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19.01.2010 Rudolf Felser

Helpmysql.org hakt EU ab

MySQL-Erfinder und -Gründer Michael Widenius gibt sein "Datenbank-Baby" nicht kampflos auf. Er hat eine Kampagne ins Leben gerufen, die inzwischen mehr als 30.000 Unterschriften gesammelt hat. In der EU zieht er sich aber zurück.

Der Petitionstext bittet "Wettbewerbsbehörden in aller Welt, Oracle's Akquisition von Sun zu untersagen", sofern nicht eine von drei vorgeschlagenen Lösungen zu Stande kommt. Diese Möglichkeiten umfassen eine Weiterveräußerung von MySQL an eine geeignete dritte Partei, eine so genannte "linking exception" und die Veröffentlichung von MySQL (alle früheren Versionen sowie diejenigen, die in den nächsten drei Jahren erscheinen werden) unter der Apache Software License 2.0, einer Open-Source-Lizenz.

Oracle stehe vielleicht davor, eine wichtige Schlacht in der EU zu gewinnen, aber die weltweite Auseinandersetzung um die Übernahme von Sun und vor allem die Open-Source-Datenbank MySQL gehe weiter, so eine Aussendung. Das EU-Verfahren wurde also abgehakt, nun steht der Fokus auf China und Russland. Diese Länder könnten den Angaben zufolge nach wie vor die Übernahme blockieren, sofern Oracle keine förmlichen und angemessenen Lösungsvorschläge unterbreitet.

"EU AM ENDE SCHWACH" Widenius glaubt, die Brüsseler Behörde "wird die Akquisition wohl sehr kurzfristig freigeben" und kritisiert die Abläufe scharf: "Die EU-Kommission demonstrierte in weiten Teilen des Verfahrens Mut und Kompetenz, sah am Ende aber schwach aus. Oracle's Äußerungen zu MySQL fälschlich als Lösung zu bezeichnen ist ein unaufrichtiger Versuch, das Gesicht zu wahren, denn wenn eine Pressemitteilung von Oracle mit nutzlosen, vagen Versprechungen alles sein soll, was herausgekommen ist, war es schade um die Zeit und das Geld. Die Kommission hat uns und andere um Informationen gebeten, die am Ende nicht mehr zählen sollten. Wir trafen die Kommission am 7. (Anm.: Januar) und als Begründung für eine Freigabe fiel ihnen nichts Besseres ein, als dass Sun Schwierigkeiten habe und man das bedenken müsse. Das ist wettbewerbsrechtlich überhaupt kein Argument, denn Oracle hätte MySQL ausklammern und den Rest von Sun übernehmen können. Sollte Oracle ohne Auflagen MySQL bekommen, dann kann ich als Europäer nur sagen, dass ich mich für unser Regulierungswesen schäme."

Aber Widenius hat sein Ziel nicht aufgegeben. "China und Russland können immer noch Nein sagen, falls Oracle keiner richtigen Lösung zustimmt. Das sind mächtige, selbstbewusste und open-source-freundliche Länder, die es besser machen könnten als die EU. Russland hat sich gerade entschieden, sich mehr Zeit für die Untersuchung zu nehmen, und China hat schon beim Zusammenschluss von Panasonic und Sanyo Härte gezeigt, auch nachdem der Deal seitens der USA und der EU freigegeben worden war", streut er den Ländern Rosen.

Oracle habe immer noch keine Freigabe vom chinesischen Handelsministerium (MOFCOM) erhalten, und der russische Bundesantimonopoldienst (FAS) hätte Ende letzter Woche angekündigt, dass er seine Entscheidungsfrist verlängert hat und interessierte dritte Parteien Informationen über die wettbewerbsfeindlichen Auswirkungen der Transaktion einreichen können.

30.000 UNTERSTÜTZER Die Anzahl der Unterstützer der helpmysql.org-Kampagne werden in China mit 600 und in Russland mit 800 beziffert. Weltweit haben sich mittlerweile (online) bereits über 30.000 Unterstützer eingetragen (eine aktuelle Statistik finden Sie hier). Die Kampagne werde nun eng mit ihren Unterstützern vor Ort zusammenarbeiten, um die Arbeit der Wettbewerbsbehörden beider Länder zu unterstützen, und dort auch um weitere Unterschriften von MySQL-Anwendern werben. Die Kampagne sammle auch weiter Unterschriften aus allen anderen Ländern, da der Datenbankmarkt für wettbewerbsrechtliche Zwecke ein weltweiter Markt sei, wird in einer Aussendung argumentiert.

Das Kartellrecht im Allgemeinen und die Fusionskontrolle im Besonderen sind zwar relativ neue Rechtsgebiete in China und Russland, aber die Größe dieser Märkte und ihr außerordentliches Wachstumspotenzial machen es – so die Hoffnung von Widenius – für globale Anbieter wie Oracle unverzichtbar, auch ihre Akqusitionen in Einklang mit den dortigen gesetzlichen Rahmenbedingungen zu bringen.(rnf/pi)

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