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23.04.2014 :: Printausgabe 9/2014 :: pi/Alex Wolschann

Automatische und toolgestützte Modernisierung

Im Werk München von "MAN Bus & Truck" werden mit dem Programmsystem WMX die Produktionsprozesse der LKW- und Bus-Produktion geplant, gesteuert und überwacht. Über 700 Bildschirmmasken kann der Produktionsablauf verfolgt und kontrolliert werden.

MAN Truck & Bus plante ein Software-Migrationsprojekt, um seine einfachen, textorientierten Bildschirmmasken durch moderne Oberflächen zu ersetzen - automatisiert.

MAN Truck & Bus plante ein Software-Migrationsprojekt, um seine einfachen, textorientierten Bildschirmmasken durch moderne Oberflächen zu ersetzen - automatisiert.

© electriceye - Fotolia.com

Diese Bildschirmmasken haben über Jahrzehnte robust gearbeitet, entsprachen aber in Design und Bedienerführung nicht mehr modernen Ansprüchen an graphische Benutzeroberflächen. Typisch für derartige Anwendungen ist der Einsatz von Funktionstasten für die Maskensteuerung. Eingaben können erst nach dem Abschicken der Maske geprüft werden, unmittelbare Reaktionen während der Eingabe sind nicht möglich. Aus diesen Gründen plante MAN Truck & Bus ein Software-Migrationsprojekt. Projektziel war die Ablösung der einfachen, textorientierten Bildschirmmasken durch moderne, nutzerfreundliche und grafikorientierte Oberflächen.

Da die manuelle Modernisierung von 700 Bildschirmmasken einen enormen Aufwand bedeutet, wurde eine automatische Migration unter Nutzung geeigneter Migrationswerkzeuge favorisiert. Dabei lautete eine Forderung von MAN, dass die zukünftige Lösung browserbasiert arbeiten soll, so dass keine Software auf den Clients installiert werden muss. Eine Herausforderung bestand auch darin, parallel zur automatischen 1:1-Konvertierung neue Funktionalitäten und moderne Bedienelemente wie unter anderem Check- und Comboboxen, Radiobuttons oder Fieldsets in die Ziel-Masken zu integrieren. Die Schnittstellen zwischen der Maskenverarbeitung und den eigentlichen Verarbeitungsprogrammen (COBOL-Server) sollten im Wesentlichen unverändert bleiben.

MATRIX VON PRO ET CON

Als Partner im Migrationsprojekt wurde die Firma pro et con Innovative Informatikanwendungen ausgewählt. Mit dem von pro et con entwickelten Migrationstool MaTriX (Maskenmigration in serverbasierten Systemen) konnten die von MAN formulierten Anforderungen erfüllt werden. MaTriX arbeitet wie alle von pro et con entwickelten Migrationswerkzeuge in Analogie zu einem Compiler: Ein so genannter Parser liest proprietäre Maskenbeschreibungen ein und generiert einen vollständigen, redundanzfreien, internen Syntaxbaum der Originalmaske. In einer anschließenden Transformation wird daraus auf Basis definierter Abbildungsbeschreibungen ein interner Syntaxbaum der künftigen Maske aufgebaut. Ein Generator produziert aus dem internen Zielsyntaxbaum das resultierende GUI.

KORREKTE TRANSFORMATION
Migrationswerkzeuge, die auf Basis der Compilertechnik entwickelt wurden, vereinen in sich alle Vorteile, welche auch ein Compiler besitzt: Die internen Syntaxbäume der Quell- und Zielbeschreibung sind vollständig, so dass eine korrekte Transformation der existierenden Funktionalität "in die neue Welt" gegeben ist. Die Werkzeuge arbeiten nach Anpassung der Transformationsregeln fehlerfrei und in beliebigen Iterationen. Die eigentliche Migration der Masken verläuft zweistufig. In der ersten Stufe werden die Masken mit MaTriX im Wesentlichen 1:1 konvertiert. Zusätzlich erfolgt durch standardisierte Transformationsverfahren automatisch die Ablösung ausgewählter, zeichenorientierter Funktionalitäten durch moderne Gestaltungselemente wie scrollbare Tabellen. In einer Nachbereitung werden die Masken mit dem in MaTriX integrierten Maskeneditor um weitere Elemente erweitert. Der MaTriX-Maskeneditor arbeitet nach dem WYSIWYG-Prinzip. Er gestattet dem Anwender die Bearbeitung von Masken unter anderem über Maus-Interaktionen, Menüs und Toolbars. Dabei wird ein breites Spektrum von Gestaltungselementen unterstützt.

"Die nach der Migration verfügbaren, neuen Oberflächen entsprechen nicht nur dem modernen MAN-CI, sondern bieten auch alle Elemente einer modernen Benutzerinteraktion", sagt Curd Maier, Head of CC Production Planning & Control und Projektleiter bei MAN. "Dadurch stehen moderne Funktionalitäten zur Bearbeitung und Anzeige zur Verfügung und es wird eine Optimierung sowie Flexibilisierung der Systemarchitektur erreicht." Für pro et con Geschäftsführer Uwe Kaiser hat dieses Projekt bestätigt, dass Fachwissen im Compilerbau in jedem werkzeugbasierten Migrationsprojekt entscheidend ist. "Die Qualität der  Migrationswerkzeuge erlaubte eine schnelle und vollständige Konvertierung." (pi/aw)

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