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19.07.2010 Harry McCracken*

Total daneben: Die skurrilsten Software-Bugs der IT-Geschichte

Startet Ihr Smartphone auch neu, sobald Sie den Begriff "Reboot" eintippen? Diesen und acht weitere Software-Schlamassel finden Sie in diesem Artikel.

1995: Das Steuer-Desaster Kaum eine Software kann sich gänzlich von ihnen lossprechen: Bugs, diese kleinen Programmfehler, die mal harmlos, mal richtig ärgerlich sein können. Wirklich interessante und seltene Bugs sind jedoch weniger häufig anzutreffen. Bugs der Art, die Anwendungen für eine gewisse Zeit komplett lahmlegen, oder Programme sich gegen ihren Nutzer richten lassen. Für die folgende Geschichte wurden neun besonders eigenartige Bugs ausgewählt, die in den Anwendungen einiger der größten Software-Hersteller Verwirrung stifteten.

Der Erste führt uns zurück ins Jahr 1995. Damals gab es für Mac-User das Programm “MacIn Tax” - später abgelöst durch “Turbo Tax”. Eine Software, die bei der Lohnsteuererklärung und Archivierung von steuerlichen Angelegenheiten behilflich sein sollte. Doch die Version für das Jahr 1994 beherbergte noch eine andere, ungewollte Funktion: Wer über ein bisschen multimediales Verständnis verfügte, konnte online auf über 60.000 eingesandte, ungeschützte Steuererklärungen zugreifen. Wer einmal Zugriff hatte, konnte sich die empfindlichen Daten aber nicht nur ohne weiteres ansehen, er konnte sie sogar verändern oder komplett löschen. Doch worin lag dieser Fehler begründet?

“MacIn Tax” wurde zusammen mit einem Debug-Dienstprogramm verkauft, das den Kunden beim Lösen von Modem-Problemen helfen sollte. Diese Software wählte sich dazu jedoch bei einem Server ein, der von einem Subunternehmen des Herstellers Intuit betrieben wurde. Da die Anmeldedaten für diesen Server aus irgendeinem Grund unverschlüsselt vorlagen, hatte plötzlich jeder Nutzer vollen und uneingeschränkten Zugriff auf den Server – inklusive aller Daten von “MacIn Tax”-Anwendern. Intuit bezeichnete den Fehler später als “Flüchtigkeitsfehler” und versprach den Kunden, für eventuell entstandene, finanzielle Schäden aufzukommen.

1998: Ebay-Ausfälle Am 10. Juni 1998, erlitt Ebay, schon damals als das weltweit größte Online-Auktionshaus bekannt, einen Totalausfall. Eigentlich nichts weltbewegendes. Denn in den späten 90er Jahren hatten viele Bieter und Inserenten mit gelegentlichen Ausfällen der Webseite zu kämpfen. Doch dieser Ausfall vom 10. Juni wollte und wollte sich einfach nicht beheben lassen.

Erst nach 22 Stunden, tags darauf am 11. Juni, konnte man wieder auf die Seite zugreifen. Das führte allerdings dazu, dass rund 2,3 Millionen Auktionen, die in dieser Zeitspanne ausliefen, beeinträchtigt wurden. Ebay investierte daraufhin ein kleines Vermögen in die Zahlung von Vergütungen und Entschädigungen.

Der Fehler lag laut Aussagen von Ebay in einer beschädigten Datenbank, die wiederum einer fehlerhaften Software von Sun Microsystems in die Schuhe zu schieben sei. Knapp 14 Monate später hatte Ebay allerdings erneut mit einem Ausfall der Webseite von 14 Stunden zu kämpfen. Die Schuld wurde diesmal einem Hardware-Problem zugeschoben.

2005: Tivo mit Cliffhangern “TiVo” nennt sich in den USA die am weitesten verbreitete Festplatten-Set-Top-Box. Und den gleichen Namen trägt auch ihr Maskottchen, ein anthropomorphes Fernsehgerät mit Beinen und einem schiefen Grinsen. Und wer hätte gedacht, dass eben dieses Maskottchen eine sadistische Ader zu haben scheint?

Das zumindest müssen die meisten Menschen anno 2005 gedacht haben, die zu diesem Zeitpunkt einen digitalen Videorecorder der Firma TiVo besessen haben. Denn zu diesem Zeitpunkt begannen die TiVos, großzügig die Endsequenzen einiger TV-Sendungen auszuschneiden. Ein nicht enden wollender Cliffhanger sozusagen. TiVo selbst brauchte eineganze Weile, bis sie auf dieses Problem reagierten. Dann stellte sich aber heraus, dass scheinbar nur die TiVo Serie 2 von diesem Fehler betroffen war, wenn sie über einen langen Zeitraum permanent in Benutzung war. Als Lösungsansatz empfahl TiVo seinen Kunden, das Gerät zwischendurch auch mal auszuschalten. Später lieferte die Firma noch einen Patch nach, der das Problem ein für allemal behob.

2006: Game Over beim Nintendo DS-Spiel 2006 erschien das Nintendo-DS-Spiel “Bubble Bobble Revolution” - ein Remake des Arcade-Klassikers aus den 80er Jahren. Ein überaus herausforderndes Game. Denn Level 30, zum Beispiel, war im wahrsten Sinne des Wortes unschaffbar. Eine herbe Enttäuschung, hätte man doch so gerne bis Level 100 weiter gespielt.

Der Fehler liegt allerdings in der Machart: Die meisten Arcade-Spiele beenden ihre Level mit einem Bossfight, also dem Kampf gegen ein sehr starkes Monster. In Level 30 von “Bubble Bobble Revolution” hingegen, fehlte dieser Bossgegner und somit auch die Möglichkeit, ins nächste Level voran zu schreiten. Monate später löste Hersteller Codemasters das Problem, indem er defekte Module gegen Neue austauschte – und als Entschuldigung ein Bonus-Spiel obendrauf legte: “Rainbow Islands Revolution”.

2007: Game over bei Skype Am 16. August 2007 mussten Nutzer des beliebten Internet-Telefonie-Services “Skype” feststellen, dass irgendwie der Wurm drin war. Kein gewöhnlicher Schluckauf, wie ihn das Programm hin und wieder hat. Für Millionen von Anwender blieb Skype volle zwei Tage lang außer Betrieb.

Einer der längsten Aussetzer überhaupt für einen derartig viel genutzten Service. Skype-Mitarbeiter schrieben in dieser Zeit des Ausfalls vermehrt Blog-Einträge, um die Nutzer über den Reparaturfortschritt auf dem Laufenden zu halten. Doch erst, nachdem Skype wieder vollständig funktionierte, klärten sie die Anwender über die Ursache des Ausfalls auf: Ein Update von Microsoft Windows hatte die PCs von Tausenden Skype-Nutzern gleichzeitig gepatcht und sie zu einem Neustart aufgefordert. Nach dem Neustart schienen sich so viele Anwender auf einmal bei Skype einzuloggen, dass das System zusammenbrach. Immerhin gab Skype nicht Microsoft die Schuld an dem Desaster.

2007: Milliarden von Windows-Raubkopierern Die Microsoft Windows Echtheitsüberprüfung ist eine Technologie, die Software-Dieben den Zugriff auf Updates verweigern soll und einige Funktionen abschaltet. Am 26. August 2007 geriet das System jedoch außer Kontrolle, als plötzlich auch ehrliche Nutzer, die für ihre Kopie von Windows bares Geld bezahlt haben, als Raubkopierer bezichtigt wurden.

19 Stunden lang konnte die Echtheitsüberprüfung nicht mehr zwischen einer Original- und einer kopierten Version unterscheiden. Wie sich später über einen Eintrag von Alex Kochis im Microsoft-Blog heraus stellte, war das Schlamassel durch einen fehlerhaften Code entstanden. Man hatte versehentlich einen vorläufigen Code auf die Server der Echtheitsüberprüfungs-Software geladen. Der Code prüft Windows allerdings nur dann korrekt, wenn gleichzeitig eine spezielle Verschlüsselungs-Software auf den Systemen installiert ist – und die sollte erst später mit einem aktuellen Service-Pack erscheinen.

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