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25.05.2010 Moritz Jäger, Mike Hartmann*

Windows 7-Dienste verstehen & aufräumen

Unter der Oberfläche von Windows arbeiten eine Menge Dienste. Wir sagen Ihnen, auf welche Sie in keinem Fall verzichten sollten - und wie Sie den überflüssigen Diensten mit praktischen Scripten auf den Leib rücken.

Gegenüber Vista hat sich bei den Diensten von Windows nicht allzu viel getan. Auch das neueste Betriebssystem von Microsoft installiert lieber zu viele Dienste, als dass der Nutzer möglicherweise auf bestimmte Versionen verzichten muss. Dabei treibt die Fantasie der Entwickler manchmal seltsame Blüten. Denn egal, um was für einen PC es sich handelt - der „Tablet PC-Eingabedienst“ wird sicherheitshalber gleichmal installiert.

Allerdings muss man Microsoft zugutehalten, dass der größte Teil der unnötigen Dienste auf den Starttyp „Manuell“ gesetzt wurde. Das bedeutet, dass Microsoft den Dienst erst dann startet, wenn er auch wirklich gebraucht wird. Denn manche Dienste sind selbst dann vorhanden, wenn die Windows-Lizenz bestimmte Funktionen gar nicht unterstützt. Ein Beispiel wäre etwa die Verschlüsselungsfunktion Bitlocker. Obwohl diese Funktion bei Windows 7 Professional nicht enthalten ist, hat Microsoft sicherheitshalber den Dienst mit installiert - lässt ihn aber zumindest nicht automatisch starten.

Grundsätzlich empfiehlt es sich nicht, einen Dienst komplett zu deaktivieren. Zu groß können die Komplikationen sein, etwa wenn Sie eine neue Funktion ausprobieren wollen. Wer dennoch jedes Quäntchen Geschwindigkeit benötigt, sollte scheinbar unbrauchbare Dienste zunächst auf „Manuell“ umschalten und normal weiterarbeiten. Benötigt Windows einen bestimmten Dienst dennoch, kann das Betriebssystem die Komponente notfalls nachladen.

DIENSTE STEUERN - WICHTIGE DIENSTE ERKENNEN Am einfachsten erkennt man laufende Dienste über das dazugehörige Service Control Applet. Das Interface starten Sie am einfachsten über „Start / Ausführen / services.msc“, so sparen Sie sich lange Suchereien im Startmenü. In dieser Management Konsole haben Sie Zugriff auf die eingerichteten Dienste und ihren aktuellen Status. Dies ist auch der beste Weg für Experimente oder für Dienste, die Sie dauerhaft abschalten wollen.

Microsoft liefert zu allen Diensten eine Beschreibung, gegenüber Vista fällt diese teilweise noch ausführlicher aus. Bevor Sie aber eine falsche Entscheidung über die Wichtigkeit eines Dienstes treffen, sollten Sie mit einem Rechtsklick die Eigenschaften aufrufen. Bei unbekannten Diensten, aus deren Beschreibung Sie nicht schlau werden, hilft der Reiter „Abhängigkeiten“. Darin können Sie nicht nur sehen, auf welche Systemkomponenten der Dienst zugreift. Im zweiten Fenster zeigt Ihnen Windows zudem, welche Funktionen von diesem Dienst wiederum abhängig sind. Ein praktisches Beispiel dafür ist der „Multimediaklassenplaner“. Die Beschreibung ist ein wenig dürftig, was der Dienst genau erledigt bleibt im Dunkeln. Wirft man allerdings einen Blick in die Abhängigkeiten, zeigt sich, dass „Windows Audio“ auf den Dienst angewiesen ist - und ohne „Windows Audio“ kann das System keine Klänge wiedergeben.

STEUERUNG PER BATCH Wollen Sie die Dienste dennoch selbst verwalten, können Sie auf Batch-Dateien zurückgreifen, um für einen Einsatzzweck jeweils unerwünschten Dienste abzuschalten und danach wieder hochzufahren. So kann man sich beispielsweise eine „Spiele-Konfiguration“ erstellen, in der Aero abgeschaltet wird, das ja auch dann ordentlich Ressourcen frisst, wenn es nur im Hintergrund agiert.

VMware Workstation hat beispielsweise die unangenehme Eigenschaft, seine diversen Dienste immer zu starten, auch wenn VMware gar nicht benutzt wird. Sinnvoller wäre es, wenn die Dienste beim Start von VMware angestoßen und nach Beendigung wieder gestoppt werden. Auch hier bietet sich ein Batch an, der die Dienste startet, VMware startet und auf die Beendigung von VMware wartet, um die Dienste wieder zu stoppen. Der Batch sieht also im Prinzip wie folgt aus:

REM Benötigte Dienste starten/Ungewollte stoppen REM Gewünschtes Programm ausführen REM Ungewollte Dienste wieder stoppen/Benötigte wieder starten

Dabei machen wir uns zunutze, dass der Batch solange nicht weiter läuft (und damit die Dienste wieder auf normalen Status setzt), wie das gewünschte Programm nicht beendet ist. Um einen Dienst zu beeinflussen, haben Sie auf der Kommandozeile zwei Möglichkeiten: der altbekannte net-Befehl und der speziell auf die Steuerung von Diensten ausgelegte Befehl sc. Bei beiden sind die relevanten Operationen start und stop mit dem Dienstnamen als Parameter. Dabei können Sie entweder den Kurznamen angeben, also etwa p2pimsvc, oder den langen Namen in Anführungszeichen, wie beispielsweise „Peernetzwerkidentitäts-Manager“. Bei der letzten Variante bereiten Umlaute allerdings mitunter Probleme, so dass es besser ist, auf den Kurznamen auszuweichen.

RECHTE-PROBLEME Zum Starten eines Dienstes benötigt man keine besonderen Rechte, da ansonsten das Prozedere mit Diensten die auf den Starttyp „Manuell“ gesetzt sind, nicht funktionieren würde. Das Stoppen von Diensten ist dagegen nur mit erweiterten Rechten möglich. Nun könnte man also den gesamten Batch per „Als Administrator ausführen“ starten. Das ist aber unerwünscht, da dadurch auch das Programm mit erweiterten Rechten ausgeführt würde. Hier helfen die Script-Elevation-Power-Toys von Microsoft TechNet. Seit Vista wurden die Toys deutlich weiterentwickelt, für Windows 7 benötigen Sie daher eine aktuelle Version. Im dazu passenden Technet-Blog finden Sie weitere Informationen.

Die Script Elevation Power Toys bringen das aus Linux bekannte Sudo-Prinzip auf die Windows-Kommandozeile. Mit dem Befehl elevate kann man die Rechte der nachfolgenden Aktion anheben, und so bestimmte Aufgaben auch als Nicht-Admin durchführen. Ein Beispiel wäre das Script elevate net stop p2pimsvc. Solle in Dienst gestoppt werden, frägt Windows explizit nach. Würden wir also jeden Dienst einzeln per elevate stoppen, hätte das einen Haufen solcher Dialoge zur Folge. Darum fassen wir die beiden Punkte „Benötigte Dienste starten/Ungewollte stoppen“ und „Ungewollte Dienste wieder stoppen/Benötigte wieder starten“ in jeweils eigenen Batch-Dateien zusammen:

elevate svcprep.cmd REM Gewünschtes Programm starten elevate svcclean.cmd

Dadurch kommt der Dialog nur zweimal auf. Das Verfahren hat noch einen weiteren Vorteil: svcprep.cmd und svcclean.cmd lassen sich mehrfach verwenden. Die Dateien bestehen lediglich aus einer Reihe von net start und net stop Anweisungen.

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