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12.12.2013 :: Printausgabe cw+ sw-qualität :: Oliver Weiss

Software-Qualitätsmanagement

Viele Unternehmen kämpfen immer noch immer mit fehlerhafter Software, gesprengten Kostenrahmen und überzogenen Projektlaufzeiten. Doch diese Fallstricke lassen sich vermeiden.

© S.John - Fotolia.com

Der weltweite Anteil am IT-Budget, den Unternehmen in Qualitätsmanagement und Software-Testing investieren, wächst. Laut aktuellem World Quality Report (WQR) von Capgemini, Sogeti und HP stieg das Testingbudget im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozentpunkte auf derzeit 23 Prozent und soll nach Ansicht der 1.500 befragten IT-Entscheider in den kommenden zwei Jahren noch einmal fünf Prozentpunkte zulegen.

Diese Entwicklung spiegelt die zwei Seiten einer Medaille wider: Zum einen ist sie Ausdruck eines gesteigerten Qualitätsbewusstseins, trotz steigendem Budget- und Zeitdruck. Zum anderen müssen sich Unternehmen die Frage stellen, ob sie dieses Geld wirklich effizient einsetzen. Auf Basis der oben genannten Studie, die seit fünf Jahren weltweit Trends in der Softwareentwicklung bezüglich Qualitätsmanagement und Testing analysiert, gibt Stefan Gerstner, Vice President Global Service Line Testing bei Sogeti, sechs Tipps, wie sich Ressourcen effizient einsetzen lassen.

1. Geschäftsrelevante Kennzahlen: Um beurteilen zu können, ob Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden, braucht es Kennzahlen, die den tatsächlichen Nutzen der qualitätssichernden Maßnahme abbilden. Die Mehrheit der Unternehmen greift dazu auf operative Kennzahlen zurück, zum Beispiel die Anzahl der gefundenen Fehler oder die Kosten per Testfall. Die tatsächlich erforderlichen Investitionen können so allerdings nicht beurteilt werden.

45 Prozent der Unternehmen erfassen, welchen Anteil qualitätssichernde Maßnahmen an einem schnelleren Markteintritt haben, und 39 Prozent messen den Beitrag zu geringeren Fehlerfolgekosten. Um die Geschäftsorientierung von Softwareentwicklung zu verbessern, sollten Unternehmen laut Gerstner die geeigneten Metriken definieren. Er empfiehlt dafür die "Goal, Question, Metric"-Methode.

2. Standardisierte Tests: Des Weiteren rät Gerstner, Prozesse und Methoden der Qualitätssicherung zu vereinheitlichen und deren Automatisierungsgrad zu erhöhen. Das Optimierungspotenzial in diesem Bereich wissen immer mehr Unternehmen zu nutzen, wobei das bevorzugte Modell zentralisierte Testorganisationen sind, sogenannte "Test Center of Excellence" (TCoE). Derzeit betreiben 19 Prozent aller Unternehmen ein eigenes TCoE und 32 Prozent denken darüber nach. Unternehmen, die überlegen, ob sie ein TCoE intern aufbauen und betreiben oder es an einen Dienstleister auslagern, sollten sich Gerstner zufolge an externe Berater wenden: "Spezialisierte Dienstleister verfügen mittlerweile über einen reichen Erfahrungsschatz, der Sie vor kostspieligen Experimenten bewahrt."

3. Professionelle Tests von Mobile Apps: Mobile Apps haben rasend Einzug in alle Bereiche des Geschäftslebens gehalten, und 55 Prozent aller Unternehmen testen sie bereits strukturiert (2012: 31 Prozent). Doch selbst die Organisationen, die ihre Mobile Apps testen, stehen laut WQR noch vor Herausforderungen wie der Anpassung von Methoden und Prozessen, dem Zugang zu den benötigten Endgeräten oder schlicht und ergreifend einem Mangel an Experten. Hier empfiehlt Gerstner entweder ein eigenes Kernteam aufzubauen, das alle Mobile-App-Projekte mit Spezialwissen und den nötigen Tools unterstützt, oder einen spezialisierten Dienstleister einzusetzen.

4. Cloud Testing: Laut WQR soll 2015 bereits ein Drittel aller Testing-Aktivitäten in der Cloud erfolgen. "Für erste Schritte empfehle ich cloudbasierte Performance-Testumgebungen mit flexibler Verfügbarkeit und Abrechnung nach Pay-per-Use inklusive gekoppelter Analyse potenzieller Risiken", sagt Gerstner. "Sie bieten erhebliche Einsparpotenziale und dienen zudem als Basis für eine breitere Nutzung."

5. Testumgebungsmanagement: Bei End-to-End-Geschäftsprozessen werden die IT-Landschaften immer komplexer. Wer die Disziplinen Testumgebungs- und Test­datenmanagement nur unzureichend beherrscht, riskiert es, Einsparungen an ­anderer Stelle, etwa durch erhebliche Leerlaufzeiten, gleich wieder zu verlieren. Ein spezialisiertes Kernteam aus Infrastrukturspezialisten dagegen, die komplexe Systemlandschaften und Geschäftsprozesse verstehen, kann zeitgerecht End-to-End-Test­umgebungen und -daten bereitstellen.

6. Testen auch in agilen Projekten:
83 Prozent der für den WQR befragten Unternehmen setzen agile Methoden zur Softwareentwicklung ein. 64 Prozent von ihnen haben jedoch keinen spezifischen Ansatz für agiles Testen gefunden. 56 Prozent tun sich schwer mit Testautomatisierung in agilen Projekten, so bleiben potenzielle Vorteile agiler Methoden ungenutzt. Das wirkt sich auf Qualität und Verfügbarkeit aus. "Nutzen Sie etablierte Methoden wie TMap for Scrum und Trainings zum Certified Agile Tester", rät Gerstner. "Sie helfen Ihnen, teures Lehrgeld zu sparen." (oli)

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