Gewaltfreier CIO des Jahres Gewaltfreier CIO des Jahres - Computerwelt

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22.04.2015 :: Printausgabe 7/2015 :: Oliver Weiss

Gewaltfreier CIO des Jahres

Die sogenannten Soft Skills werden für moderne CIOs immer wichtiger. Kein Wunder also, dass sich Österreichs CIO des Jahres 2015 in den letzten Jahren hauptsächlich mit Themen wie Mitarbeiterführung und gewaltfreier Kommunikation beschäftigt hat.

Anton Leitner, CIO von NÖM

Anton Leitner, CIO von NÖM

© Confare

Anton Leitner, CIO der NÖM AG, wurde vor wenigen Wochen von Confare als CIO des Jahres 2015 ausgezeichnet. Ausschlaggebend für die Auszeichnung war der Jury zufolge vor allem die Schaffung einer neuen Führungskultur innerhalb der IT-Abteilung, die mittlerweile als Vorbild für das ganze Unternehmen dient.

Wie sieht es mit der Wahrnehmung der IT-Abteilung innerhalb der NÖM AG aus? Wird die IT wertgeschätzt oder eher als notwendiges Übel gesehen?
Anton Leitner:
Die Wertschätzung ist sehr hoch. Das lässt sich unter anderem an der Teilnahme am CIO Award ablesen: Mein Chef, der Vorstandssprecher der NÖM, hat im Vorfeld zu mir gesagt, dass es ihm wichtig ist, dass die IT einen Teil zur positiven Aussenwirkung der NÖM beiträgt und dass er den Award auch als Wertschätzung gegenüber mir und der IT-Abteilung empfindet. Daher hat er mich beauftragt, den Award zu gewinnen. Das war zwar keine Zielvereinbarung mit einem Bonus aber er hat sehr deutlich formuliert, dass er darauf Wert legt.

Was bedeutet die Auszeichnung für Sie persönlich?
Es ist natürlich eine Bestätigung meiner Arbeit. Ich hab mich viel mit Themen beschäftigt, die für die IT eher unüblich sind und nicht aus dem technischen Bereich kommen, die aber in Zukunft Wettbewerbsvorteile bringen werden. Zum Beispiel die Story mit meinem Mitarbeiter Sebastian: da geht es darum, dass man einem Autisten eine Chance gibt und damit eine Win-Win-Situation erzeugt, die für alle Beteiligten einen Benefit bringt. Der Autist selbst bekommt die Chance, seine Fähigkeiten gewinnbringend einzusetzen und meine anderen Mitarbeiter haben dadurch gelernt, einen anders Denkenden bzw. einen anders gearteten Menschen wertzuschätzen. Das hilft im Umgang mit Mitarbeitern aus den Fachabteilungen, die ja auch oft anders denken als ein ITler. Das ist ein ganz wertvolles Asset für die Zukunft.

Warum gehören Sie Ihrer Meinung nach zu den Top-CIOs Österreichs? Was zeichnet einen modernen CIO aus?
Womit ich mich am meisten beschäftigt habe, ist wertschätzende und gewaltfreie Kommunikation und Umgang mit Mitarbeitern. Meine eigene Entwicklung in den Bereichen Social Skills und People Management Skills ist sicher etwas Besonderes und etwas mit dem ich sehr zufrieden bin. Das ist nicht nur gut für mein Team, sondern auch für mich persönlich, weil ich dadurch auch zufriedener geworden und als Person sehr gereift bin.
Der zweite wichtige Punkt ist, dass ich im vergangen Jahr auch die Produktions-IT der NÖM übernommen habe. Neben SAP und der Infrastruktur bin ich nun auch für die Programmierung der Maschinensteuerung zuständig, was ja normalerweise nicht in der IT, sondern in der Instandhaltung oder in der Werksleitung angesiedelt ist.

Das heißt, Sie sind in der glücklichen Lage, IT und Produktion eng miteinander verzahnen zu können.
Genau. Dadurch ergibt sich eine sehr einzigartige Situation. Es wird ja heute oft von einer bimodalen IT gesprochen: das Backoffice muss stabil und solide sein, während die Prozesse manchmal sehr schnell implementiert oder verändert werden müssen. Bei mir ist durch die Kombination mit der Produktion eine trimodale IT entstanden: Ich hab die Backoffice-Prozesse, die stabil sein müssen. Dazu muss die NÖM gerade als kleiner Player im internationalen Business besonders schnell und agil sein. Ich kann mich gegen einen Konzern wie Danone nicht durchsetzen, weil ich günstiger produziere, da die viel größere Mengen haben. Ich kann mich aber durchsetzen, indem ich wendig und schnell bin. Der dritte Punkt ist die Produktion, die wieder andere Anforderungen hat.

Welche Anforderungen?
Da geht es um sehr lange Lebenszyklen, die mit den Releasezyklen von einem SAP- oder Oracle-System nicht vergleichbar sind. Ein Teil meiner Produktionsanlage ist aus dem Jahr 1998 und das ist so eine große Investition, dass die 15 Jahre halten muss. Ich kann im Produktionsbereich auch nicht einfach auf einer Maschine ein Microsoft-Update einspielen, weil das technologisch gar nicht vorgesehen ist. Diese Herausforderung gibt es in anderen Unternehmen natürlich auch, nur meistens ist da der Produktionsteil von der IT getrennt und damit nicht unter einem Hut. Bei uns hat die Integration funktioniert – nicht zuletzt aufgrund der wertvollen Arbeit meines autistischen Mitarbeiters – und das war einer der Gründe für den Gewinn des Awards.

Wie schaffen Sie es, als CIO so viel Zeit für nicht technische Themen zu haben?
Ich bin durchaus ein hundertprozentiger Techniker, hab mir aber immer zum Ziel gesetzt, dass ich überflüssig werde. Ich kenne Kollegen, die am liebsten alles selber machen wollen. Ich beschäftige mich zwischendurch schon immer wieder mit Technik und will die Dinge ein Mal verstehen und selber zusammenbringen aber dann kann das ein Mitarbeiter von mir machen. Dadurch bleibt mir mehr Zeit, mich mit anderen Themen zu beschäftigen.

Wie sieht denn die IT-Strategie der NÖM aus? Macht Ihr alles selber?
Wir sind 16 Mitarbeiter in der IT und machen sehr viel selbst. Zum Beispiel die ganzen Entwicklungen im SAP-System und auch den Betrieb.

Warum ist der Eigenanteil so hoch?
Das ist nicht deshalb, weil ich ein unverbesserlicher, altmodischer Mensch bin, sondern weil wir die modernen Technologien so gut ausnützen, dass wir aus Kostensicht nicht in die Cloud oder ins Outsourcing gehen können. Ich mache jedes Jahr eine Evaluierung und wenn ein externer Dienstleister etwas besser und günstiger machen kann, dann hab ich kein Problem damit, dann soll der das machen. Da schrecken mich auch Datenschutzbedenken nicht ab. Wir finden nur niemanden, der das in der selben Qualität zu den Kosten machen kann. Das scheitert aber wie gesagt nicht an meiner Geisteshaltung. Wenn die Businessstrategie vorgibt, dass ich schnell reagieren und beispielsweise einen Vertriebsprozess rasch ändern muss, dann bin ich ganz klar der Meinung, dass ich wesentlich schneller bin, wenn ich das Prozessknowhow kombiniert mit dem Umsetzungsknowhow im Hause habe.

Das Gespräch führte Oliver Weiss.


Anton Leitner:

Anton Leitner ist seit 2006 als CIO der NÖM AG tätig. Zuvor war er fünf Jahre lang CIO bei Eduscho/Tchibo. Nach dem Studium der Elektrotechnik und Datentechnik sowie einer Assistenz-Tätigkeit an der TU Wien wechselte Leitner 1993 in die Beratung und war bis 2001 als Principal Consultant für Capgemini tätig. Schwerpunkt war dabei die Implementierung von SAP-Lösungen.

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