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13.10.2010 Christof Baumgartner

Projekt Robobraille-Deutsch gestartet

Die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs hat das Projekt "RoboBraille-Deutsch", ein E-Mail-Service für blinde und sehbehinderte Menschen, präsentiert. Das Projekt soll dabei helfen die "digitale Kluft" zu überwinden.

Hinter der Bezeichnung RoboBraille steht ein E-Mail-basierter Dienst, der elektronische Dokumente in synthetische Sprache oder in Blindenschrift konvertiert. Es macht elektronische Texte für visuell beeinträchtigte Menschen zugänglich und hilft auch Personen mit Lese-/Schreibschwäche. Durch das Angebot in verschiedenen Sprachen (Dänisch, Englisch, Französisch usw.) wird der Zugang zu Information und Bildung erleichtert und ein Beitrag zur Überwindung der digitalen Kluft (Digital Divide) geleistet. Für nichtkommerzielle Anwender ist der RoboBraille-Service kostenlos.

Die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs trat 2009 dem RoboBraille-Konsortium bei und Dank der Projektförderung der Internet Privatstiftung Austria (IPA) im Rahmen der „Netidee“ konnte der Service für visuell beeinträchtigte Menschen im deutschen Sprachraum bereits heuer implementiert werden. „Die Netidee ist eine Initiative der Internet Foundation Austria. Ziel ist die Förderung von Projekten, welche die Internet-Nutzung in Österreich quantitativ und qualitativ weiter entwickeln. Der Schwerpunkt in den letzten zwei Jahren lag auf Projektideen, die helfen, den ‚Digital Divide’ weiter zu schließen. RoboBraille entspricht ganz unseren Kriterien, deswegen hat die Netidee dieses äußerst nützliche Projekt sehr gerne unterstützt", sagt Sabine Fleischmann vom Förderungsbeirat der IPA. Der deutschsprachige Service kann genutzt werden, indem eine E-Mail mit einem beigefügtem Dokument (z. B. Text-Datei, Word-File) an deutsch@robobraille.org geschickt wird. Innerhalb kürzester Zeit kommt ein Link zur konvertierten Audiodatei per Mail retour.

NEUE ZIELGRUPPEN „Ein Großteil der Informationen ist fast ausschließlich in Form elektronischer Dokumente verfügbar – seien es Berichte, Broschüren, Stellungnahmen, aber auch Presseunterlagen, Folder, Einladungen etc. Diese Informationen sind allen BenutzerInnen zugänglich zu machen. Nicht nur Menschen mit visuellen Behinderungen profitieren von alternativen Formaten. Auch Menschen mit Lern- oder Leseschwierigkeiten, Menschen mit nicht-deutscher Muttersprache profitieren vom gesprochenen Wort“, weist Edith Vosta, im Bundeskanzleramt verantwortlich für die Internet-Koordination, auf das Potenzial von RoboBraille hin. Einen weiteren Nutzen sieht Robert Lender, Referent für Partizipation, Prävention und Informationsgesellschaft (E-Inclusion) der Abteilung Jugendpolitik im BMWFJ: „RoboBraille ist ein guter Ansatz, um behinderte Jugendliche auch in Freizeitaktivitäten zu integrieren. Denn es verschafft Jugendorganisationen, Jugendzentren und anderen Initiativen die Möglichkeit – mit wenig Ressourcen – adäquate Informationen anzubieten und damit aktiv auf die Jugendlichen zuzugehen. Das volle Potenzial wird aber sicherlich erst ersichtlich, wenn man Jugendliche kreativ mit RoboBraille arbeiten lässt“, ist Lender überzeugt.

FOLGEPROJEKT "MATHIN BRAILLE" Die RoboBraille-Projektkoordinatoren der Hilfsgemeinschaft, Daniele Marano und Klaus Höckner, sind mit den bisherigen Ergebnissen sehr zufrieden. Sie arbeiten bereits am Folgeprojekt MathInBraille, das in Kooperation mit dem Institut Integriert Studieren der Johannes Kepler Universität Linz umgesetzt wird. Ziel ist die Entwicklung einer Open-Source-Software, die mathematische Inhalte für visuell beeinträchtigte Menschen zugänglich machen soll.

Bernhard Stöger von der Uni Linz weiß aus eigener Erfahrung, welche Schwierigkeiten blinde Menschen beim Lesen von Formeln haben: „MathInBraille wird den ‚Digital Divide’ vermindern. Geplant ist die Konvertierung von Dokumenten die mathematische Formeln enthalten, in Audiofiles und Braille. Diese Erweiterung von RoboBraille ist besonders für SchülerInnen und StudentInnen interessant, jedoch auch für blinde oder sehbehinderte Menschen, die sich mit wissenschaftlicher Literatur beschäftigen.“ Auch dieses Projekt wird von der Internet Foundation Austria unterstützt.

RoboBraille wurde 2004 vom Dänischen Zentrum für sehbehinderte und blinde Kinder und Jugendliche (Synscenter Refsnaes) und Sensus ApS, ein auf barrierefreie IT-Lösungen spezialisiertes Beratungsunternehmen, entwickelt. Mit Hilfe von EU-Förderungen wurde der Service erweitert und ist derzeit in unterschiedlichen Ausbaustufen in zwölf Sprachen verfügbar, darunter Englisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Litauisch und Portugiesisch. Seit August 2004 wurden mehr als zwei Millionen Anfragen an den RoboBraille-Server registriert, durchschnittlich waren es 1.000 bis 2.000 täglich.

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