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13.07.2011 Manfred Weiss

Mister Standardsoftware

Manche Marke ist mehr wert als das ganze Unternehmen. Bei Mesonic ist es wahrscheinlich umgekehrt.

Die Ursprünge der Firma Mesonic reichen zurück bis 1978 – also in die graue Urzeit der IT. In die Zeit der 8-Bit Mikrocomputer und eines Betriebssystems namens CP/M. In jenen Tagen fand der TU-Assistent Georg Kaes in einer amerikanischen Computerzeitschrift Name und Adresse eines Computerhändlers, der im österreichischen Fischamend ansässig war. Dieser Computerhändler brauchte ein Lohnverrechnungsprogramm für seine Mikrocomputer. Zusammen mit TU-Kollegen programmierte Georg Kaes diese Software. Der nächste Schritte war die Zusammenarbeit mit der Firma Olivetti, die für ihre Mikrosysteme kommerzielle Softwareprogramme brauchte. In diesen Tagen fiel auch die Entscheidung, eine Software für Buchhaltung zu entwickeln. Seit damals ist Mesonic Hersteller betriebswirtschaftlicher Software für kleine und mittelständische Unternehmen. Wir sprachen mit Georg Kaes über 33 Jahre Software- und IT-Branche.

Herr Kaes, was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für den Erfolg von Mesonic? Kaes: Das hat sicher sehr viele Ursachen. Einer der wesentlichen Gründe war aber sicher, dass wir uns von Anfang an festgelegt haben, dass wir Standardsoftware für Lohnverrechnung und Buchhaltung machen und diese immer weiter entwickeln und verbessern wollen. Außerdem haben wir uns dabei auf die in Österreich so zahlreich vertretene Zielgruppe der kleinen und mittleren Firmen konzentriert. Der dritte wichtige Grund ist sicher der Umstand, dass wir unserer Strategie des Verkaufs unserer Software über Händler und Partner bis heute immer hundertprozentig treu geblieben sind. Wir haben nie versucht, Systemhaus zu sein oder Direktvertrieb zu machen. Im Lauf der Jahre lernen das die Partner zu schätzen.

Welche Vorteile hat denn Ihr indirektes Vertriebsmodell? Der Vorteil für den Partner ist, dass er 90 Prozent des Umsatzes mit dem Kunden erhält. Unser Vorteil ist, dass wir überregional und international agieren können, weil ja die Kunden in den verschiedenen Regionen von den dortigen Partnern betreut werden. Es ist nämlich so, dass der Kunde sich immer an seinen Partner oder Betreuer wendet, wenn er was braucht oder es etwas Neues bei der Software gibt. Auch heute im Internet-Zeitalter werden im mittleren Kundensegment die Geschäfte auf diese Weise gemacht. Dazu kommt, dass durch die Programmierung von Zusatztools durch unsere Vertriebspartner den Kunden auch branchenspezifische Lösungen zur Verfügung stehen, wodurch auf spezielle Anforderungen einzelner Unternehmen eingegangen werden kann.

Warum haben Sie nach der Lohnverrechnung auch eine Buchhaltungssoftware entwickelt? Weil wir zu der Erkenntnis kamen, dass Buchhaltung auf der ganzen Welt gleich ist. Zwar wollten wir unsere Software natürlich zuerst in Österreich vertreiben. Trotzdem war uns schon relativ früh bewusst, dass der österreichische Markt seine Grenzen in der Größe hat und wir unsere Software daher auch am zehn Mal größeren deutschen Markt anbieten wollten.

Wann erfolgte der Gang nach Deutschland? Im Jahr 1984 haben wir eine Tochtergesellschaft in München gegründet und im selben Jahr hatten wir unseren Erstauftritt mit einem kleinen Stand auf der Hannover Messe. Dort haben wir die Erfahrung gemacht, dass unsere Software im Vergleich zu so manchen deutschen Produkten nicht nur konkurrenzfähig, sondern in vielen Fällen auch besser war. Damals haben wir ganz klar erkannt, dass wir uns als Österreicher nicht vor dem großen deutschen Markt und der dortigen Konkurrenz fürchten müssen.

Was waren die größten Probleme am deutschen Markt? Durch den Umstand, dass wir in der deutschen Mesonic schon bald ein deutsches Management und deutsches Personal hatten, gab es keine wirklich gravierenden Schwierigkeiten. Allerdings mussten wir im Lauf der Jahre feststellen, dass es auch im Bereich der Buchhaltung zu sprachlichen Missverständnissen kommen kann. So heißt es beispielsweise in Österreich »verbuchen« und in Deutschland »buchen«. Verbuchen bedeutet in Deutschland eine falsche Buchung. Oder was bei uns die Lohnverrechnung ist, heißt in Deutschland Lohnbuchhaltung. Und mein lustigstes Beispiel ist die Telefonnebenstelle. Da musste ich lernen, dass man in Deutschland zwar eine Klappe haben kann, diese aber nichts mit der Durchwahl, die bei uns Klappe heißt, zu tun hat.

Gab es in der Geschichte der Mesonic auch Flops? Ja natürlich. 1994 haben wir unsere erste Buchhaltung mit graphischer Oberfläche auf der CeBIT gezeigt und zwar für Windows, Amiga und den Apple MacIntosh. Leider war der Mac für die sparsamen Buchhalter viel zu teuer und der Amiga verschwand bald danach von der Bildfläche. Aber das ist eben der Preis für Innovation; Man muss zehn Sachen ausprobieren, damit aus zweien etwas wird. Aber ein kleines Land wie Österreich kann auf den internationalen Märkten nur mit Innovationen bestehen. Dazu braucht man aber sehr gut ausgebildete Leute; und die sind nur sehr schwer zu finden. Da haben wir in Österreich noch ziemlichen Nachholbedarf.

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