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28.01.2010 Ulrich Beckmann*

Business Intelligence: Raus aus der Experten-Ecke

Moderne BI-Lösungen ermöglichen eine schnelle und flexible Analyse von Geschäftsdaten auf Knopfdruck und sind darum auch für mittelständische Unternehmen attraktiv.

Von 2006 bis 2009 rangierte Business Intelligence (BI) gemäss dem Marktforschungsunternehmen Gartner bei CIOs stets unter den zehn Technologien mit "höchster Priorität". In einer aktuellen Studie von Steria Mummert Consulting gaben zwei Drittel der befragten Manager aus deutschsprachigen Unternehmen an, bereits BI-Technologie zu nutzen. Mehr als 80 Prozent planen zudem die Einführung solcher Werkzeuge. Doch noch immer sind BI-Lösungen bei vielen Unternehmen lediglich punktuell im Einsatz, beispielsweise um bestehende Prozesse abzubilden oder das Reporting zu verbessern. Strategische Ansätze sind oft kaum vorhanden.

Gerade für kleinere Unternehmen sind traditionelle BI-Lösungen, die Datenbestände für detaillierte Auswertungen separat aggregieren und dann nach dem OLAP-Verfahren (Online Analytical Processing) durchforsten zu komplex, zu aufwändig und zu teuer. Hinzu kommt, dass diese traditionellen Lösungen in Bezug auf Datenvolumen und Auswertungsdimensionen schnell an ihre Leistungsgrenze stossen. Als Folge davon, verweigern sich viele Anwender der Nutzung von BI-Software. Die Lösungen sind schlicht zu komplex, wenn sie denn funktionieren: Eine aktuelle Studie von Actinum Consulting sagt aus, dass rund 58 Prozent der BI-Anwenderunternehmen mit der Auswahl ihres Tools unzufrieden sind. Anders ausgedrückt: Ein Grossteil der installierten Lösungen läuft nicht so, wie sich das die Auftraggeber zum Zeitpunkt des Projektstarts offensichtlich vorgestellt hatten.

KOMPLEXITÄTSREDUKTION UNABDINGBAR Die Richtung, welche die Hersteller einschlagen müssen, steht deshalb fest: Weg von komplexen Lösungen hin zu einfach bedienbaren Werkzeugen, die eine effiziente und gleichzeitig flexible Analyse von Geschäftsdaten per Mausklick ermöglichen. Die Unternehmen möchten ihre Geschäftsentscheidungen nicht länger auf Basis statischer Berichte oder improvisierter Excel-Tabellen treffen, die nur von wenigen Experten mit grossem Aufwand erstellt werden können. Sie benötigen skalierbare BI-Werkzeuge, die sich binnen weniger Tage in die Geschäftsprozesse implementieren lassen. Ausserdem brauchen sie eine Software, die so einfach zu bedienen ist, dass langwierige Anwender-Schulungen überflüssig werden. Kurz: KMU brauchen Lösungen, die das Thema BI aus der Experten-Ecke herausholen, wo es noch bis vor kurzem angesichts der Komplexität der am Markt etablierten Systeme angesiedelt war.

ALLE RELEVANTEN DATEN PERMANENT IM ARBEITSSPEICHER Einen zukunftsweisenden Ansatz zur Lösung dieser Probleme stellt die In-Memory-Analyse dar. Ein modernes BI-Werkzeug wie QlikView (siehe auch das Interview Ulrich Beckmann, Qliktech: "Gute BI-Lösungen müssen um die Ecke denken können")verzichtet auf eine aufwändige und starre Definition des Datenmodels und laden alle erforderlichen Daten von Anfang an direkt in den Arbeitsspeicher. Anschliessend finden hier alle Berechnungen und logischen Verknüpfungen statt. Das ermöglicht einerseits Abfragen und Analysen mit kürzesten Antwortzeiten, wobei sich selbst umfangreiche Massendaten nahezu in Echtzeit analysieren lassen. Andererseits bietet die permanente Verfügbarkeit aller Daten beziehungsweise Dimensionen im Arbeitsspeicher eine bislang unbekannte Flexibilität im Hinblick auf den Analyse-Blickwinkel. Aus dem Tagesgeschäft heraus können die Fragestellungen somit jederzeit per Hinzufügen neuer Dimensionen oder Kennzahlen beliebig variiert werden. Erst das ermöglicht eine echte Interaktion mit aktuellen Daten aus den operativen Prozessen. Und das wiederum ist eine elementare Voraussetzung dafür, dass Unternehmen ihre Prozesse proaktiv steuern und optimieren können.

NEUE ANSÄTZE SIND GEFRAGT Diese Fortschritte in Sachen Schnelligkeit und Flexibilität basieren auf verschiedenen technischen Innovationen. Zum einen sind viele Hersteller konventioneller BI-Lösungen bei der Entwicklung ihrer Systeme von begrenzten Prozessor-Geschwindigkeiten und hohen Kosten für Speicherplatz ausgegangen. Tatsächlich aber sind die Preise von Speicherbausteinen in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken. Gleichzeitig haben sich die Prozessorleistungen vervielfacht. Neue BI-Lösungen machen sich diese Vorteile zunutze und schöpfen mit 64-Bit-Plattformen die Kapazitäten der Arbeitsspeicher voll aus. Entsprechend fällt die bisherige Beschränkung auf maximal vier Gigabyte Adressraum im Arbeitsspeicher weg. Das ermöglicht Analysen, Berechnungen und logische Verknüpfungen jeder Grössenordnung im Moment der Datenabfrage – bis hin zu mehreren Milliarden Datensätzen bis auf Transaktionsebene in ein- und derselben Anwendung.

Zudem ermöglichen neueste Verfahren extrem hohe Laderaten von mehreren Millionen Datensätzen pro Sekunde, da sie die Daten nur noch inkrementell laden. Nach dem Laden kommen intelligente Rechenalgorithmen respektive statistische Funktionen zum Zuge, mit denen die Metadaten extrahiert und in separaten Dateien gespeichert werden. Dabei werden alle Redundanzen ausgemerzt. Die originalen Daten legt das BI-System anschliessend in einer assoziativen Datenbank im Arbeitsspeicher in stark komprimierter Form ab.

DATEN MÜSSEN NICHT IM VORFELD AUFBEREITET WERDEN Um beim Beispiel QlikView zu bleiben: Die Lösung integriert, verknüpft und analysiert Daten aus nahezu allen üblichen Formaten. Unter anderem gilt das für Daten aus ERP-Systemen wie etwa SAP oder Navision, Datenbanken wie Oracle, AS/400 oder Access und anderen Quellen wie Excel-Tabellen oder dem Internet. Zusätzliche ETL-Werkzeuge (Extract, Transfom, Load) oder Data Warehouses sind nicht erforderlich, lassen sich aber flexibel in die Analysen einbeziehen, falls sie bereits vorhanden sind.

Ein weiterer Vorteil moderner BI-Werkzeuge: Egal, woher die Daten geladen werden – sie müssen vorher nicht zeitraubend aufbereitet werden. Konventionelle Systeme arbeiteten dagegen häufig mit aggregierten Datenbeständen und Cubes, die eine aufwändige Modellierung und Definition aller Dimensionen und Hierarchien voraussetzen. Aufgaben, bei denen sowohl das Management als auch die Fachabteilungen in aller Regel auf die Hilfe der IT-Experten angewiesen waren. Heisst im Klartext: Analysten mussten gemeinsam mit ihren IT-Fachleuten vorab bestimmen und antizipieren, welche Anfragen sie später an ihre Systeme stellen wollten.

Änderten sich später die Fragestellungen, mussten diese meist in den IT-Abteilungen neu programmiert werden. Somit erforderte das Implementieren konventioneller BI-Werkzeuge einerseits beim Aufbereiten der Daten enormen Aufwand. Andererseits waren traditionelle Lösungen im Hinblick auf die Analyse-Blickwinkel und Fragestellungen wenig flexibel.

Angefangen bei einfachen Dashboards mit nur den wichtigsten Geschäftskennzahlen bis hin zu komplexesten Analysen – heutige BI-Werkzeuge decken eine breite Palette sehr unterschiedlicher und individueller Anforderungen ab. Gleichzeitig können die für die Geschäftsprozesse verantwortlichen Mitarbeiter dank integrierter, individuell konfigurierbarer Alarmfunktionen praktisch in Echtzeit auf kritische Veränderungen in den Daten reagieren. Überschreiten in der Datenbasis Veränderungen die einmal bestimmten Grenzwerte, schlägt die Software automatisch Alarm, startet andere Anwendungen oder verschickt E-Mails an die verantwortlichen Personen.

* Ulrich Beckmann ist Geschäftsführer des QlikView-Herstellers QlikTech.

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