Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


10.02.2010 Thomas Mach

Klassische Datenintegration bekommt Konkurrenz aus der Open-Source-Ecke – zu transparenten Kosten

Informationen aus unterschiedlichen Quellen und Systemen zu integrieren war bislang ein eher teures Unterfangen. Open-Source-Lösungen bieten eine interessante Alternative oder auch Ergänzung zu bestehenden Lösungen.

Praktisch jedes Unternehmen ab einer gewissen Größe muss heute von Zeit zu Zeit oder regelmäßig Daten integrieren, das heißt, Daten aus einer Quelle entnehmen, nach definierten Regeln umwandeln, katalogisieren, die Qualität prüfen und gegebenenfalls verbessern und schließlich in ein Zielsystem, etwa ein Data-Warehouse oder direkt in eine andere Applikation laden. Dabei beschränkt sich der Prozess nicht auf eine geschlossene IT-Infrastruktur.

Informationen fließen in weltweit verzweigten Netzwerken zwischen unterschiedlichen Systemen, die hausintern, an einen Dienstleister ausgelagert, in einer Cloud-Computing-Umgebung oder bei Lieferanten und Kunden stehen können. Datenbestände müssen regelmäßig synchronisiert, Datenbanken migriert und konsolidiert werden, Transaktionssysteme erfordern zum Teil sogar eine maximale Aktualität von Daten bis hin zur Verarbeitung in Echtzeit. Darüber hinaus sollen möglichst eine konstant hohe Qualität der Daten sowie einheitliche Master-Daten im ganzen Unternehmen gewährleistet sein.

Große Organisationen lösen dieses Problem heute in aller Regel mit professionellen Datenintegrationsplattformen von Anbietern wie IBM, Informatica oder Oracle. Kleine und mittelständische Firmen hatten diese Möglichkeit bislang nicht, da die enormen Lizenzkosten für die entsprechenden Lösungen eine unüberwindbare Einstiegshürde darstellten. Ihnen blieb nur die Möglichkeit, speziell auf einzelne Anwendungen zugeschnittene Integrationssoftware einzusetzen und, wo dies nicht ausreicht, eigene Schnittstellen für den Datentransfer zu programmieren. Im Vergleich zu einer homogenen Suite führt dies aber schnell zu einem wahren Dschungel an Programmen.

WACHSENDER FRUST ÜBER KOMMERZIELLE ANBIETER Der wachsende Frust bei Unternehmen war letztlich Startpunkt für das Entstehen einer Open-Source-Lösung. »Erst seit relativ kurzer Zeit hat sich die Open-Source-Gemeinde des Themas unternehmensweiter Datenintegration angenommen«, erklärt Christoper Hackett, als Sales Director bei Talend zuständig für den deutschsprachigen Markt. Der Open-Source-Datenintegrations-Spezialist wurde selbst erst 2006 gegründet.

»Seitdem wurde das Kernprodukt Talend Open Studio bereits mehr als anderthalb Millionen mal heruntergeladen«, erläutert Hackett. Zahlreiche Erweiterungen, etwa im Bereich Data-Quality oder Master Data Management (MDM) sorgten dafür, dass die Open-Source-Lösung mittlerweile zur konkurrenzfähigen Suite angewachsen ist. »Insbesondere die Anfang des Jahres angekündigte MDM-Lösung hat das Potenzial, den Umgang mit Daten in vielen Unternehmen auf eine neue Ebene zu heben.«

Auch wenn Open-Source nicht gleichbedeutend mit gratis ist – Hauptgrund für einen Wechsel ist in den meisten Unternehmen immer noch der Kostenfaktor. Bei vergleichbarem Funktionsumfang lassen sich durch einen Umstieg oft erhebliche Summen einsparen. »Am Beispiel Datenintegration wird der Unterschied sehr gut deutlich.

»Nach dem Motto Try before you buy kann jeder Anwender, der die Software testen will oder nur geringe Anforderungen hat, sich Talend Open Studio kostenlos aus dem Internet herunterladen«, unterstreicht Hackett. Wer höhere Ansprüche habe, etwa im Team entwickeln möchte, massive Datenaufkommen bearbeiten müsse oder den Herstellersupport benötige – etwa, um Service-Level-Abkommen garantiert einhalten zu können – könne immer noch auf kommerzielle Lösungen zurückgreifen. Aber mit Open-Source-Produkten lassen sich nicht nur zukünftige Kosten vermeiden, sondern auch die aktuellen Kosten bestehender Datenintegrationsinstallationen begrenzen. Der Grund dafür liegt in der komplizierten Lizenz-Arithmetik der klassischen Anbieter, die nach Repositories, CPU sowie der Anzahl der Quell- und Zielsysteme lizenzieren. Jede Lizenz ist begrenzt und jede Erweiterung kostet Geld. Wenn ein Unternehmen mehr Daten bewegen oder die Installation erweitern will, muss es neue Lizenzen erwerben – Hackett nennt dies die »Datensteuer«.

EINSATZ ALS ERGÄNZUNG SPART BARES GELD »Talends Lösungen können ergänzend zu bestehenden Lösungen genutzt werden und dadurch die Datensteuer reduzieren. Ein Beispiel macht den Ansatz deutlich: ein Unternehmen installiert die Software des führenden unabhängigen Anbieters Informatica, die Lizenz beinhaltet Oracle und Sybase als Datenquellen, ein Repository mit einer bestimmten Anzahl an CPU und ein unternehmensweites Data-Warehouse als Zielsystem«, erklärt Hackett. »Jetzt will dieses Unternehmen zusätzlich eine Anwendung wie SAP oder Salesforce.com integrieren. Dazu müsste es einen entsprechenden Konnektor erwerben. Alternativ kann das Unternehmen aber auch Talend als Ergänzung implementieren.« Die Plattform verfüge dafür über leistungsfähige Konnektoren zu mehr als 400 Applikationen, die kostenlos heruntergeladen werden können.

Der Clou dabei sei, dass die Schnittstelle zur neuen Anwendung und der daraus resultierende Datenverkehr auch parallel zu Lösungen wie Informatica laufen könnten. »Unter Umgehung der bestehenden Strukturen können die Daten so extrahiert und beispielsweise in ein Data-Warehouse geladen oder auch im passenden Format aus praktisch jeder Quelle in SAP oder Salesforce importiert werden.« Die Investitionen in eine bestehende Datenintegrationsplattform – die weit über die Lizenzkosten hinausgehen – blieben geschützt. »Spätestens dieses Argument lässt jeden IT-Manager hellhörig werden«, betont Hackett.

Erst unlängst veröffentlichte Talend zudem aktualisierte Versionen der hauseigenen Integration Suite. Die erweiterten Funktionen sollen Kunden eine bessere Kontrolle über die Definition von Datenintegrationsprozessen bieten und darüber hinaus die Integrationsmöglichkeiten für den IT-Betrieb erweitern.

»Die Talend Integration Suite löst selbst für sehr anspruchsvolle Unternehmen alle Herausforderungen rund um die Datenintegration und hat sich dadurch zu einer hervorragenden Alternative zu proprietären Technologien zu einem Bruchteil der dafür notwendigen Kosten erwiesen«, erklärt Talend-COO Fabrice Bonan. »Aufgrund unseres OpenSource-Modells können wir unseren Kunden nicht nur einen unschlagbaren Nutzwert bieten, sondern auch sehr schnell Produktverbesserungen liefern, die den spezifischen Anforderungen gerecht werden.«

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