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16.01.2012 Alex Wolschann/pte

Android-App macht Smartphones zum Geigerzähler

Mit etwas schwarzem Klebeband lässt sich jedes mit Kamera ausgerüstete Smartphone schnell in einen Geigerzähler umfunktionieren.

Mit etwas schwarzem Klebeband lässt sich jedes mit Kamera ausgerüstete Smartphone schnell in einen Geigerzähler umfunktionieren. Möglich macht dies die App "Radioactivity Counter" aus dem Android Market. Entwickelt wurde sie von Rolf-Dieter Klein gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum München. Eine Version für das iPhone soll in Kürze erscheinen. Auf breiter Basis könnte das Tool zukünftig beim Aufspüren "schmutziger Bomben" behilflich sein.

"Jeder Kamerasensor reagiert auf Strahlung", erklärt Klein die Funktionsweise des downloadbaren Geigerzählers. "Normales Licht sind Photonen, Gammastrahlen sind Photonen mit erhöhtem Energiegehalt. Klebt man nun die Linse der Handykamera ab, so werden diese trotzdem registriert, da sie die Abdeckung durchschlagen." Die größten technischen Hürden, mit der die Entwickler zu kämpfen haben, sind das Grundrauschen der Chips und integrierte Bildverbesserungsmechanismen.

Radioactivity Counter muss je nach Gerät und Kameramodell individuell konfiguriert werden, dann sei sogar eine Messgenauigkeit mit nur geringen Abweichungen im einstelligen Prozentbereich zur tatsächlichen Strahlung möglich, erzählt der Entwickler. Unkonfiguriert liegt die Differenz bei 20 bis 40 Prozent. Der Unterschied zu einem herkömmlichen Geigerzähler ist die geringere Fläche der Kameraoptik von circa 2x2 Millimeter. Das Messrohr üblicher Instrumente erreicht meist eine Länge von rund zehn Zentimetern. Diese sind dafür wartungsintensiver und erreichen schneller das Limit ihres Messbereichs.

"Die Motivation hinter der Entwicklung war der plötzliche Mangel an Geigerzählern nach dem Unglück in Fukushima", schildert Klein. "Wir haben uns gedacht: Da muss es doch auch einen anderen Weg geben." Das Umfunktionieren weit verbreiteter Devices eröffnet ein großes Einsatzpotenzial für die Zukunft. "Die App könnte bei weiter Verbreitung hilfreich im Bereich der Dirty-Bomb-Detection oder beim Schutz von Großveranstaltungen sein", meint der Forscher.

Doch auch im Alltag lassen sich mit dem Radioaktivitäts-Aufspürprogramm interessante Experimente durchführen. So empfiehlt Klein beispielsweise alte Radium-Wecker, Uranglas-Vasen oder alte Kameras mit Thorium-Linsen beim nächsten Ausflug in den heimischen Speicher unter die Lupe zu nehmen. Auch ein Scan des eigenen Essens könnte die eine oder andere Überraschung liefern, wie er selbst auf einem Trip in den Bayrischen Wald auf Video dokumentiert hat. Ebenso interessant sollen die Prüfergebnisse auf Interkontinentalflügen sein.

Die App liegt in einer Lite- und in einer Vollversion vor, beide sind kostenpflichtig und schlagen mit 1,29 bzw. 3,49 Euro zu Buche. Eine Version für das iPhone soll in Kürze folgen, für die Veröffentlichung im App Store fehlt nur noch die Freigabe von Apple. Auch eine professionelle Linie auf eigener Hardware ist in Planung, sie ist für den Einsatz in medizinischem und wissenschaftlichem Umfeld gedacht.

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