Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


07.05.2015 :: Printausgabe 8/2015 :: Oliver Weiss

"Stück für Stück Vertrauen erarbeiten"

Indem er sich Schritt für Schritt das Vertrauen der Business-Seite erarbeitet hat, ist es Christian Pfundner, Leiter EDV und Organisation bei Schrack Technik, gelungen, die IT-Abteilung als Business Enabler im Unternehmen zu positionieren.

Christian Pfundner ist seit Oktober 2012 Leiter EDV und Organisation bei Schrack Technik.

Christian Pfundner ist seit Oktober 2012 Leiter EDV und Organisation bei Schrack Technik.

© Confare

Christian Pfundner wurde heuer im Rahmen des Confare CIO Awards zum zweiten Mal in Folge als einer der Top-IT-Manager Österreichs ausgezeichnet. Im Gespräch mit der COMPUTERWELT erklärt er, warum Schrack keinen CDO braucht und warum ein moderner CIO auch ein guter Verkäufer sein sollte.

Was ist ihr oberster Grundsatz als CIO?
Christian Pfundner:
Alles tun, um dem Unternehmen bestmöglich zu dienen und zukunftsorientiert agieren. Die Zeiten, in denen eine IT-Abteilung nur Betriebsabteilung sein muss, sind definitiv vorbei. Ich beschäftige mich zumindest gedanklich viel mehr mit der Zukunft, als mit dem Heutigen. Alles was wir heute und in den nächsten zwei Monaten machen, ist lange geplant und abgehakt. Interessant ist, was wir in den nächsten ein bis zwei Jahre machen werden, was es für neue Trends gibt, die man für das eigene Unternehmen nutzen kann.

Womit haben Sie sich im letzten Jahr hauptsächlich beschäftigt?
Im vergangenen Jahr war unser Motto: die richtigen Dinge tun. Sowohl intern als auch extern. Innerhalb der IT-Abteilung haben wir uns intensiv damit beschäftigt, womit wir denn eigentlich unsere Zeit verbringen, denn in den kritischen Bereichen sind wir ressourcenmäßig schon sehr im Eck. Wir haben in den letzten Jahren viel optimiert, Prozesse gestreamlined und effizienter gemacht und daher war es an der Zeit, sich einmal wirklich strukturiert anzuschauen, ob wir unsere Ressourcen auch optimal nutzen. Ziel war, herauszufinden, welche Dinge noch umgesetzt oder verändert werden müssen, damit wir weniger Ressourcen dafür brauchen bzw. zu erkennen, wo wir vielleicht momentan zu wenig Ressourcen aufwenden und das langfristig ändern sollten.

Und was haben Sie für das Business getan?
Das zweite große Thema war, die richtigen Dinge zu tun, um das Business zu enablen. Da gab es im letzten Jahr ein großes Projekt, im Zuge dessen wir ein Data Warehouse bzw. eine Business-Intelligence-Plattform eingeführt haben. Und zwar auf Bestreben der IT, weil das Business der Meinung war, dass wir das nicht brauchen. Wir haben aber gesagt: Wir brauchen es doch. Sobald die Plattform dann im Einsatz war, mussten alle zugeben, dass wir recht hatten, dass es eine gute Entscheidung war und die Plattform uns ganz neue Möglichkeiten gibt. Das war uns in der IT schon vorher klar, aber der Prophet hat es eben nicht immer leicht.

Es ist eher ungewöhnlich, dass ein BI-Projekt auf Wunsch der IT-Abteilung eingeführt wird.
Das stimmt. Es hat auch einiges an Überzeugungsarbeit gekostet, um die entsprechenden Mittel und Ressourcen für die Umsetzung dieses Projektes zu bekommen. Wir genießen inzwischen ein gewisses Vertrauen im Unternehmen, das hat natürlich dabei geholfen.

Wie wird denn die IT-Abteilung von Schrack intern wahrgenommen?
Wir sind mittlerweile in der glücklichen Lage, dass die IT als Business Enabler wahrgenommen wird. Dementsprechend sind wir in allen wesentlichen Bereichen vertreten und bei allen Entscheidungsfindungen vorne mit dabei. Diese Wahrnehmung, die Wertschätzung haben wir uns in den letzten Jahren erarbeitet, das ist gegessen. Wir haben gezeigt, dass eine IT-Abteilung mehr machen kann, als nur Systeme zu erhalten und, dass man mit guten Ideen wirklich Mehrwert schaffen kann.

Wie sieht das Verhältnis zwischen Systemerhaltung und Innovation aus?
Schwer zu sagen. Wir haben natürlich auch laufend betriebsnotwendige Projekte und es gibt selbstverständlich Kollegen, die primär mit dem Betrieb befasst sind, weil irgendwer muss schließlich die Infrastruktur betreiben. Aber es gibt genauso Kollegen, die sich sehr viel mit Weiterentwicklung befassen. Wir sehen uns eindeutig als ein Bereich, der sehr viel in Weiterentwicklung investiert, weil wir einfach die Prozess- und Funktionsschmiede des Unternehmens sind. Insofern gibt es viel Raum für Innovation.

An welchen künftigen Innovationen arbeiten Sie derzeit?
Wir haben einiges in der Pipeline. Da wir aber in einem sehr umkämpften Markt tätig sind, wäre es nicht im Sinne der Unternehmensstrategie, heute schon zu erzählen, woran wir arbeiten. Wir entwickeln im Wesentlichen unsere Digitalplattform weiter. Es geht darum, den Kunden unsere digitalen Services näher zu bringen.

Sind Sie als CIO für Digitalisierung zuständig oder braucht es dafür einen Chief Digital Officer?
Wir sind ein mittelständischer Konzern, der mit 700 Mitarbeitern in 12 Ländern tätig ist und 18 Leute in der IT-Abteilung hat. Da zu sagen, ich splitte die Funktionen und habe einen CDO und einen CIO, macht wenig Sinn. Meine Abteilung heißt EDV und Organisation, das ist absichtlich klassisch gehalten. Aus meiner Sicht ist IT ja nur der technische Teil der EDV. Es geht ja nicht darum, IT zu betreiben – das machen die Infrastruktur-Kollegen. Das ist der unterste Layer, der eigentlich außerhalb der IT-Abteilung niemanden interessiert, der muss einfach nur funktionieren. Für mich geht es darum, welchen Mehrwert wir bringen, welche Prozesse wir ermöglichen, wie wir es schaffen, unsere in Österreich definierten Prozesse international auszurollen, wie wir es schaffen, Kundenprozesse besser zu verstehen und zu unterstützen. Insofern bin ich als CIO, der seine Rolle als Business Enabler und nicht als Systemverwalter sieht, absolut für Digitalisierung zuständig.

Was sind Ihrer Meinung nach wichtige Eigenschaften eines modernen CIO?
Ganz nah am Puls der Zeit, am Puls des Unternehmens dran zu sein, maßgebend bei den Entscheidungen mitzuwirken und Innovationsmotor zu sein. Ständig das Business mit Dingen konfrontieren, die sie sich heute noch nicht vorstellen können. So wie das Data-Warehouse-Projekt zum Beispiel. Da haben auch alle gesagt: Warum brauchen wir das, wir haben ja eh unsere Excel-Sheets. Und heute kann sich keiner mehr vorstellen, wie es vorher war. Kommunikationsfreudigkeit ist auch wichtig, denn ein CIO ist auch ein Verkäufer und muss seine Ideen nach innen verkaufen. Der CIO hält alle Fäden in der Hand und wer diese Möglichkeiten nicht nutzt, um seinem Unternehmen was Gutes zu tun, ist kein Top-CIO. Diese Rolle muss man aber aktiv wahrnehmen und sich Stück für Stück das Vertrauen des Business erarbeiten.

Das Gespräch führte Oliver Weiss.

Christian Pfundner:

Christian Pfundner ist seit Oktober 2012 Leiter EDV und Organisation bei Schrack Technik. Davor war der studierte Wirtschaftsinformatiker knapp drei Jahre als Leiter der Konzern-IT bzw. ein Jahr als Group und IT Auditor bei Novomatic tätig. Begonnen hat die berufliche Laufbahn von Pfundner als Consultant im Bereich Systems & Process Assurance bei PwC Österreich.

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