Leopold Kuschny, Strateg-it: "Man müsste viel mehr machen, damit die Leute Berufspraxis bekommen" Detail - Computerwelt

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04.11.2009 Michaela Holy

Leopold Kuschny, Strateg-it: "Man müsste viel mehr machen, damit die Leute Berufspraxis bekommen"

Leopold Kuschny, Geschäftsführer des Personalberaters Strateg-it, im Gespräch mit der Computerwelt.

Leopold Kuschny, Geschäftsführer des Personalberaters Strateg-it, über das Auf und Ab seines Unternehmens in der Krise und der Problematik, für ältere Arbeitnehmern oder Berufsanfänger den passenden Job zu finden.

Computerwelt: Wie hat sich Strateg-it in der Krise entwickelt? Leopold Kuschny: Die Aufträge sind zurückgegangen, wobei wir aber genug Kandidaten haben. Doch die Leute, die gesucht werden, sind nicht da. Strateg-it hat generell aber immer Höhen und Tiefen. Von einem Ein-Personen-Unternehmen zu einem Fünf-Personen-Unternehmen wieder auf ein Zwei-Personen-Unternehmen, dann wieder zum Fünf-Personen-Unternehmen, und jetzt sind wir wieder bei einem Zwei-Personen-Unternehmen.

Die logische Folge wäre wieder ein Fünf-Personen-Unternehmen? Nein, das strebe ich nicht mehr an. Schon der Farkas hat gesagt: Der Mensch ist immer so gut wie es ihm geht. Diesen Satz kann ich unterschreiben. Speziell wenn es schlechter wird gibt es viele, die auf Eigeninteresse arbeiten. Ich möchte kleiner bleiben und nicht mehr expandieren, sondern eher mit Kooperationen oder mit verlässlichen Partnern arbeiten.

Wie stellt sich die Job-Situation im IT-Markt in der Krise dar? Die Jungen sind gefragt, Junge findet man nicht. Ältere sind auf dem Markt. Das betrifft sowohl Freelancer als auch Angestellte. Man sucht gut ausgebildete, junge Leute.

Was ist der Nachteil von älteren Arbeitnehmern? Ich weiß es nicht. Meistens kommt das Argument vom Kunden, dass er ins Team passen muss, und sie ein junges Team haben. Damit muss er höchstens 35 Jahre alt sein.

Das heißt, es gibt eine Schere zwischen dem Alter der Suchenden und den Anforderungen der Kunden? Es gibt eine extreme Schere. Ich merke es an den allgemeinen Bewerbungen oder an Leuten, die Online-Jobbörsen benutzen, da gibt es eher ältere Arbeitnehmer und Berufsanfänger, die haben es auch schwer. Meiner Meinung nach sucht man jetzt die Idealperson und die hat entweder einen HTL-Abschluss oder ein Informatik-Studium gemacht, zwei oder drei Jahre Erfahrung in einem bestimmten Bereich gesammelt.

Wie gehen Sie damit um, wenn Sie im Vorhinein schon wissen, dass sich die Anforderungen Ihrer Kunden nicht umsetzen lassen? Ich sage dem Kunden, dass das sehr schwierig ist. Meistens hängt das ja mit dem Gehalt zusammen. Ein Kandidat, der zum Beispiel Informatik studiert und zwei, drei Jahre Erfahrung hat, ist wahrscheinlich bei einem Gehalt von 3.600 Euro. Wenn er zehn Jahre Erfahrung hat, ist er wahrscheinlich bei 4.000 bis 4.500 Euro. Ich frage jedes Mal nach einer Altersgrenze. Da höre ich sehr häufig 35; manchmal höre ich, dass das Alter kein Thema ist, da schicke ich dann auch Leute hin, die älter sind. Im Endeffekt werden dann jedoch die Jüngeren genommen – die 35-Jährigen.

Das heißt, das Problem ist das hohe Gehalt, das man zahlen müsste? Wahrscheinlich. Es kommt natürlich auch immer auf die Position an. Wenn es sich um eine Abteilungsleiter- oder eine Geschäftsführer-Position handelt, dann ist weder Alter noch Gehalt ein Thema. Im Gegenteil, da sucht man erfahrene Geschäftsführer oder Mitarbeiter, die ein dementsprechendes Standing haben. Aber in dem Moment, wo es in die Bereiche Analyse, Softwareentwicklung, Design geht, wird es mit Älteren problematisch. Was ich auf der einen Seite natürlich auch verstehe, weil da ein Vorwissen in der Programmiersprache vorhanden ist, das nichts bringt. Früher gab es die strukturierte, heute die objektorientierte Programmierung. Und es bringt nichts, wenn man auf die strukturierte Programmierung spezialisiert ist.

Wie wird die Jobsituation nach der Krise aussehen? Meiner Meinung nach war die erste Jahreshälfte gar nicht so der Tiefpunkt, sondern der kommt jetzt. Das hängt damit zusammen, dass die Projekte – die Wirtschaftskrise kam ja überraschend – im Laufen waren. Das heißt, man hat nichts gestoppt. Jetzt aber fehlt am Arbeitsmarkt der Motor von neuen Projekten, von neuen Innovationen. Ich glaube aber, dass es sich nächstes Jahr wieder stabilisiert und ich glaube, dass in zwei, drei Jahren wieder gesucht wird und wir wieder in die Situation kommen wie vorher. Irgendwann muss es weitergehen, irgendwann muss man das Gestoppte wieder starten. Und dann gibt es wieder einen Engpass an Fachkräften.

Den gibt es doch auch jetzt? Ja, aber nur in gewissen Bereichen.

Wie erklären Sie sich das? SAP ist etwas Laufendes, das muss man weiter betreuen. Also SAP-Berater sind noch immer sehr gefragt und nicht zu bekommen. Auch Entwickler werden noch immer benötigt. Wo es wirklich zurückgeht ist die Systemadministration.

Woran liegt es, dass SAP-Spezialisten gesucht werden, es aber keine gibt, obwohl das Problem schon lange bekannt ist? Wieso wendet man sich diesen Bereichen nicht zu? Ich glaube, dass es schon sehr viele versuchen und dass auch sehr viele Beratungsfirmen Junge aufnehmen und mitziehen, damit sie Erfahrung sammeln. Es wird immer mehr SAP-Personal benötigt, mehr als ausgebildet wird. Ich glaube, das AMS hat ja auch einmal versucht, mit SAP gemeinsam Leute auszubilden, aber ich glaube einfach, dass der Bedarf zu groß ist.

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