsorientierte Bezahlung gibt. Ob das daran liegt, dass wir seit fünf Jahren zu allen unseren Kunden sagen sie würden nur zahlen, wenn Sie sich wirklich für einen unserer Kandidaten entscheiden, kann ich nicht sagen. Außerdem ist der Markt auch schneller geworden. Wir legen sehr viel Wert darauf, dass unsere Kunden verstehen, dass sie schnell sein müssen, denn sie stehen im Wettbewerb um die besten Fachkräfte.

Das war vor fünf Jahren noch anders?
Als ich das erste Mal nach Österreich gekommen bin, hat ein Durchschnittsprozess im Festanstellungsbereich in der Regel knapp dreieinhalb Monate gedauert. Unser Durchschnittsprozess dauert etwa sechs Wochen. Und unsere schnellsten Prozesse laufen wenige Tage. Wenn ein Kunde wirklich gewillt und fähig ist so einen Prozess einzuhalten, dauert es nur einige Tage. Aber das hängt auch damit zusammen, dass wir nicht erst groß suchen müssen. Sie rufen mich heute an, in wenigen Tagen haben Sie schon die ersten Bewerbungen von Kandidaten vor sich liegen. Wenn man schnell ist gewinnt man. Je länger ein Prozess dauert, desto mehr Sachen können schief gehen. Es können vorhersehbare und nicht vorhersehbare Dinge dazwischenkommen. Deshalb machen wir auch manchen unserer Kunden eine Art Speed-Prozess-Angebot. Je schneller der Prozess ist, desto eher kann man durch eine hohe Prozessgeschwindigkeit einen geringeren Satz zahlen. Wir sehen, dass je länger der Prozess dauert, die Chance immer geringer wird, dass es zum Abschluss kommt. Und dementsprechend sagen wir: 'Wenn Sie schnell sind, kriegen Sie von uns auch einen Reward dafür.'

Das Gespräch führte Michaela Holy.

Mark Frost:
Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Tulane University in New Orleans war Mark Frost zunächst bei der US Army sowie United Parcel Services tätig. Im Jahr 2000 schloss er sein Zweit-Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen ab. Im selben Jahr startete Frost seine Karriere bei Ascena in Mannheim als Vertriebsbeauftragter. In den Jahren von 2000 bis 2007 war Mark Frost in verschiedenen Positionen tätig. Im März 2007 wurde er als Geschäftsführer der Hays Österreich Personnel Services bestellt.

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