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18.11.2010 idg/Oliver Weiss

Business-Apps sind derzeit noch wenig komfortabel

Unternehmens-Apps für mobile Geräte sind laut Forrester noch im Urstadium. Selbst wenn die Anwendungen besser werden, eignen sich iPad & Co. nicht für alle Arbeiten. Doch in vielen Bereichen könnten sie die Produktivität von Mitarbeitern stark erhöhen.

Fragt man nach den großen Zukunftstrends in der IT, taucht das Stichwort Mobilität ganz weit vorne auf. Blackberry und iPhone und seit ein paar Monaten auch das iPad mischen die traditionelle Desktop-Welt in Unternehmen massiv auf. Zwar betont Apple immer wieder, dass ihre Geräte vor allem für den Consumer-Markt gebaut werden. Zudem gibt es bis auf den Blackberry auch von anderen Herstellern kein wirklich ernstzunehmendes Gerät, das mehr zu bieten hat als Multimedia und Spiele. Das hält aber Anbieter und Anwender von Business-Applikationen nicht davon ab, die mobilen Endgeräte fest in das Geschäftsleben der Zukunft einzuplanen.

Dabei sind die Geräte tatsächlich wenig Business-affin: Man kann mit ihnen im Internet surfen, E-Mails empfangen und tastaturbedingt kurz auf Mails beantworten. Man kann noch Termine und Kontakte mobil verwalten – aber mehr im Grunde genommen nicht. Das belegen auch die von Forrester ermittelten Zahlen: So nutzen schon 89 Prozent der Business-Anwender drahtlose E-Mail oder haben es zumindest in den nächsten zwölf Monaten vor. Ähnlich viele lassen sich mobil durch Termine und Kontakte führen, nämlich 74 Prozent. Nach mobilen Geschäftsanwendungen gefragt, sinkt die Rate gleich deutlich: Emergency Response betreiben 24 Prozent, mit kundenorientierten oder mobilen Außendienst-Apps arbeiten nur noch 19 bzw. 18 Prozent.

Trotzdem setzen namhafte Anbieter von Business-Applikationen voll auf die mobile Zukunft. So ruft SAP zum Beispiel bereits das kabellose Büro aus und macht mit der Übernahme von Sybase richtig große Schritte in diese Richtung. Auch Oracle, Salesforce.com und sogar Microsoft machen in der einen oder anderen Weise mobil.

Es muss ein Pakt mit der Zukunft sein, der diese und andere Unternehmen dazu bringt, das mobile Arbeiten zu propagieren. Die Realität jedenfalls kann mit dem Hype nicht so recht Schritt halten, wie zum Beispiel Forrester in seiner Studie »Mobile Applications Will Empower Enterprise Business Processes« feststellt: Der Gebrauch von mobilen Anwendungen im Business sei bisher gering, heißt es da. Alle bekannten Beispiele bezögen sich fast ausschließlich auf Außendienstmitarbeiter und Geschäftsreisende.

Aber, ist sich Forrester-Analyst Paul Hamerman sicher, das wird sich in den kommenden zwei bis drei Jahren dramatisch ändern. Forrester rechnet damit, dass schon bald klassische Unternehmensanwendungen wie ERP- oder CRM-Applikationen mobile Frontends besitzen, die die Arbeit unabhängig von Ort und Zeit ermöglichen werden. Bis es so weit ist, seien aber noch einige Hausaufgaben zu erledigen – für Anbieter und Anwender gleichermaßen.

Was bisher im Markt weitgehend fehlt, sind mobile Standard-Anwendungen. Zwar gibt es für Blackberry, iPhone & Co. tausende von Apps. Mit den gängigen Unternehmensplattformen haben diese Anwendungen aber nur wenig bis gar nichts zu tun. Zudem bieten die verfügbaren Miniprogramme meist stark eingeschränkte Funktionalität, die mit dem Komfort der Desktop-Frontends nicht annähernd mithalten kann. Zudem sind viele Apps auf nur eine Plattform beschränkt. Angesichts der kommenden Gerätevielfalt mit Betriebssystemen wie Apples iOS, RIM, Android, Chrome, Symbian und Windows Mobile ist das auf Dauer zu eng.

Die Apps befinden sich in einem »evolutionären Stadium«, urteilt Forrester, und es ist ein gnädiges Urteil. Schließlich ist auch die Amöbe evolutionsgeschichtlich ein Vorfahre des Menschen. Bezüglich ihres Funktionsumfangs, der Bandbreite, bei Preis- und Lizenzmodellen und beim Berücksichtigen von IT-Policies müssten sich die mobilen Anwendungen aber noch dramatisch weiterentwickeln, fordert Forrester.

Auch die Zielgruppen für die Business-Apps sind bislang eher eng gefasst. Neben vielreisenden Managern, die von unterwegs Termine und Mails checken möchten, gehören vor allem so genannte Task Worker zu den Benutzern meist sehr spezieller mobiler Endgeräte mit ebenso eingeschränkten Aufgaben, etwa für das Quittieren des Empfangs eines Päckchens.

Dabei könnten mobile Anwendungen fast alle End-to-End-Prozesse bereichern, meint Forrester, etwa im Personalwesen, im Verkauf oder in der Beschaffung. Auf der Agenda könnten auch Social Networking, Informationsverarbeitung und die Unterstützung von echten mobilen Arbeitern etwa durch Location Based Services stehen.

Aber es sind nicht nur die Anbieter in der Pflicht, entsprechende Apps plattformübergreifend auf den Markt zu bringen. Auch die Unternehmen müssen sich genau überlegen, welche Art von mobilen Anwendungen sich gewinnbringend einsetzen lassen und was für den effektiven Einsatz nötig ist. Sie müssen ihre Prozesse und Jobprofile in unterschiedlichen Tätigkeiten daraufhin überprüfen und gegebenenfalls an das mobile Arbeiten anpassen.

NEUE GESCHÄFTSPROZESSE Und sie müssen den Mut haben, einerseits bestimmte Tätigkeitsbereiche aus dem Konzept für mobiles Arbeiten herauszunehmen. Dazu gehören alle Aufgaben, die mit intensiver Daten- oder Texteingabe verbunden sind. Bildschirm- oder Lilliputaner-Tasten eignen sich dafür endgültig nicht. Dazu gehören Aufgaben an der Kundenfront, am Bankschalter, an der Hotelrezeption, am Abflugterminal: Wo die Kunden hinkommen, braucht es keine mobilen Endgeräte. Andererseits gehört zum strategischen Umgang mit den Möglichkeiten mobilen Arbeitens vielleicht die Definition völlig neuer Geschäftsprozesse, die die Stärken der mobilen Endgeräte – die universelle Verfügbarkeit oder die Multimedia-Fähigkeiten etwa – optimal ausnutzen.

Für Unternehmen, die sich dem mobilen Arbeiten strategisch zuwenden, hat Forrester unter anderem diese Empfehlungen parat:

Ziehen Sie den Coolness-Faktor ab: Für den Hype um iPhone und iPad können Sie sich wenig bis gar nichts kaufen. Konzentrieren Sie sich bei Ihren Planungen besser auf einen Business Case mit konkretem Return-on-Investment.

Testen Sie die mobilen Lösungen: Bevor Sie Ihre Firma mit mobilen Endgeräten und Apps ausstatten, testen Sie die Lösung in kleinem Maßstab unter realistischen Bedingungen. Pannen, die immer auftreten, können das firmenweite Ausrollen existenziell gefährden.

Akzeptieren Sie ein brauchbares Resultat und arbeiten sofort an der 2.0.-Version weiter: Die Halbwertzeit von Anwendungen sinkt im schnelllebigen Mobil-Business dramatisch. Kommen Sie zu Potte, statt auf den finalen Wurf zu warten, aber verbessern Sie Ihre Entwicklungen kontinuierlich.

Heute, schließt Forrester seine Betrachtungen zum Mobilmarkt, kennen wir mobile Endgeräte vor allem als Kommunikationstools, die auch schon mal ein paar Aufgaben der klassischen Desktop-PC übernehmen. In Zukunft werde Mobilität aber selbstverständlich sein, wenn die Endgeräte die Beschränkungen von heute überwunden haben werden: Schmale Bandbreiten, geringe Akkulaufzeit und Speicherkapazitäten, hohes Gewicht, mangelhafte Dateneingabe werden, so Forrester, in ein paar Jahren kein Thema mehr sein.

Für diese nicht allzu ferne Zukunft heißt das: Geschäftsanwendungen werden auf jedem beliebigen Endgerät laufen. Manche davon liegen gut in der Hand, andere bleiben besser auf dem Schreibtisch. Mobiles Arbeiten wird in vielen, aber nicht in allen Geschäftsbereichen für mehr Produktivität der Mitarbeiter sorgen und die Geschwindigkeit in der Ausführung durch besser ausgefüllte Zeit und geschlossene Informationslücken erhöhen. Die Applikationen werden leichter zu bedienen sein – durch Touchscreens und Multimedia. Warten wir es ab.

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