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14.09.2011 pi/Rudolf Felser

Studie: Software-Qualitätssicherung im deutschsprachigen Raum

Bei den gestrigen Softwareforen in Leipzig wurden die Ergebnisse der umfangreichen Studie "Softwaretest in der Praxis" erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Die von der österreichischen Anecon Software Design und Beratung GmbH initiierte, und in Kooperation mit den Hochschulen Bremen und Bremerhaven, der Fachhochschule Köln, dem German Testing Board (GTB) und Swiss Testing Board (STB) durchgeführte Umfrage, gibt Aufschluss über die Praxis in der Software-Qualitätssicherung im deutschsprachigen Raum. Der gesamte IT-Sektor profitiert von den aktuellsten Erkenntnissen zum Softwaretest im Vergleich zur Umfrage aus dem Jahr 1997.

Mehr als ein Drittel der Befragten gibt an, Qualitätssicherungsmaßnahmen bereits in der Vorstudie einzusetzen. Agile Vorgehensweisen sind gut vertreten, SCRUM trat mit 57 Prozent am deutlichsten hervor. Die Rolle des Testers wird von Entwicklern akzeptiert, 77 Prozent geben an, dass Tests von Testexperten durchgeführt werden. Die Testautomatisierung fokussiert derzeit noch auf den Unittest und nimmt in späteren Teststufen ab. Fast die Hälfte der Unternehmen lässt ihren Testprozess auditieren. Diese und viele weitere Erkenntnisse sind die Ergebnisse der umfangreichen Studie, die Karin Vossberg und Andreas Spillner von der Hochschulen Bremerhaven und Bremen gestern bei den Leipziger Softwareforen gemeinsam präsentierten. "Überraschend für uns war das Ergebnis, dass die primären Ziele der Qualitätssicherung in der Erhöhung der Leistungsfähigkeit gesehen werden. Erst an zweiter Stelle steht die Kostensenkung. Mit unserer Umfrage können wir viele solcher Überraschungen, aber auch viele unserer Erwartungen repräsentativ festhalten. Ich danke allen Teilnehmenden, dass wir diese aufschlussreiche Studie nun veröffentlichen können", so Spillner.

Primäres Ziel der Umfrage war die Feststellung der Entwicklung des Softwaretests im Vergleich zur Umfrage "State of the Practice bei den Prüf- und Testprozessen in der Softwareentwicklung" aus dem Jahr 1997. Zusätzlich stand der Handlungsbedarf für Forschung, Ausbildung und Consulting in Qualitätssicherung und Softwaretest im Vordergrund sowie die Untersuchung verschiedener Thesen, die im Vorfeld definiert wurden. "Das Bewusstsein für die frühzeitige Integration von Qualitätssicherung, der Einfluss agiler Vorgehensmodelle im Testen sowie die Möglichkeit der Auslagerung der Testdurchführung war für uns ebenfalls von großem Interesse. Mit den Ergebnissen dieser Studie können wir einen wichtigen Beitrag für die gesamte IT-Branche liefern und dank der hohen Beteiligung sind die aus den Beantwortungen abgeleiteten Aussagen gut abgesichert", ist Peter Haberl, Geschäftsführer Anecon Deutschland, überzeugt.

SOFTWARETEST WIRD PROFESSIONELLER Über 40 Prozent der Unternehmen lassen ihren Testprozess auditieren. Dies zeigt deutlich, dass der Softwaretest und die Qualitätssicherung in der Softwareentwicklung professioneller werden. Kennzahlen wie Abdeckung der Anforderungen, Durchführungsrate oder Fehlererkennungsrate sind gängige Testendekriterien, die von den Umfrageteilnehmern genannt wurden. Tilo Linz, Präsident des German Testing Boards, ist außerdem erfreut über das hohe Ausbildungsniveau: "Für professionelle Tester ist es selbstverständlich, in allen Teststufen methodisch zu arbeiten. Das Ausbildungsniveau der Tester ist zusätzlich dank weltweit etablierter Certified-Tester Zertifizierung heute sehr hoch. Die Test-Qualifizierungsmöglichkeiten für Entwickler bergen jedoch noch hohes Potential. Denn auch auf Ebene der Unittests und ganz besonders bei Test Driven Development ist das Wissen und Beherrschen grundlegender Testmethoden entscheidend für die Wirksamkeit der Tests."

Die Ergebnisse veranschaulichen, dass die Qualitätssicherungsmaßnahmen in den frühen Phasen zugenommen haben. Dennoch gibt es eine Konzentration auf die späten Phasen in der Softwareentwicklung. Mehr als ein Drittel der Befragten stimmt zu, QS-Maßnahmen bereits in der Vorstudie einzusetzen. Jedoch ist der Anteil jener, die Qualitätssicherung in dieser Phase zögerlich oder überhaupt nicht einsetzen, mit 37 Prozent etwa noch gleich groß. In allen Branchen ist ab der Phase Realisierung die Qualitätssicherung gängig. Vergleicht man die Branchen Automotive, Bank, Luft- und Raumfahrt, zeigen sich Unterschiede: So werden bei Letzteren QS-Maßnahmen sehr viel häufiger in den frühen Phasen eingesetzt als in anderen Branchen. Insgesamt ist dieses Ergebnis nicht überraschend und ein Trend zum frühzeitigen Einsatz von Qualitätssicherungsmaßnahmen ist vor allem dort erkennbar, wo hohe Qualitätsanforderungen bestehen.

TESTEN BEI AGILER ENTWICKLUNG Ein Viertel der Befragten arbeitet mit agilen Methoden, "Scrum" ist hierbei mit etwa 57 Prozent am deutlichsten vertreten. Arbeitet über die Hälfte der Teilnehmer mit einem sequentiellen Phasenmodell, so überrascht doch die hohe Anzahl von 17 Prozent, die gar kein explizites Vorgehensmodell verwenden. Die Einbindung der Qualitätssicherung in agilen Projekten ist nicht abschließend geklärt. Einiges deutet jedoch darauf hin, dass zwar die reinen Entwicklungstätigkeiten nach agilen Richtlinien durchgeführt werden, die Qualitätssicherung jedoch nicht auf die agilen Methoden abgestimmt wurde und es entsteht der Eindruck, dass agile Projekte nicht richtig gelebt werden. Aufgrund der vorteilhaften Kundennähe bei agilen Projekten wäre zu erwarten gewesen, dass hierbei die Mitarbeiter der Fachabteilungen besser in die QS-Maßnahmen einbezogen würden als in traditionellen Projekten. Tatsächlich werden in den klassischen phasenorientierten Projekten die Fachbereiche beispielsweise zu fast 50 Prozent in die Testfallerstellung einbezogen, in den agilen Projekten jedoch nur zu 33 Prozent. Auch Reviews werden in agilen Projekten nur in 57 Prozent der Nennungen von den Fachabteilungen durchgeführt, während es bei den phasenorientierten Projekten immerhin 72 Prozent sind. Das scheint daran zu liegen, dass es noch kein einheitliches Rollenverständnis für den Productowner gibt.

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