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26.06.2009 Gary Calcott*

Businessprozesse in Echtzeit steuern

CEP schlägt die Brücke von einem statischen BI-Ansatz zu einer kontinuierlichen Überwachung und Steuerung von Geschäftsprozessen.

In einem sich ständig ändernden Marktumfeld spielt der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle. Nur wer zeitnah auf neue Rahmenbedingungen reagieren kann, sichert sich wichtige Wettbewerbsvorteile. Marktbeobachter sprechen in dem Zusammenhang schon von "Echtzeit-Unter­nehmen". Sie müssen jederzeit über aktuelle Informationen zur Steuerung und Kontrolle ihrer unternehmenskritischen Geschäftsprozesse verfügen. Die Realität steht dem vielfach noch entgegen: Denn die relevanten Daten stehen erst am Ende eines Tages, nach einer Woche oder zu Beginn des neuen Monats zur Verfügung und können somit nur zeitverzögert ausgewertet werden. Die nachträgliche Betrachtung beeinträchtigt die Qualität der Entscheidungen und wirkt sich negativ auf die Flexibilität eines Unternehmens aus.

SCHNELLE REAKTIONSFÄHIGKEIT Überall dort, wo es auf eine schnelle Reaktionsfähigkeit ankommt, muss die Datenverarbeitung und -analyse in Echtzeit erfolgen. Ein klassisches Beispiel dafür sind die Aktien- und Kapitalmärkte. Hier werden aus einer kontinuierlichen Analyse interner und externer Daten Kauf- oder Verkaufsanweisungen abgeleitet. Ein weiteres Einsatzgebiet sind SCADA (SCADA = Supervisory Control and Data Acquisition)-Systeme, die zur Steuerung und Überwachung industrieller Anlagen eingesetzt werden. Dazu werden Daten von mehreren Sensoren miteinander kombiniert. Häufig muss dabei aus vielen numerischen Messungen (etwa Rauch und Temperatur) auf ein zuvor definiertes Muster (Brand) geschlossen werden.

Typische Einsatzgebiete finden sich auch bei Netzbetreibern und Telekommunikationsanbietern. Historisch gewachsene Unternehmen – und insbesondere die ehemaligen Unternehmen in Staatsbesitz – betreiben ein äußerst heterogenes Set von Applikationen in den infrastrukturnahen, aber auch in ihren betriebswirtschaftlichen Fachabteilungen. Sie haben es mit Festnetz (Daten und Sprache), Mobilfunk und vielfach auch TV-Kabelnetzen zu tun.

Die technischen Systeme eines Telekommunikationsanbieters werden unter dem Begriff Operations Support Systems (OSS) zusammengefasst. Dazu gehören die Einsatzgebiete Accounting, Configuration, Fault sowie Performance Management und Security. Die Operatoren können damit per Fernwartung auf Netzknoten Kunden- und Verbindungsdaten einrichten oder anpassen.

Aufgabe der Fault-Management-Systeme ist die Überwachung der Netze und der damit realisierten Services. Im Fehlerfall erhalten die Fault-Management-Systeme von den Netzknoten eine Nachricht und stellen diese für den Operator in einer verständlichen Form (visualisiert und immer häufiger auch location based) dar. Darüber hinaus fragen die Fault- und Performance-Management-Systeme in regelmäßigen Abständen an den Netzknoten den Status und eine Reihe von Leistungsparametern (Auslastung, Durchsatz, Schaltleistung etc.) ab und setzen die Daten ebenfalls meist in grafischer Form um. Nur in Ausnahmefällen existieren Systeme, die einzelne Fehler miteinander korrelieren und dem Operator Hinweise auf mögliche Fehlerursachen liefern.

Weitere Systeme sammeln Call Detail Records (CDR) sowie Usage Data Records (UDR) und stellen diese Informationen den kaufmännischen Applikationen, etwa den Billingsystemen, einem Kernelement der Business-Support-Systeme (BSS), zur Verfügung. Nur in seltenen Fällen werden Daten aus den technischen und kaufmännischen Systemen korreliert und analysiert. Was bislang fehlt, ist eine Zusammenführung der Daten aus den verschiedenen Quellen, um sie bereits zum Zeitpunkt ihres Entstehens – und nicht erst im Nachhinein – miteinander kombinieren zu können. Das Ziel dabei: Das aktuelle Geschehen direkt und ohne Verzögerung zu überwachen und aktiv steuernd in die Geschäftsprozesse einzugreifen. Durch diese ganzheitliche Sicht auf alle kundenzentrierten Prozesse lassen sich mögliche Probleme frühzeitig erkennen, bevor Kunden beispielsweise bei Vertragsänderungen oder einem Neuabschluss zu lange warten müssen bis die Dienste genutzt werden können.

GANZHEITLICHE SICHT AUF GESCHÄFTSPROZESSE Ein Mobilfunkanbieter etwa könnte ein konvergentes Billing-System dazu nutzen, um mit einer einheitlichen Lösung die Abrechnung von Pre-Paid- und Laufzeittarifen, Videos, SMS sowie Datentarifen zusammenzufassen. Das Billing-System aggregiert dazu Informationen aus mehreren Gateways. Anwender aus den Fachabteilungen nutzen Dashboards, um damit die rasche und korrekte Aggregation der Daten zu überwachen. Insgesamt werden dabei mehrere hundert Key Performance Indicators berechnet, korreliert, in Echtzeit analysiert und die Ergebnisse in einem Dashboard präsentiert.

Das grundlegende technische Konzept für derartige Applikationen liefern Ereignis-gesteuerte Architekturen (EDA = Event Driven Architecture). Deren Aufgabe ist es, Ereignisse in Datenströmen aus den unterschiedlichsten Quellen automatisch, systematisch und zeitnah zu erfassen, zu analysieren, miteinander in Beziehung zu setzen und die Ergebnisse zu bewerten. Im Kern geht es darum, Muster (Patterns) in den Datenströmen zu erkennen und anhand vorher definierter Regeln konkrete Aktionen daraus abzuleiten. Da es sich bei den Patterns um komplexe temporäre, logische oder inhaltliche Beziehungen zwischen einzelnen Ereignissen handelt, spricht man auch von Complex Event Processing (CEP). Über entsprechende Funktionen verfügt beispielsweise die CEP-Plattform Progress Apama.

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