Gastkommentar: Probleme mit BI Detail - Computerwelt

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11.03.2010 Norbert Kainc*

Gastkommentar: Probleme mit BI

Business Intelligence (BI) sieht sich im Mittelstand mit einigen Problemen konfrontiert. Etwa der Heterogenität der Stammdaten: Eine Unzahl von Stammdaten aus verschiedensten Systemen wie Finanzbuchhaltung, Auftragsverwaltung oder CRM macht eine globale Sichtweise von vornherein fast unmöglich.

Allein banale Daten wie Kunden, Lieferanten und Artikel stellen viele Unternehmen schon vor gröbere Probleme. Es ist schwierig innerhalb eines Unternehmens eine gemeinsame Sichtweise und eine gemeinsame Sprache zu definieren. Ein Controller hat auf den Umsatz eine vollkommen andere Sichtweise als ein Vertriebsmitarbeiter. Während für einen Vertriebler der Auftragseingang wesentlich ist, interessiert sich der Controller für Themen wie Zahlungszeit und Zahlungsziel und fokussiert sich auf das Datum der Rechnungslegung. Ein Mitarbeiter im Rechnungswesen legt seinen Schwerpunkt wiederum auf das Datum des Zahlungseingangs.

Dazu kommt Unkenntnis über die wahren Steuerparameter im Unternehmen. Wesentlich ist die strikte Ausrichtung auf die wichtigsten vier bis fünf Kernkennzahlen. Die einzig wichtige Frage ist: Was beeinflusst den Umsatz wirklich? Wenn fünf Mitarbeiter im Unternehmen nach dem Umsatz gefragt werden erhält man meistens fünf verschiedene Antworten. Die Unternehmensführung muss sich bewusst werden, woher die Differenzen kommen und sich endgültig auf eine Zahl festlegen. Dieses Problem ist oft systemimmanent und zieht sich durch viele Unternehmensbereiche.

Daneben existiert meist ein Übermaß an Berichten und Listen. Welcher der unzähligen Berichte, die meist unter hohem Zeitaufwand entworfen werden (etwa 40 Prozent Zeitaufwand alleine im Controlling), wird wirklich gelesen? Niemand sieht sich derartige Berichte an und daher haben sie auch keinen Einfluss auf Entscheidungen. Tonnen an Papier landen früher oder später in der Rundablage oder im Reißwolf. Vor lauter Bäumen sieht die Unternehmensführung keinen Wald mehr. Eine klare Regelung muss festlegen welche Zahlen die Geschäftsführung zur Entscheidungsfindung wirklich will und braucht.

Auch fehlt meist die Erkenntnis, dass ein Produkt alleine kein Problem löst. Indem man ein Datawarehouse oder ein BI-Tool kauft, ohne vorher genaue Anforderungsdefinitionen festgelegt zu haben, löst man Probleme, die man ohne das Produkt gar nicht hätte. Gerade mittelständische Unternehmen brauchen oftmals keine neuen Tools. Man kann mit den bereits im Unternehmen vorhandenen Werkzeugen den Herausforderungen begegnen, indem man vorher strukturiert und mit professioneller Unterstützung die Aufgabenstellungen und Ziele definiert.

Letztlich scheitert es auch an Strukturen der Budgetierung, die oftmals keine Relevanz für die IST-Situation haben. Generell lässt sich feststellen, dass zwischen Budgetierung und IST wenig Zusammenhang besteht, das heißt die Planung basiert auf völlig anderen Sichtweisen als das IST-Reporting. Das impliziert, dass SOLL-IST-Vergleiche nicht nur von zweifelhafter Qualität, sondern einfach sinnlos sind.

* Norbert Kainc ist Geschäftsführer von Confirm Business Consulting.

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