Enterprise Architecture: Königsdisziplin und Schweißtreiber Detail - Computerwelt

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11.04.2011 Stefan Ueberhorst*

Enterprise Architecture: Königsdisziplin und Schweißtreiber

Enterprise-Architecture-Management bedeutet sehr viel Arbeit und ebenso viel Disziplin. Doch wer es geschafft hat, dürfte die meisten Gräben zwischen IT und Business beseitigt haben.

Falsches Thema, könnten Sie sagen, wenn Ihnen in Zeiten wie diesen mit all den Sparzwängen ein Projekt nahegelegt wird, das zu den komplexesten Aufgaben zählt, die sich Unternehmen, insbesondere IT-Leiter, vornehmen können. Die Königsdisziplin der IT nennen Experten das Enterprise-Architecture-Management, denn es geht im Wesentlichen darum, Systeme und Prozesse sowohl der IT als auch des Business als Ganzes zu sehen und zu steuern. Damit werde das Alignment-Problem gelöst, also die Abstimmung von IT- und Geschäftszielen verbessert.

Das predigen Fachleute ohnehin schon seit geraumer Zeit, doch eine vage Vorstellung des enormen Aufwands hinter solchen Formeln erhält man erst angesichts der grundlegenden Elemente einer Enterprise Architecture (EA): Dazu zählen ein standardisiertes Vorgehen, eine gemeinsame Sprache und gemeinsame Modelle sowie eine definierte Organisationsstruktur mit Prozessen und dem passenden Governance-Modell, fasst Uwe Weber von der Management-Beratung Detecon International die wichtigsten EA-Aspekte zusammen. Doch so manches Unternehmen beißt sich schon an den einzelnen Disziplinen die Zähne aus, etwa bei den Modellen, die bereits während der Entwicklung variieren und zwischen Fachabteilung und IT selten harmonieren. Nun soll der Organisation der gesamte EA-Komplex in einem gewaltigen Kraftakt übergestülpt werden. Doch vielleicht liegt in diesem ganzheitlichen Ansatz die Chance, das Alignment-Problem in all seinen Facetten unternehmensübergreifend zu lösen. Laut Detecon-Mann Weber

• sichert das standardisierte Vorgehen bei der Architekturentwicklung eine hohe Qualität der Lösungen sowie eine klare Nachvollziehbarkeit der dabei getroffenen Entscheidungen;

• unterstützen gemeinsame Sprache und Modelle das gegenseitige Verständnis und die Zusammenarbeit von IT und Business, wobei nicht nur eine Brücke zwischen diesen beiden Lagern geschlagen wird, sondern auch zwischen Expertengruppen unterschiedlicher Unternehmenseinheiten;

• beschreibt die Architecture Governance die Rolle der EA-Akteure und die Formen ihrer Zusammenarbeit in EAM-Projekten. Außerdem stellt sie über Leitlinien sicher, dass die entwickelten Lösungen auch übergreifenden Zielen gerecht werden.

Basis ist der IT-Bebauungsplan Unter diesen Vorgaben soll es dann möglich sein, den viel zitierten IT-Bebauungsplan passend zu den fachlichen Anforderungen zu entwerfen, umzusetzen, zu steuern und je nach Bedarf flexibel zu modifizieren. Dabei zeigt ein Blick auf typische EAM-Aufgaben, dass hier nichts ausgelassen wird: Sei es die IT-Landkarte für das Anwendungsportfolio, das Anforderungs- und Projektportfolio-Management, die Projektsynchronisation, das Strategien- und Ziele-Management bis hin zum Architektur- und Infrastruktur-Management - überall dürfen sich die EA-Verantwortlichen austoben.

WANN LOHNT SICH EAM Wer jedoch angesichts dieser umfassenden Strukturierung glaubt, EAM sei nur etwas für Konzerne, der irrt. Bereits für mittelgroße Unternehmen sei EAM unbedingt notwendig, wenn die IT-Landschaft heterogen und komplex ist, meint Stefan Ried, Senior Analyst bei Forrester Research. Viele Risk- und Compliance-Aspekte würden über EAM systematisch berücksichtigt. Ähnlich argumentiert Luis Praxmarer von der Experton Group. Schon Unternehmen mittlerer Größe würden stark von einer klar artikulierten und abgestimmten Enterprise Architecture profitieren, sollten derartige Projekte aber zumindest temporär mit Hilfe externer Unterstützung aufsetzen. Grundsätzlich gilt: Je komplexer die Anforderungen und je größer die ICT-Investitionen, desto mehr lohnt sich ein EAM.

Allerdings ist eine Return-on-Investment-Diskussion für ein EAM-Projekt immer problematisch. Praxmarer verwendet das im EAM-Umfeld gerne genommene Bild der Städtebauarchitektur und fragt: "Wie rentabel ist für einen Architekten der Bau eines Hauses, eines Wolkenkratzers oder eines neuen Stadtteils?" Man komme erst gar nicht auf die Idee, diese Arbeit als nicht notwendig einzustufen oder einzeln zu rechtfertigen. Im Gegenteil: Je komplexer die Aufgabe, desto mehr Aufmerksamkeit erhalte die Ausarbeitung der richtigen Architektur.

Jeder erlebe selbst die täglichen Planungsfehler und verstehe deshalb die Notwendigkeit einer Struktur. EAM gehört unmittelbar zur IT und muss als integraler Bestandteil gesehen werden, so Praxmarer. Deshalb müssten die Kosten auf alle Services umgelegt und nicht einzeln verrechnet beziehungsweise über eine RoI-Kalkulation gerechtfertigt werden. Wenn dennoch eine Diskussion entbrennt, geschehe dies meist im Zusammenhang mit den im Projekt gebundenen Mitarbeitern oder den externen Kosten. Hier empfiehlt Experton, wichtige Projekte zur Kosteneinsparung wie Konsolidierung, Virtualisierung oder eine neue Applikationslandschaft zu benutzen, um mit dem frei werdenden Budget die Finanzierung von EAM zu ermöglichen.

Auch Stefan Ried glaubt an den Sinn von EAM-Investitionen. CIOs sollten das Thema nicht als ein Projekt darstellen, sondern als Teil ihrer IT-Governance, die einen Wertbeitrag in allen Projekten bringt. Anstelle einer RoI-Studie ließen sich Quellen verwenden, in denen die nachweisbare Kostenersparnis, die indirekten Vorteile und die erhöhte Flexibilität aufgeführt würden. EAM helfe beispielsweise, die Abhängigkeiten zwischen den Systemen zu verstehen, um dann unbenutzte Ressourcen abzubauen - eine nachweisbare Kostenersparnis. Indirekte Vorteile sind etwa kürzere Implementierungszeiten in Softwareprojekten aufgrund der mit EAM eindeutig beschriebenen Daten- und Prozess-Interfaces.

Die Flexibilität lässt sich an der Wiederverwendung von Diensten innerhalb des Unternehmens festmachen. Letztlich stelle EAM von allen Landschafts-, Daten- und Prozessbeschreibungen auditierbare Versionsstände zur Verfügung. Dies sei in Zeiten von gesteigertem Risikobewusstsein ein unschätzbarer Wert für den Finanzchef im Unternehmen.

EXPERTEN DEFINIEREN EAM Stefan Ried, Senior Analyst, Forrester Research: "Inzwischen versteht der Markt unter Enterprise-Architecture-Management recht breit ein methodisches Vorgehen bei der konsistenten Erstellung und Pflege verschiedenster Softwareteile im Unternehmen. Dabei können EAM-Tools, die mit verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten angeboten werden, hilfreich sein: Enterprise-Landschafts- und Konfigurations-Management, Prozessmodellierung, SOA-Lifecycle, Policy- und Governance-Repositories und andere."

Luis Praxmarer, Global Research Director, Experton Group: "Eine Enterprise Architecture verknüpft die ICT-Infrastruktur mit der Geschäftsstrategie. Sie besteht aus einer Enterprise-Architektur jeweils für Business, Information, Solution und Technology. EAM erstellt ein klares Regelwerk für die ICT-Planung, die Vorgehensweise und liefert Entscheidungsrichtlinien. Eine EA verspricht die Integration von IT in den Geschäftsbereich (Alignment), deren Anpassungsfähigkeit und ist die Basis für die richtige Balance zwischen Effizienz, Flexibilität und Innovation."

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