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02.03.2010 Ulrich Beckmann*

Business Intelligence im Fronteinsatz

Business Intelligence wird zunehmend nicht mehr nur für Reporting- und Controlling-Aufgaben genutzt, sondern strategisch in den Fachabteilungen eingesetzt. Das erfordert auch von Seiten vieler Hersteller ein Umdenken.

Business Intelligence (BI) ist und bleibt ein Trend-Thema im IT-Markt. Gerade die Finanzkrise hat vielen Unternehmen gezeigt, wie hilfreich es ist, Geschäftsdaten schnell aufbereiten und in den richtigen Zusammenhang stellen zu können. Aber die Art und Weise, wie Organisationen BI nutzen, verändert sich zusehends – und das beeinflusst auch die Anforderungen an die einzusetzende Software. Für viele gilt BI noch heute in erster Linie als Finanzcontrolling-Instrument, entsprechend komplex und unflexibel sind die Systeme, die sich zudem oft nur mit Hilfe von IT-Experten bedienen lassen.

Unter den wichtigsten fünf BI-Trends 2009 des Markforschungsunternehmens Experton Group findet sich auf Platz zwei unter dem Titel "BI goes Web 2.0" der Trend hin zu anwendergenerierten Analysen. Immer mehr Anwender aus den operativen Bereichen wie Marketing und Vertrieb, so die Marktforscher, werden auf sie zugeschnittene Analysetools einsetzen, mit denen sie eigene Auswertungen anfertigen können. In eine ähnliche Richtung weist die Umfrage des Marktforschers Lünendonk. Die Befragung von 29 BI-Herstellern zeigt deutlich, dass die IT-Abteilung als Zielgruppe ihrer Vertriebsbemühungen an Relevanz verliert und dafür die unterschiedlichen Fachbereiche in den Fokus rücken. Auf einer Skala von -2 (überhaupt nicht wahrscheinlich) bis +2 (sehr wahrscheinlich) antworten die Anbieter auf die Frage, ob diese Aussage stimme, mit einem Durchschnitt von 1,3 Punkten, die grössten zehn Unternehmen kommen gar auf 1,8 Punkte.

ZU STARR UND ANWENDERFEINDLICH Das sind deutliche Erkenntnisse, könnte man meinen. Doch in der Realität führt diese Veränderung der Nutzung von BI-Software in vielen Fällen zu Problemen: Diverse BI-Lösungen auf dem Markt taugen für die neue Aufgabenstellung schlicht und einfach nicht. Der Einsatz von Business Intelligence an der Front bedeutet eine massive Zunahme an Anwendern, an Abfragen und vor allem an unterschiedlichen Fragestellungen. Vielen Tools mangelt es an Performance, flexiblen Auswertungsmöglichkeiten, der Benutzerfreundlichkeit oder allem zusammen.

Eine entsprechende Umfrage des Beratungsunternehmens Actinium Consulting unter rund 250 BI-Anwenderfirmen zeigt, wo der Schuh heute drückt: 72 Prozent der Befragten verlangen nach einer Verbesserung der Integrationsfähigkeit der Produkte, 64 Prozent nach besserer Benutzerfreundlichkeit und 60 Prozent möchten kürzere Implementierungszeiten.

Demzufolge werden sich auch "Best-of-Breed"-Lösungen, die schnelle, messbare Ergebnisse liefern und genau diesen Anforderungen der Kunden Rechnung tragen, noch stärker durchsetzen. Der "Suite-Gedanke" einiger traditioneller BI-Anbieter hat aufgrund der mangelnden Flexibilität, der langwierigen Projekte und der viel zu hohen Kosten oftmals keine Akzeptanz bei den Kunden gefunden. Und es ist nach wie vor vielfach nicht möglich, die unterschiedlichen Anforderungen der Anwender innerhalb einer komplexen Plattform abzubilden.

MIT OLAP AM ANSCHLAG Es gibt aber durchaus auch innovative Ansätze, die einen ganz anderen Weg gehen und eine Menge Vorteile mit sich bringen. So sieht beispielsweise Gartner in der In-Memory-Analyse eine aufstrebende Alternative zu vordefinierten, voraggregierten und damit unflexiblen OLAP-Würfeln. Die Analyse direkt im Hauptspeicher liefert nicht nur schnellere Ergebnisse, sie gibt den Anwendern in den Abteilungen auch mehr Unabhängigkeit, was die Analysemöglichkeiten betrifft.

"In-Memory" ist jedoch nicht gleich "In-Memory": Das Verarbeiten der OLAP-Cubes im Arbeitsspeicher alleine löst noch lange nicht die Limitationen dieser Technologie. QlikView (Anm.: die Software des Anbieters Qliktech) wurde beispielsweise von Anfang an speicherbasiert konzipiert und verzichtet komplett auf eine aufwändige und starre Definition des Datenmodells. Alle erforderlichen Daten werden sofort in den Arbeitsspeicher geladen. Dort finden im Anschluss sämtliche Berechnungen und logischen Verknüpfungen statt. Das ermöglicht Abfragen und Analysen in kürzester Zeit. Durch die permanente Verfügbarkeit aller Daten können die Anwender mit aktuellen Zahlen aus den operativen Unternehmensprozessen interagieren und sich ohne die Einschränkungen des OLAP-Verfahrens frei durch die Daten bewegen. Die Fragestellungen lassen sich dabei jederzeit den Informationswünschen der Anwender anpassen.

Bei OLAP-basierten BI-Tools ist das nicht möglich. Hier müssen alle Dimensionen schon im Vorfeld definiert werden und Änderungswünsche sind nur durch ausgewiesene IT-Experten möglich, wobei zusätzlich der gesamte Analysepfad nach erfolgter Anpassung noch einmal von A bis Z durchlaufen werden muss. Bei der In-Memory-Technologie ist die IT nur noch für das Back-End zuständig. Die inhaltliche Gestaltung sowie Anpassungen der Anwendung können in den Fachabteilungen selbst vorgenommen werden. Schliesslich sitzt hier auch das entsprechende Fachwissen beziehungsweise das Wissen um die Analyseanforderungen.

BI IST KEIN IT-TOOL (MEHR) Die Stossrichtung in Sachen BI-Nutzung zeigt, dass erfolgreich eingesetzte BI-Tools künftig nicht mehr nur einigen wenigen Spezialisten zugänglich sein dürfen, sondern für eine abteilungsübergreifende Transparenz in Unternehmen sorgen werden. Neben der Wirtschaftlichkeit des Produktes sollte deshalb bei der Einführung von Business Intelligence insbesondere auf Akzeptanz seitens der Anwender geachtet werden. Die Lösung soll nicht nur einigen wenigen IT-Experten gefallen, sondern die Fragen der Fachanwender beantworten. Nur wenn die Mitarbeiter aus Controlling, Vertrieb, Marketing, Produktion oder Einkauf schnell und einfach alle Informationen für ihre täglichen Entscheidungen erhalten, kann Business Intelligence erfolgreich zur effizienten Unternehmenssteuerung eingesetzt werden.

* Ulrich Beckmann ist Geschäftsführer des Business Intelligence-Anbieters Qliktech.

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