Linux, Apache, Eclipse: Was kostet der Umstieg auf Open Source? Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


19.04.2010 Wolfgang Herrmann*

Linux, Apache, Eclipse: Was kostet der Umstieg auf Open Source?

Die Beschaffung quelloffener Programme ist kostenlos, doch gerade Anbieter kommerzieller Software verweisen gerne auf Faktoren wie erhöhte Schulungs- und Support-Kosten oder ähnliches. An der Frage, wie sich Kosten und Nutzen messen und vergleichen lassen, scheiden sich die Geister.

Praxisbeispiele für mögliche Einsparungen durch den Einsatz von Open Source gibt es genug. Einschlägige Erfolgsgeschichten werden schon seit Jahren von Anbietern wie Novell, Red Hat oder IBM berichtet. Was man aber selten erfährt: Wie haben diese "Referenzanwender" Kosten und Nutzen genau ermittelt und einander gegenüber gestellt? Allzu oft bleibt es bei allgemeinen Angaben zu den tatsächlichen oder auch nur erwarteten Kostenvorteilen, was einer Firma, die selbst in der Planung steckt, nicht wirklich weiter hilft.

Die Gründe für diese Zurückhaltung sind vielfältig: "Kostenvergleiche binden Ressourcen und sind deshalb oft nicht besonders beliebt", beobachtet Carlo Velten von der Experton Group. Vielen Unternehmen reicht das Argument, dass mit Open Source die Lizenzkosten wegfallen. Dem Management genüge dies häufig als Rechtfertigung für einen Einsatz. In Großunternehmen mit einem professionellen IT- und Lizenz-Management stellten Kostenanalysen in der Regel ein geringeres Problem dar.

Ein Patentrezept für fundierte Kostenbetrachtungen gibt es nicht. Dafür sind die Einsatzszenarien und die vorhandenen IT-Strukturen in den Unternehmen zu unterschiedlich. Gartner-Analyst Phil Dawson verweist auf eine Reihe von Problemen, die IT-Verantwortliche dabei lösen müssten: "In der Praxis werden oft Äpfel mit Birnen verglichen", so seine Einschätzung. Beispielsweise setzten Unternehmen häufig viele verschiedene Open-Source-Komponenten ein. Damit verbunden sind unterschiedliche Nutzungs- und Lizenzmodelle, die genau geprüft werden müssten. Das treibe den Aufwand für seriöse Kalkulationen in die Höhe.

Erschwerend kommt hinzu, dass immer mehr Organisationen gemischte IT-Umgebungen aus quelloffenen und Closed-Source-Produkten aufbauen. Das amerikanische Marktforschungs- und Beratungshaus Saugatuck Technology sieht in solchen "Mixed-Source"-Szenarien ein großes Wachstumspotenzial. Open-Source-Software hält demnach immer stärker Einzug in traditionelle IT-Systeme der Anwender. Ähnliches gelte für Softwarelösungen kommerzieller Anbieter, die ebenfalls Open-Source-Komponenten enthalten. Diese "versteckte Präsenz" quelloffener Software führe zu einer allmählichen Veränderung der Unternehmens-IT insgesamt.

WIE GROSSE UNTERNEHMEN KALKULIEREN Wie große Unternehmen vorgehen, wenn sie Kosten und Nutzen eines Open-Source-Einsatzes prüfen, erläutert Michael Jores, Director Linux & Data Center Sales bei Novell. "IT-Verantwortliche setzen am Betriebskonzept an", so seine Erfahrung. Am Anfang stehe dabei die Frage, was man durch Standardisierung gewinnen könne. Solche Überlegungen bezögen sich sowohl auf die Hardware, die sich etwa mit einem Wechsel auf x86-Server vereinheitlichen lasse, als auch auf die eingesetzten Betriebssysteme. Beispielsweise könne eine IT-Abteilung entscheiden, künftig vom x86-Server bis hin zum Großrechner nur noch eine einzige Betriebssystem-Plattform wie Suse Linux Enterprise Server einzusetzen. In der Kalkulation verglichen die Unternehmen anschließend das bestehende Betriebskonzept mit der standardisierten Umgebung.

Die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg (DRV BW) ging nach diesem Muster vor. "Unsere Infrastruktur war sehr heterogen", berichtet IT-Leiter Falk-Oliver Bischoff. "Wir hatten fast zehn verschiedene Betriebssysteme im Einsatz, von Windows, AIX und Netware bis hin zu Sinix, dem einstigen Unix-Derivat von Siemens." Bei der Entscheidung für den Einsatz von Linux auf Servern für die SAP-Anwendungen war die Plattformkonsolidierung für den IT-Chef ausschlaggebend. Deren Effekte seien vor allem am Personalstand festzumachen: Für jede Server-Plattform muss mindestens ein verantwortlicher Administrator und ein Stellvertreter zur Verfügung stehen.

Die DRV BW beließ es indes nicht bei Schätzungen, sondern organisierte eine detaillierte Kostenanalyse. Bischoff nutzte das Rahmenwerk "IT Wibe" ("Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für Projekte in der Informationstechnik"), das für Bundesbehörden verpflichtend ist. Ergebnis: Unterm Strich war die Linux-Variante günstiger als ein Szenario mit Windows-basierenden Servern. Das gilt sowohl für die reine Server-Seite als auch für die ermittelten Kosten pro Arbeitsplatz. Die Gesamtkosten maß das Projektteam über den Abschreibungszeitraum der Server, der in der Regel vier bis fünf Jahre beträgt. Grundlage für den Vergleich war ein detailliertes Kostenstellenmodell, das die DRV BW bereits zuvor eingeführt hatte. Bei der IT Wibe handele sich zwar um ein "relativ sperrig handzuhabendes und komplexes Instrument", so Bischoff. Doch sein Team sei am Ende damit zurechtgekommen.

SPAREN MIT SAP AUF LINUX Wie sich eine Migration von Unix- auf Linux-Server für den SAP-Betrieb rechnen lässt, beschreibt der Walldorfer IT-Dienstleister Realtech in einem Whitepaper. Das Modell erlaube es, SAP-bezogene Server-Kosten zu berechnen und zu vergleichen, erläutert Consulting Manager Helmut Spöcker. Damit soll sich der finanzielle Aufwand einer SAP-Installation auf Linux im Vergleich zu Unix ermitteln lassen. Die Migrationskosten fallen je nach Kunde unterschiedlich aus, so Spöcker. Sie hängen zusammen mit der Unternehmensgröße, aber auch mit dem Umfang der zu migrierenden SAP-Systeme und den Anforderungen bezüglich Verfügbarkeit und Ausfallzeit. Nach einer Umstellung von Unix auf Linux hätten Kunden die Rentabilitätsgrenze in einem Zeitraum zwischen neun Monaten und zweieinhalb Jahren erreicht.

Zu den Referenzkunden des Beraters gehört Enso, ein IT-Dienstleister für Energieanbieter im Osten Deutschlands. Die Verantwortlichen verglichen die Kosten mehrerer Betriebssystem- und Datenbankszenarien für den SAP-Betrieb. Als günstigste Plattform erwies sich eine Konfiguration aus Suse Linux Enterprise Server und der Datenbank MaxDB auf x64-Servern mit AMDs Opteron-Prozessoren. Durch die Migration habe Enso im Plattformbereich erhebliche Einsparungen erzielt, berichtet Spöcker, ohne allerdings eine genaue Summe zu nennen.

Diesen Artikel

Bewertung:

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
  Sponsored Links:

IT-News täglich per Newsletter

E-Mail:
Weitere CW-Newsletter

CW Premium Zugang

Whitepaper und Printausgabe lesen.  

kostenlos registrieren

Aktuelle Praxisreports

(c) FotoliaHunderte Berichte über IKT Projekte aus Österreich. Suchen Sie nach Unternehmen oder Lösungen.

Zum Thema

  • SNP AUSTRIA GmbH

    SNP AUSTRIA GmbH Qualitätssicherung, Kaufmännische Software (ERP), Tools, Programmiersprachen, Datenkonvertierung, Übernahme von Softwareprojekten, Systempflege- und Wartung,... mehr
  • HATAHET productivity solutions GmbH

    HATAHET productivity solutions GmbH Individual-Softwareentwicklung, Migrations-Management, Programmierung, System- und Netzwerk-Tuning, Systemintegration und Systemmanagement, Übernahme von Softwareprojekten, User Helpdesk-Systeme und Hotlines,... mehr
  • APC Business Services GmbH

    APC Business Services GmbH IT-Personalbereitstellung, Individual-Softwareentwicklung, IKT-Consulting mehr
  • Fabasoft AG

    Fabasoft AG Vereine und Verbände, Öffentliche Verwaltung, Medizin und Gesundheitswesen, Luft- und Raumfahrttechnik, Freie Berufe, Finanzdienstleistungen, Qualitätssicherung,... mehr

Hosted by:    Security Monitoring by: