Business Case fraglich: Keine BI-Strategie für iPad & Co. Detail - Computerwelt

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08.04.2011 Thomas Pelkmann*

Business Case fraglich: Keine BI-Strategie für iPad & Co.

ROI-Berechnungen und Einsatzszenarien für mobile Business Intelligence fehlen noch - die Nachfrage auch. In Kürze erwartet Forrester allerdings den Aufschwung.

Noch gehen mobiles Arbeiten und Business Intelligence nicht so richtig zusammen. Der Nachfrageboom und die Wirkung mobiler Geräte auf die Unternehmensstrategie werden das aber schon bald ändern, schätzt Forrester-Research-Analyst Boris Evelson in der Studie "A Practical How-To Approach To Mobile BI". Grund genug für die Profis, neue Lösungen jetzt zu entwickeln oder bereits vorhandene zu evaluieren. Die Informationen aus Prozessen und Firmendaten, fordert Forrester, sollen so schon bald auch mobilen Wissensarbeitern zur Verfügung stehen.

Dieser Aufforderung möchten viele Unternehmen aber noch nicht folgen: Einer anderen Forrester-Studie zufolge verfolgen 57 Prozent der Unternehmensverantwortlichen bislang keine Mobilstrategie oder fangen gerade erst an, eine zu entwickeln. Bei vielen ist zudem dort vor allem der Umgang mit E-Mail, Kalender und Adressbuch festgeschrieben, nicht aber fortgeschrittenere Tätigkeiten wie Kundenmanagement oder eben Business Intelligence.

Nachfrage bisher gering Die am meisten verbreitete Unternehmensanwendung im Mobilbereich - Verkaufs- und Außendienst-Applikationen - sind auch nur bei 15 Prozent der befragten Unternehmen im Einsatz, alle anderen fallen in einen niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Die geringe Nachfrage nach mobilen BI-Lösungen spürt auch Forrester selber: In den vergangenen zwei Jahren habe es gerade einmal 50 Anfragen an die Forrester-Analysten zu diesem Thema gegeben, schreibt Studienautor Boris Evelson. Das entspricht nur drei Prozent aller Anfragen zu BI. Und die meisten kamen überdies nicht von Kunden; es waren vor allem Hersteller und Consultants, die sich über die Marktchancen ihrer Lösungen erkunden wollten.

Aus Sicht der Analysten gibt es drei Gründe für diese bescheidene Bilanz bis hierher: Bisher haben Smartphones nicht die Umgebung geboten, die für die Arbeit mit BI-Anwendungen nötig wäre. Während BI-Suiten vom Desktop aus bereits mit mobilen Anwendungen zusammen arbeiteten, ließen die mobilen Endgeräte adäquate Ausstattungen für Anzeige, Analyse und Interaktion mit den empfangenen Informationen noch vermissen.

Im Unterschied zu schlichten mobilen Anwendungen seien die Anforderungen für mobile BI zudem ambitioniert: BI-Apps müssten die Möglichkeit für komplexe Interaktionen mit den Geschäftsdaten erlauben. Winzige Tasten sowie begrenzte Steuerung über berührungsempfindliche Kleinstbildschirme würden genau das aber verhindern.

Der Business Case für mobile BI ist nicht einfach zu formulieren Außerdem sei es noch immer schwer, einen Business Case für mobile BI zu formulieren. Schon im traditionellen Desktop-BI sei es aufgrund der komplexen Technologieanforderungen nicht einfach, einen ROI für Projekte zu formulieren, meint Forrester. Bei mobilen BI-Anwendungen sei das noch schwerer, weil sie mit bestehender Infrastruktur nicht auskommen und neue Investitionen in Technik notwendig machen.

Da sich die Einführung solcher Technik nicht mit Kosteneinsparungen begründen lässt, muss BI hier direkte Auswirkungen auf Geschäftsergebnisse (bessere Kundenzufriedenheit oder verbesserte Cross-Sellings) zeigen. Das aber fällt schon der traditionellen BI schwer.

Schließlich lasse die Sicherheit mobiler Endgeräte immer noch zu wünschen übrig. Alles, was sich außerhalb der Unternehmens-Netze befindet, ist potenziell unsicher, schreibt Forrester und meint damit nicht nur mobile Geräte, sondern auch Cloud-Anwendungen. Für BI, wo in der Regel vertrauliche Firmendaten verarbeitet werden, gilt das in besonderem Maße: Befinden sich diese Daten auf mobilen Endgeräten, können sie bei Verlust und Diebstahl schnell in falsche Hände geraten. IT-Abteilungen müssen - das kommt schließlich noch erschwerend dazu - mit Endgeräten aus der Consumer-Klasse umgehen, was das Ausrollen unternehmensweiter Sicherheitsstandards nicht leichter macht.

Aber nicht einmal Forrester leitet aus diesen misslichen Umständen Vorbehalte gegen mobiles Arbeiten im allgemeinen und mobile BI im Besonderen ab. Im Gegenteil: Die nächste Generation mobiler BI-Anwendungen werde die Business Intelligence revolutionieren, schwärmt Boris Evelson. Dazu würden zum Beispiel Tablet-PCs beitragen, die im Gegensatz zu den meisten Smartphones einen viel besseren Formfaktor für mobile BI böten.

Trotz Bedenken: Firmen sehen mobile Zukunft für BI Zwischen einem Viertel und einem Drittel aller von Forrester befragten Unternehmensverantwortlichen wollen iPad & Co. mit Anwendungen für mobile BI ausstatten. Zusammen mit den 41 bis 45 Prozent, die sich ebenfalls interessiert zeigen, aber noch keine konkreten Pläne verfolgen, sei das ein großes Potenzial, schlussfolgert Forrester. Zudem seien Bildschirmgröße und Qualität der Berührungssteuerung wie geschaffen für mobile Geschäftsanalysen, jubeln die Analysten. In drei bis fünf Jahren werden diese Art mobiler Endgeräte Notebooks und Laptops mindestens bei mobiler BI in den Schatten gestellt haben, wagt Forrester eine eindeutige Vorhersage.

Aus diesen optimistischen Prognosen formuliert Forrester sieben erfolgversprechende Szenarien für die Benutzung mobiler Endgeräte. Dazu zählen eine verbesserte Kunden- und Partnerbindung, schnellere Reaktionsmöglichkeiten durch "Überall-BI", bessere Verfügbarkeit für Geschäftsanalytik jenseits traditioneller BI-Suiten und der Nutzen des "Coolness-Faktors" dieser Geräte in der Kommunikation mit Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern.

Und weil das alles so schön ist, rät Forrester den Unternehmen, spätestens jetzt mit Mobile BI anzufangen: Die Geräte sind da, und sie funktionieren angemessen. Zudem bieten alle führenden BI-Produzenten mobile BI-Anwendungen, -Architekturen und lieferfertige Umgebungen an.

5 Forrester-Empfehlungen für BI-Lösungen Um aus dem vorhandenen Angebot das richtige zu finden, gibt Forrester-Analyst Boris Evelson die folgenden Empfehlungen:

1. Unterstützt die Lösung unterschiedliche visuelle Abfragetypen? Solch’ vielseitige Lösungen erforderten mehr als einfache Datenbankabfragen, schreibt Evelson.

2. Bietet die Lösung sensor-basierte Abfragen? Nicht alle Abfragen müssen über Keyboard und Touchscreen erfasst werden. Es seien auch Input über Barcode-Scanner, GPS-Ortung und Beschleunigungssensoren denkbar, so Evelson über ungewöhnliche, aber modernen Tablet-PCs angemessene Queries.

3. Bezieht die mobile BI-App geografische oder raumbezogene Daten in die Analytik ein? Es sei oft anschaulicher, wenn Kartenmaterial mit Abfrageergebnissen verbunden werde, um Ergebnisse zu verdeutlichen, schreibt Forrester.

4. Sinnvoll sei auch eine Verbindung von BI-App und anderen Anwendungen wie Adressbuch, Kalender und E-Mail, um unter Umständen schnell Daten und Dokumente in die BI-Anwendung integrieren und mit anderen Anwendern und Nutzern kommunizieren zu können.

5. Unterstützt die von Ihnen anvisierte BI-App neben traditionellen Bedienelementen wie Buttons, Popup-Menüs oder Scrollbalken auch gerätespezifische Funktionen wie Zoomen, Drehen, Ziehen?

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