Nur nicht zu viel Technik-Fokus Nur nicht zu viel Technik-Fokus - Computerwelt

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10.03.2016 :: Printausgabe 4/2016 :: Oliver Weiss

Nur nicht zu viel Technik-Fokus

Peter Karas, CIO der Brau Union, erklärt im Gespräch mit der COMPUTERWELT warum technische Expertise als CIO oft mehr behindert, als sie nützt. Sein Fokus liegt daher ganz klar darauf Businessnutzen zu stiften.

Peter Karas, CIO der Brau Union: "Die IT darf auf keinen Fall wichtiger sein, als das Business."

Peter Karas, CIO der Brau Union: "Die IT darf auf keinen Fall wichtiger sein, als das Business."

© Brau Union

Wie sieht denn Ihre Herangehensweise an Ihre Rolle als CIO aus?

Ich finde, dass technische Expertise als CIO oft mehr behindert, als sie nützt. Zu viel Technik-Fokus hält davon ab, das Big Picture im Auge zu behalten. Meiner Meinung nach ist ein IT-Manager daher nicht vorrangig dazu da, Technologie zu managen, sondern um Businessnutzen zu erzeugen. Und dazu brauche ich nicht in erster Linie Technologie. Die Zeit, die ich mit Technologie-Themen verbringe, fehlt mir schließlich, um Businessnutzen zu schaffen. Je mehr die Technik mein Hobby ist, desto mehr Fokus lege ich auch automatisch darauf. Mit dem Ergebnis, dass ich dann kein IT-Manager bin, sondern eben ein Techniker, der erst wieder einen Manager braucht, der ihn gut einsetzt und damit zur Wirkung bringt.

Ganz ohne technische Expertise geht es aber nicht, oder?

Ich verfüge durchaus über ein gewisses technisches Knowhow und war ja beispielsweise zu Beginn meiner Karriere bei Coca Cola Computer Services als gewissenhafter Programmierer tätig. Klar braucht jede IT-Abteilung Leute, die Technologie verstehen, aber das muss eben nicht ich als CIO sein. Ich brauche als IT-Manager nicht Spezialist fürs Programmieren oder für Hardware sein, sondern es geht darum zu schauen, mit welchen Maßnahmen ich etwas bewegen kann und welche Ressourcen, welche Knowhow-Träger ich dazu brauche. Genau an dieser Stelle sehe ich auch das Dilemma vieler IT-Leiter in Österreich. Ich erlebe immer wieder Diskussionen, in denen es darum geht, Technologie A, B oder C einzusetzen, weil die IT-Leiter so sehr in ihrer Technologie verhaftet sind. Dabei merkt der Kunde oder Anwender hier selten oder kaum einen Unterschied. Der Fokus sollte nicht sein, Technologie zu verbreiten, sondern Businessnutzen zu stiften, sodass hinterher Prozesse schneller, einfacher, billiger, sicherer funktionieren.

Welche Themen beschäftigen Sie denn derzeit am meisten?

Da Heineken großteils aus zugekauften Landesgesellschaften wie eben der Brau Union in Österreich besteht, gibt es eine Konzern-IT mit Sitz in Amsterdam, die den Landesgesellschaften mehr oder weniger vorschreibt, was sie zu tun haben. Ein Großteil der Arbeit besteht daher in der lokalen Umsetzung von Entscheidungen, die vom Konzern-CIO getroffen werden. Heineken rollt für seine Businessfunktionen wie Finanz, Einkauf, Produktion etc. Standard-IT-Prozesse aus. Das bedeutet, dass wir ein Konzernsystem geliefert bekommen, das den jeweiligen Prozess genau abbildet, oder Vorschriften, wie wir unsere eigenen Systeme so anpassen müssen, dass sie dem Konzernstandard entsprechen.

Das hört sich so an, als ob Sie damit nicht ganz glücklich sind.

Das würde ich so nicht sagen. Gegen diese Standardisierung gibt es ja grundsätzlich nichts einzuwenden. Aber bedingungslose Standardisierung ist auch nicht immer das Gelbe vom Ei. Wir hatten bis vor Kurzem einen Konzern-CIO, der sehr strikt war in seinen Regeln und kaum Spielraum zugelassen hat. Das Dogma war: Wir in Amsterdam sind die Gescheiteren, und ihr müsst das so machen, wie wir das vorschreiben. Das hat oft zu Problemen geführt. Standardisierung ist, wie gesagt, durchaus zu begrüßen, aber nur wenn sie auch Business Value bringt, was nicht immer automatisch der Fall sein muss. Standardisierung macht Prozesse einfacher und billiger in der Betreuung, aber wenn es aus Businesssicht ein echter Vorteil ist, dass man vom Standard abweicht, müssen auch Ausnahmen möglich sein. Die IT darf auf keinen Fall wichtiger sein als das Business.

Sind solche Ausnahmen nun möglich?

Ja, durchaus. Die Konzernzentrale hört es zwar nicht gern, wenn man dagegenredet, ist aber durchaus offen für sinnvolle Argumente. Mir ist es gelungen, unsere Anliegen so zu präsentieren, dass man in Amsterdam gesagt hat: OK, das macht Sinn. Ein Beispiel ist die derzeit anstehende Ablöse des veralteten, auf COBOL und AS/400 basierenden Kern-ERP-Systems der Brau Union. Das alte System wird in eine moderne SAP-Landschaft überführt, da auch der Konzern SAP einsetzt. Dank meiner Business-orientierten Kommunikation dürfen wir nicht nur die Ablösung des alten ERP-Systems lokal selber durchführen, sondern die neue Lösung wird nun so gebaut, dass sie anschließend auch in anderen Heineken-Ländern ausgerollt werden kann. Wir erstellen sozusagen den Prototyp. Früher war vorgesehen, dass die Zentrale in Amsterdam das System baut und wir es dann verwenden müssen.

Wenn Sie einen Wunsch an die IT-Branche frei hätten, wie würde dieser lauten?

Ich wünsche mir, dass wir innerhalb der IT mehr zusammenarbeiten. Das kritisiere ich auch bei uns im Konzern immer wieder: Wir fahren zu einem Konzern-IT-Meeting, an dem 25 Heineken-IT-Leiter aus Europa teilnehmen, hören uns an, was wir zu tun haben, fahren wieder heim und jeder erfindet dann das Rad für sich neu. Eine ähnliche Situation beobachte ich auch in der heimischen IT-Leiter-Community: Es ist kaum Zusammenarbeit da, kaum ein Denken, wie wir uns gegenseitig helfen können. Dabei könnten wir uns so viel ersparen und uns gegenseitig das Leben enorm erleichtern.

Inwiefern?

Mir würde es zum Beispiel extrem gut gefallen, einen Mitarbeiter von mir in eine andere Firma zu schicken, damit der dort drei Wochen bei einem Projekt mithilft, obwohl ich sein Gehalt zahle. Wenn das Projekt dann fertig ist, kommt dafür ein Mitarbeiter von der anderen Firma zu mir, weil er Spezialist für ein Thema ist, das ich nicht abdecken kann, und macht bei meinem Projekt mit. Dazu braucht es jedoch mehr geistige Flexibilität. Für so etwas sind wir derzeit leider nicht offen, aber ich hoffe sehr, dass uns das irgendwann gelingt." (oli)


ZUR PERSON

Peter Karas ist seit 2011 IT-Leiter der Brau Union Österreich und damit Country-IT-Manager für Österreich innerhalb des Heineken-Konzerns. In dieser Funktion war er unter anderem IT-Repräsentant in dem weltweiten Heineken-Projekt "Global World Class Brewing", hat ein Kundenportal sowie eine Verkäuferlösung für iPhones eingeführt und die Umorientierung von technischer IT zu Kundenorientierung vorangetrieben. Vor seiner Tätigkeit bei der Brau Union war Karas zehn Jahre lang IT-Leiter der Mediaprint und davor wiederum Application Manager bzw. IT-Manager bei Coca Cola. Zu Beginn seiner Karriere war er nach einem Datenerfassungs-Job bei Interunfall als Programmierer bei Coca Cola Computer Services tätig.

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