Trivadis-CEO Urban Lankes: "Man muss sich wappnen, manche Krisen kommen schnell" Detail - Computerwelt

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09.08.2011 Rudolf Felser

Trivadis-CEO Urban Lankes: "Man muss sich wappnen, manche Krisen kommen schnell"

Wolfgang Laaber, Niederlassungsleiter Trivadis in Österreich und CEO Urban Lankes sprechen im Interview mit Computerwelt.at über aktuelle Trends, Krisen und den österreichischen IT-Markt.

Trivadis ist als Schweizer Anbieter von IT-Lösungen und -Services seit 17 Jahren am Markt positioniert und an elf Standorten in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich mit über 600 Mitarbeitern und mehr als 700 aktiven Kunden tätig. 2009 übernahm Trivadis in Österreich die Delphi SW GmbH und setzte Wolfgang Laaber als Geschäftsführer ein. Seither wird kontinuierlich die Umsatz- und Mitarbeiterzahl erhöht. Auch heuer wurde mit Actinium ein österreichisches Unternehmen übernommen. Wolfgang Laaber, Niederlassungsleiter Trivadis in Österreich und Urban Lankes, Chief Executive Officer (CEO), Gründer und Mitglied des Verwaltungsrats der Trivadis Gruppe, sprachen im Interview mit Computerwelt.at über aktuelle Trends, Krisen und den österreichischen IT-Markt.

Was sind die großen Standbeine von Trivadis? Urban Lankes: Business Intelligence-Themen machen gut 20 Prozent unseres Umsatzes aus, dieser Bereich wächst am stäksten. Die Individualentwicklung macht ungefähr 40 Prozent aus, 30 Prozent sind Managed Services. Training ist ein Marketingstandbein, das umsatztechnisch nicht so stark ist – es macht fünf Prozent des Umsatzes aus. Aber es ist ein wichtiges Instrument, um in den Markt zu gehen, unsere Kompetenz zu beweisen und und erste Kontakte mit den Kunden herzustellen. Es ist aber ein sehr teures Instrument mit hohen Investitionen – im Sinne von beispielsweise Kursunterlagen und Referenten.

Aber es scheint sich auszuzahlen. Urban Lankes: Es scheint sich in Summe auszuzahlen. Weil es für uns ein Marketinginstrument ist, muss es nicht hundertprozentig EBIT-Marge getrieben sein sondern kostendeckend.

Wenn man das zusammenzählt fehlt noch etwas. Urban Lankes: Die fehlenden fünf Prozent sind der neue Bereich Business Integration Services. Hier setzen wir mehr in den Fachbereichen auf und machen weniger technologieorientierte Beratung. Damit schlagen wir die Brücke zur technologischen Umsetzung. Wir haben die Technologie auf der einen Seite und die Fachabteilungen – oder das Business – auf der anderen Seite. Mit den Business Integration Services bieten wir technologieunabhängige Fachberatung. Diese Bereiche wachsen näher zusammen: Die Wichtigkeit für die technologische Seite, das Business zu verstehen, aber auch umgekehrt für das Business, die Technologie zu beherrschen, ist zwingend notwendig um schneller und effizienter Lösungen zu bauen.

Wie haben sich die Bedürfnisse der Kunden in den letzten Jahren geändert? Urban Lankes: Früher wurden die Bestellungen und Aufträge ausschließlich von den IT-Abteilungen der Konzerne getätigt. Wir haben nie mit Fachabteilungen geredet. Dieses Bild ist heute komplett anders. 40 bis 60 Prozent der Entscheidungen – je nach Geschäftsmodell – werden von den Fachabteilungen getroffen. Wolfgang Laaber: Die ersten Entscheidungen, die eindeutig von der Business-Seite gekommen sind, waren im Bereich Business Intelligence. Das hat etwa vor 13 Jahren begonnen und ist in den letzten Jahren immer stärker geworden. Urban Lankes: Bei Individualentwicklungen reden Sie heute fast ausschließlich mit Fachanwendern, die sagen welche Funktionalität sie für ihre Applikationen brauchen. Die Entwicklungszyklen werden immer schneller, die Zeit der großen Entwicklungsprojekte mit Fünf-Jahres-Plänen ist definitiv vorbei. Heute müssen Sie innerhalb von drei bis sechs Monaten erste Releasezyklen haben.

Was wird von Kunden derzeit verstärkt nachgefragt? Was sind die aktuellen Trends? Urban Lankes: Mehrere Dinge. Das Thema Business Intelligence muss ich nicht mehr erwähnen. Das Zweite ist eine Professionalisierung des Betriebes mit Virtualisierung und Cloud auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite auch Managed Services, also das Betreiben und Sicherstellen von IT-Systemen und Applikationen. Was heute weniger gefragt ist, ist "Full-Outsourcing" an einen Betreiber. Unternehmen suchen sich Provider für bestimmte IT-Systeme und Applikationen, die das bestmöglich sicherstellen können und Services nach Bedarf zur Verfügung stellen. Das ergibt deutlich mehr Flexibilität und wesentlich höhere Betriebssicherheit. Ich bin der Meinung, dass es künftig stärkere Konkursraten geben wird, weil Unternehmen ihre IT-Infrastruktur nicht im Griff haben. Es gibt bereits erste Firmen, bei denen das entsprechend zu Buche geschlagen hat. Das managen der IT ist zwingend um im Geschäftsleben überhaupt dabei zu sein.

Die Weltwirtschaft fällt von einer Krise in die nächste. Spüren Sie Auswirkungen am Markt? Oder "gewöhnen" sich die Unternehmen langsam an Krisenmeldungen? Urban Lankes: Die aktuelle Krise an der Börse ist noch nicht auf die Unternehmen durchgeschlagen. Zum heutigen Zeitpunkt sehen wir eine robuste Auftragslage. Aber man muss sich wappnen, manche Krisen kommen sehr schnell – entsprechend agil muss man reagieren können. Ich denke, dass der Downturn von 2008/2009 in 2010 und dem ersten Halbjahr 2011 kompensiert wurde. Auch wir konnten auf jetzt über 600 Mitarbeiter zulegen. Aber man muss vorsichtig und nachhaltig agieren um nicht von der Krise überrascht zu werden.

Wie sieht es am österreichischen Markt aus? Wolfgang Laaber: Aus Sicht von Trivadis in Österreich haben wir derzeit keine Einwirkungen die auf Krise reflektieren würden. Wir sehen den österreichischen IT-Markt durchaus positiv. Speziell am Standort Wien haben wir Zuwächse und haben unsere Vorgaben übererfüllt. Wir sind frohen Mutes, dass sich das 2011 und 2012 fortsetzt. Das liegt auch daran, dass der Standort Österreich für Trivadis ein sehr junger Standort mit entsprechendem Nachholbedarf ist. Daher suchen wir auch weitere fünf bis zehn hochqualifizierte Mitarbeiter.

Sie haben heute die Übernahme des österreichischen Unternehmens Actinium Consulting bekanntgegeben (siehe auch "Trivadis übernimmt Wiener Actinium Consulting"). Urban Lankes: Mit der Akquisition der Actinium stößt ein Unternehmen zu uns, das eine ausgewiesene Kompetenz im Bereich Microsoft-BI hat, besonders in der Sparte Versicherungen – ein für uns sehr wichtiges Segment. Wir haben selber bereits einige wichtige Komponenten in diesem Bereich um Warehouses bauen zu können. Actinium ergänzt das.

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