Flexibles versus mobiles Arbeiten Flexibles versus mobiles Arbeiten - Computerwelt

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27.01.2016 :: Printausgabe 1/2016 :: Oliver Weiss

Flexibles versus mobiles Arbeiten

Mit einer bimodalen IT-Strategie sorgt Helmut Waitzer, CIO der Anwaltskanzlei Wolf Theiss, auf der einen Seite für hochverfügbare IT-Systeme und hat auf der anderen Seite auch noch Zeit für Visionen.

Helmut Waitzer, CIO der Anwaltskanzlei Wolf Theiss

Helmut Waitzer, CIO der Anwaltskanzlei Wolf Theiss

© Wolfgang Franz

Was zeichnet denn Ihrer Meinung nach einen guten CIO aus?

Das Wichtigste ist, Visionen zu haben. Die IT-Abteilung eines Unternehmens ist dann gut, wenn sie laufend die Prozesse verbessert. Und diese kontinuierliche Prozessverbesserung erreiche ich, indem ich mir vorstelle, wie es in fünf Jahren aussehen könnte und diese Vision dann konsequent umsetze.

Wie sieht denn Ihre Grundvision für die IT von Wolf Theiss aus?

Die ist im Grunde genommen relativ simpel. Die Mitarbeiter sollen zu jeder Zeit an jedem Ort der Welt die Möglichkeit haben, Wolf-Theiss-Ressourcen nutzen zu können. Das hört sich vielleicht einfach an, ist aber in der Praxis gar nicht so simpel, wenn man Themen wie Hochverfügbarkeit und Security bzw. Datenschutz bedenkt.

Wie adressieren Sie diese Themen bei Wolf Theiss?

Indem wir zentral eine eigene Private Cloud betreiben, auf die unsere 12 Standorte in Ost- und Südosteuropa sowie die rund 650 Clients zugreifen. Unsere Server sind auf zwei Rechenzentren von A1 aufgeteilt, die Hardware gehört aber uns und wird von meinen Mitarbeitern betreut. Auf diese Weise sind unsere Systeme hochverfügbar und selbst wenn eines der beiden Rechenzentren komplett ausfällt, merken das die User nicht.

Hochverfügbarkeit spielt bei Wolf Theiss also eine wichtige Rolle.

Absolut. Stabilität und Verfügbarkeit haben neben dem Aufdecken neuer Möglichkeiten oberste Priorität. Ganz im Sinne einer bimodalen IT-Strategie. Gerade in einer Anwaltskanzlei ist das besonders wichtig. Es gibt für einen Anwalt nichts Schlimmeres, als die gewohnten IT-Ressourcen nicht zur Verfügung zu haben.

Wie sieht denn bei Ihnen das Verhältnis zwischen Systemerhaltung, also der Stabilität und Innovation aus? Wie viel Zeit haben Sie tatsächlich für neue Ideen?

Ich habe im Laufe meiner Karriere irgendwann erkannt, dass ich als CIO Mitarbeiter brauche, die in bestimmten Bereichen besser sind als ich selbst. Für die Systemerhaltung sind daher meine Mitarbeiter zuständig, die sich damit besser auskennen als ich. Da nehme ich zwar an Meetings teil und treffe Entscheidungen, aber das macht vielleicht 15 Prozent meiner Arbeitszeit aus. Der Rest meiner Arbeit besteht aus dem Aufdecken neuer Möglichkeiten, aus Überlegungen, was wir optimieren können und wie ich meine Mitarbeiter noch effizienter einsetzen kann.

Ihre Grundvision lautet Zugriff auf IT-Ressourcen jederzeit von jedem Ort aus. Das heißt, Ihre Kollegen arbeiten viel mobil.

Nein. Da geht es um das Security-Thema, das ich vorhin angesprochen habe. Wir haben natürlich Smartphones und Notebooks im Einsatz, aber über eine Mobile-Device-Management-Lösung gesteuert – und das alles läuft in einem eigenen Container. Wir arbeiten mit einer Citrix-Umgebung, das heißt, wir lassen nicht zu, dass es zu einem Datenaustausch zwischen der Citrix-Umgebung und dem lokalen Gerät kommt.

Aber man kann doch vom Notebook auf die zentrale Citrix-Umgebung zugreifen, oder?

Ja, das geht.

Das ist doch auch mobiles Arbeiten.

Wenn Sie so wollen, ja. Ich nenne das flexibles Arbeiten und sehe da durchaus einen Unterschied. Flexibles Arbeiten ist für mich eben beispielsweise das Arbeiten mit einer Remote-Desktop-Lösung wie Citrix Receiver. Das bedeutet, dass der User ganz normal in sein klassisches Wolf-Theiss-Informationssystem eintaucht – als ob er an seinem Arbeitsplatz vorm PC sitzen würde.

Und was ist dann mobiles Arbeiten?

Mobiles Arbeiten bedeutet für mich unterwegs zu sein und am Smartphone wirklich Tätigkeiten durchzuführen, Einzelprozesse abwickeln zu können. Flexibles Arbeiten heißt, ich kann den Gesamtprozess damit verarbeiten. Mobiles Arbeiten dagegen ist für mich ein Approval-Prozess, zum Beispiel: Ich schaue mir schnell etwas an und gebe mein OK oder eben nicht. Aber ich werde nie auf meinem Smartphone Kalkulationen über mehrere Seiten machen, alleine schon, weil die Eingabemöglichkeiten fehlen. Für den Gesamtprozess brauche ich so viele Informationen auf einen Blick, dass das nur mit einem großen Display geht, bzw. brauche ich die Präzision einer Maus. Aber Einzelschritte lassen sich auch per Smartphone-App erledigen, und das ist dann mobiles Arbeiten. Ein anderes Beispiel wäre Videoconferencing: Wir verwenden da Lync, und das funktioniert inzwischen auch am Smartphone sehr gut.

Mobiles Arbeiten und Collaboration stehen also ganz oben auf Ihrer Agenda?

Absolut. Eine meiner Visionen wird jetzt hoffentlich wahr und ich hoffe, dass das wirklich so gut funktioniert wie angekündigt. Ich spreche von Project Continuum von Microsoft auf Basis von Windows 10 Mobile. Damit hab ich erstmals die Möglichkeit, mein Smartphone in Kombination mit der Citrix-Umgebung als PC zu verwenden. Das heißt, wenn ich am Arbeitsplatz bin, stecke ich mein Smartphone in die Dockingstation, bin ganz normal mit dem LAN verbunden, habe die Möglichkeit, meinen großen Bildschirm, Maus und Tastatur anzuschließen, starte den Citrix Receiver und bin ganz normal auf meinem Citrix-Arbeitsplatz. Das Smartphone wird damit zum Thin Client.

Und wie sieht die Vision beim Thema Collaboration aus?

Mir geht es darum, mit technischen Mitteln Collaboration auch organisatorisch besser zu unterstützen als bisher. Das funktioniert zum Teil auch mit bereits vorhandenen Mitteln und vor allem durch Überzeugungsarbeit. Das bedeutet zum Beispiel, mehr mit Portalen zu arbeiten, um die E-Mail-Flut zu reduzieren. Es gibt sagenhaft viele E-Mails und dadurch entstehen unglaubliche Redundanzen, nicht nur was den Speicherplatz betrifft. Da würde es schon reichen, den Prozess grundlegend zu ändern und mehr mit zentralen Plattformen zu arbeiten.

Das Gespräch führte Oliver Weiss.


Helmut Waitzer:
Helmut Waitzer ist als Head of IT seit April 2014 für die IT-Agenden der Anwaltskanzlei Wolf Theiss zuständig und führt dabei ein Team von 19 IT-Experten an. Im Zuge dieser Rolle hat er sowohl die IT-Infrastruktur auf neue Beine gestellt als auch eine eigene Wolf Theiss Private Cloud aufgebaut.
Vor seiner Tätigkeit bei Wolf Theiss war Waitzer zunächst als ERP-Consultant und danach als CIO bei dem österreichischen Microsoft-Partner Navax aktiv. Navax war zu dieser Zeit der erste Microsoft-Partner in Österreich, der alle drei Microsoft-Dynamics-Produkte als Software as a Service anbieten konnte, und Waitzer war in diesem Zusammenhang maßgeblich am Aufbau dieses Angebotes beteiligt. Was seine Ausbildung betrifft, so hat Waitzer an der Wirtschaftsuniversität Wien Wirtschaftsinformatik studiert.

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