Jonas Nachmanson, CTO Qliktech: "Wollen Sie Antworten auf Business-Fragen in sechs Monaten oder am selben Tag?" Detail - Computerwelt

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18.10.2010 Oliver Weiss

Jonas Nachmanson, CTO Qliktech: "Wollen Sie Antworten auf Business-Fragen in sechs Monaten oder am selben Tag?"

Im Gespräch mit der Computerwelt erklärt Qliktech-Chefentwickler Jonas Nachmanson warum sein Unternehmen mit dem Business-Intelligence-Tool Qlikview so erfolgreich unterwegs ist.

Qliktech ist mit seinem Business-Intelligence-Tool Qlikview sehr erfolgreich unterwegs und erreichte auch während der Krise Umsatzsteigerungen um die 60 Prozent. Von Anwendern werden vor allem die raschen Antworzeiten gelobt. Es ist jedoch nicht nur die In-Memory-Technik (die Daten werden im Arbeitsspeicher vorgehalten), die, wie oft von der Konkurrenz behauptet, den Erfolg ausmacht. Im Gespräch mit der Computerwelt erklärt Chefentwickler Jonas Nachmanson was Qlikview von der Konkurrenz abhebt.

Computerwelt: Wie werden die Qliktech-Produkte entwickelt? Jonas Nachmanson:Früher hatten wir den Luxus uns auf Zuruf verständigen zu können. Mittlerweile sind wir so gewachsen, dass man dafür eine sehr laute Stimme haben müsste. Aber es geht fast noch. Es ist eine Arbeitsumgebung, in der jeder jeden ständig trifft und das ist für die Entwicklung extrem wichtig. Die Schwedische Management-Kultur ist sehr unhierarchisch. Sprich: Kein Respekt vor dem Chef. Jeder Mitarbeiter kann jederzeit in mein Büro kommen und sagen: Schau Jonas, so müssen wir das machen und nicht so wie du sagst. Das ist wichtig für die Art und Weise, wie wir unsere Produkte entwickeln. Die Mitarbeiter fordern sich gegenseitig heraus, versuchen neue Ansätze zu finden und scheuen sich auch nicht, ihre Meinung kund zu tun. Ich glaube es ist sehr wichtig, dass wir unsere R&D-Abteilung an einem Ort haben. Das bedeutet sehr hohe Effizienz, wenig Overhead, wenig Koordinationsaufwand. In der Mitte unseres Büros stehen vier große Ikea-Sofas. Dort werden die wichtigsten Design-Entscheidungen getroffen, indem sich die Beteiligten versammeln und ins Diskutieren kommen. Das schafft eine spezielle Atmosphäre und die Mitarbeiter lieben es – und tendieren dann auch dazu im Unternehmen zu bleiben.

Warum ist Qlikview so erfolgreich? Weil wir das Ganze aus der Perspektive der Enduser betrachten. Es passiert sehr schnell, wenn man Software programmiert, dass man über Dinge wie Infrastruktur, Management, Backend, Compliance, etc. nachdenkt. Und für den Enduser heißt es dann: OK. Hier ist dein Programm. Sei glücklich damit, denn so ist es. Deshalb haben wir von Anfang an großen Wert auf die Enduser-Erfahrung gelegt. Und von diesem Ausgangspunkt mussten wir es dann schaffen, wieder die Kurve zurück zu Dingen wie Backend, etc. zu kriegen. Dieser Fokus macht den Unterschied aus. Das ist aber auf der anderen Seite auch ein Risiko: Wenn wir von großen Unternehmen evauliert werden, dann benchmarken uns diese Unternehmen Feature für Feature gegen all die Konkurrenz-Produkte. Wenn wir dann sagen würden: Ja lieber Kunde, selbstverständlich werden wir dieses große Feature implementieren, weil es die Konkurrenz auch hat – dann laufen wir Gefahr, sehr schnell ein Produkt zu haben, dass sich nicht mehr auf die Enduser-Erfahrung konzentriert, bei dem die Einführung und Anpassungen länger dauern, etc. Das wollen wir vermeiden und ich glaube, dass das die Falle ist, in die viele unserer Konkurrenten getappt sind.

Das heisst aber, dass sie zu manchen Kundenwünschen nein sagen müssen. Lassen Sie es mich so ausdrücken: Unsere großen Konkurrenten verkaufen mit Fokus auf große Softwaresuites. Sie erzählen dir, dass du am Besten nur einen Softwareanbieter für das ganze Unternehmen wählen solltest und dass du diese 50 Produkte brauchst und dass sie all diese Produkte für dich haben. Das ist nicht unser Ansatz. Natürlich gibt es Leute die sagen, wir sollten all die Module anbieten, die auch die großen Anbieter wie Oracle oder SAP oder Microsoft haben. Das wird aber nicht passieren. Und wir sind sehr erfolgreich mit dieser Strategie. Unser Argument ist Business-Mehrwert. Wenn wir den Business-Usern zeigen, dass sie ihre Probleme in ein paar Wochen lösen können, dann hat das sehr viel mehr Gewicht, als 50 verschiedene BI-Module anbieten zu können. Ein Beispiel: Wir haben lang überlegt, ob wir Qlikview auf Unix/Linux portieren sollen. Das würde eine Menge Ressourcen verbrauchen, die wir besser nutzen können und in all den Jahren fallen mir nur eine handvoll Deals ein, die wir verloren haben, weil wir gesagt haben: Nein, lieber Kunde, wenn du Qlikview willst dann brauchst du eine Windows-Maschine. Wenn man es herunterbricht, dann läuft es auf Business-Mehrwert vs. technische Anforderungen des Kunden hinaus. Und der Erfolg gibt uns Recht. Qlikview läuft auf Windows-Servern in einigen der Windows-feindlichsten Umgebungen der Welt.

Warum geht die Konkurrenz nicht denselben Weg? Ich glaube, dass sehr wohl viele unserer Konkurrenten - auch große Namen - mit dem gleichen Fokus gestartet sind, diesen aber recht schnell wieder verloren haben. Die großen Softwarehersteller verkaufen an CEOs und CIOs, konzentrieren sich darauf diese sehr kleine Zielgruppe zufrieden zu stellen und vergessen dabei auf die Endanwender.

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