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13.04.2011 Rudolf Felser

Übersetzen Computer besser als Menschen?

Eine Veranstaltung der Berufsgruppe Sprachdienstleister in der Wirtschaftskammer Wien gemeinsam mit Universitas Austria beschäftigte sich mit dem Thema der maschinellen Übersetzung.

Kommunikation bildet eine wesentliche Grundlage für das Funktionieren der modernen, globalisierten Gesellschaft. Entsprechend rasant ist die Innovationsgeschwindigkeit in jenem Bereich der Sprachtechnologie, der sich mit der Übersetzung von Texten beschäftigt. Einen fundierten Einblick in die unterschiedlichen Ansätze und Tools sowie deren Einfluss auf die Arbeit und die Zukunftsperspektiven von Übersetzern gab der international renommierte Sprachtechnologie-Experte Jost Zetzsche kürzlich auf Einladung der Berufsgruppe Sprachdienstleister in der Wirtschaftskammer Wien und Universitas Austria.

Technologische Innovationen haben das Berufsbild "Übersetzer" in den letzten Jahren einem massiven Wandel unterzogen. Zählten früher vor allem die linguistischen Fähigkeiten, das sprachliche Feingefühl und die interkulturelle Kompetenz, sollten Übersetzer heute darüber hinaus auch noch technikaffin bzw. zumindest sattelfest in der Anwendung sogenannter CAT-Tools (Computer Assisted Translation-Tools) sein. Denn CAT-Tools, die beispielsweise Terminologiedatenbanken oder Translation Memory Systeme bieten, sind aus dem Alltag von Übersetzern kaum noch wegzudenken. Sie tragen maßgeblich zur Steigerung der Effizienz bei und ermöglichen eine konsistente Sprache, auch wenn mehrere Personen an einem Text arbeiten. Damit bilden CAT-Tools in einer Branche, in der rund 80 Prozent der Anbieter Ein-Personen-Unternehmen sind, eine maßgebliche Grundlage für eine effiziente und erfolgreichen Zusammenarbeit. Doch neben CAT-Tools gibt es auch eine wachsende Anzahl an Programmen zur maschinellen Übersetzung – also Tools, die ganze Texte selbst zu übersetzen versuchen.

MENSCHEN SIND BESSER Die Frage, wie die neuen Technologien den Alltag und das Berufsbild beeinflussen, bzw. ob Computer in absehbarer Zeit sogar in der Lage sein werden, Übersetzer zu ersetzen, war daher auch Thema der Informationsveranstaltung. "Menschen sind die besseren Übersetzer und werden das aufgrund ihrer linguistischen Qualifikation auch immer bleiben. Denn Computerprogramme können nur übersetzen, was der Mensch ihnen zuvor beigebracht hat", erteilte Sprachtechnologie-Experte Jost Zetzsche derartigen Befürchtungen eine klare Absage. Denn maschinelle Übersetzung funktioniert zwar im Bereich von Funktionstexten, bei denen die reine Nutzbarkeit im Vordergrund steht und nicht die Qualität oer der Stil der Übersetzung, bereits einigermaßen gut. Aber sobald es um Texte mit höheren Anforderungen geht, werden Computer auf absehbare Zeit wahrscheinlich nicht in der Lage sein, annähernd an die Qualität einer händischen Übersetzung heranzukommen, ist der Experte überzeugt.

Sabine Kern, Vorsitzende des Berufsgruppenausschusses in der Wirtschaftskammer Wien, sieht in den neuen Technologien keine direkte Konkurrenz: "Der Einsatz von CAT-Tools ermöglicht es uns, effizienter zu arbeiten und uns auf unsere ureigenen Stärken zu konzentrieren: Das menschliche Gefühl für sprachliche Feinheiten und die Fähigkeit, beim Übersetzen den jeweiligen Kontext zu berücksichtigen. Von reinen Sprachdienstleistern werden wir so immer mehr zu ProjektmanagerInnen, die für die sprachliche Qualität garantieren und dort korrigierend eingreifen, wo die Technik an ihre Grenzen stößt." Und auch Eva Holzmair-Ronge, Präsidentin von Universitas Austria, bestätigt: "Bereits jetzt arbeiten die meisten unserer Mitglieder mit CAT-Tools. Uns war es daher wichtig, im Rahmen der Veranstaltung einen objektiven Überblick über die unterschiedlichen Lösungen am Markt sowie ihre spezifischen Stärken zu geben. Denn die Entscheidung für das richtige CAT-Tool kann die Arbeit von Übersetzern deutlich erleichtern."

Jost Zetzsche, der seine Aufgabe als Opinion Leader innerhalb der Branche in der Funktion des Brückenbauers zwischen Mensch und Technologie beschreibt, sieht in der aktiven Beteiligung an der Weiterentwicklung der sprachtechnologischen Möglichkeiten sogar eine Chance für die Branche. "Denn die Entwicklung wird passieren – mit uns oder ohne uns", so der Experte, "wir Übersetzer können mit unserer Expertise wesentlich zu ihrem Erfolg beitragen und erschließen damit gleichzeitig ein zukunftsträchtiges Betätigungsfeld für uns." (pi/rnf)

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