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17.03.2011 Markus Maurer*

Mit Agile, Scrum und Co.: Die drei größten Herausforderungen der IT-Entwicklung

Die Entwicklungs- und Bereitstellungsprozesse für wichtige Geschäftsanwendungen verändern sich. Darauf müssen Entwickler reagieren. Wir zeigen wo Probleme lauern.

Die Veränderungen betreffen geschäftskritische Applikationen wie zum Beispiel Softwaresysteme der Banken, die den Betrieb von Geldautomaten steuern. Auch Online-Werkzeuge für Vertriebs- und Supportaufgaben oder webbasierte IT-Dienste öffentlicher Behörden zur Informierung der Öffentlichkeit sind typische Beispiele für diesen Trend.

Aufgrund neuer Geräteplattformen und Bereitstellungstechnologien stoßen die bisherigen Strategien zur Applikationsentwicklung dabei an ihre Grenzen. Je größer der Bedarf ist, desto schwieriger wird es, die hohen Zugriffszahlen und den Support der Systeme sicherzustellen. Neue Entwicklungsmethoden wie Agile, Scrum und Kanban erhöhen die Produktivität der Entwickler und werden den wachsenden Geschäftsanforderungen gerecht, aber sie wirken sich auch auf den gesamten Abstimmungsprozess aus.

HERAUSFORDERUNG NUMMER 1: WIRTSCHAFTS- ODER IT-VORGABEN? Jede Methode zur Applikationsentwicklung führt zu anderen Konsequenzen und wirkt sich unterschiedlich auf den Gesamtprozess aus. So ist eine häufige Fehlerquelle, wie Anfragen innerhalb des Unternehmens nach Applikationsfunktionen und –aktualisierungen gehandhabt werden, oder aber wie das Release-Management für Neuentwicklungen im Unternehmen erfolgt. Im Spannungsfeld zwischen Anforderungen an Geschäftsvorgaben und IT-Betrieb entstehen häufig zeitliche Verzögerungen — mit den entsprechenden, finanziellen Folgekosten. Für unproduktive Kommunikationsabläufe kann es die unterschiedlichsten Gründe geben. Bei den meisten Unternehmen liegt es daran, dass Workflow-Abfolgen und –Auswirkungen unterschiedlich beschrieben werden, Übergabeprozesse nicht geregelt sind und Änderungen manuell durchgeführt werden.

Die Kernproblematik dabei ist die klassische Frage, ob Wirtschafts- oder IT-Vorgaben im Vordergrund stehen. Zwar gibt es noch die eine oder andere Firma, die Geschäftsführung und IT-Verantwortung strikt trennt, aber das ist mittlerweile die Ausnahme. Lange schon ist die IT-Abteilung nicht mehr ein abgesondertes Fachgremium, das mit Hintergrundaufgaben betraut ist. In den meisten Firmenzentralen hat sich vielmehr die Erkenntnis durchgesetzt, dass es ein entscheidender Wettbewerbsvorteil ist, aus der vorhandenen Laufzeitumgebung das Maximale herauszuholen. Im Rahmen ihrer Tätigkeit müssen Entwickler dabei geschäftliches Fachwissen für die Fertigstellung ihrer Programme und Werkzeuge nachweisen. Dieser Trend hin zu einer stärkeren Kundenorientierung der IT sorgt für eine gemeinsame Sprache und hilft der Entwicklungs- und Geschäftsabteilung bei der Vermeidung von Missverständnissen.

HERAUSFORDERUNG NUMMER 2: ÜBERGABE ZWISCHEN VERSCHIEDENEN ENTWICKLUNGSSCHRITTEN IM GESAMTPROZESS. Die Übergabe an verschiedenen Stufen des Entwicklungsprozesses ist ebenfalls kritisch. Viele Unternehmen haben deshalb in die Automatisierung ihrer IT-Entwicklung investiert. Allerdings gelingt es nur wenigen Organisationen, die wichtigen Komponenten des Application-Lifecycle-Prozesses miteinander zu verbinden und so die Lücke zwischen Applikationsentwicklung und operativem Geschäft zu schließen. Für eine zuverlässige Anwendungsbereitstellung müssen Organisationen die Entwicklung besserer Applikationen mit flüssigeren Prozessabläufen kombinieren und die Software-Auslieferung auf Endanwenderseite beschleunigen.

Das unabhängige Marktforschungsinstitut Gartner warnt vor großen Software-Programmteilen, die nur in IT-Silos im Rahmen des Entwicklungsprozesses vorliegen. Aus Sicht der Analysten sind die Gründe dafür, dass die Entwicklungsteams gewachsen oder mit einer größeren Zahl an Softwareprogrammen befasst sind als zuvor. Für das Management der verschiedenen Programmierschritte und für das operative Geschäft wären aber automatisierte und integrierte Prozessabläufe notwendig. Der Trend geht also zu einer Orchestrierung der Applikationsentwicklung, was nicht gleichbedeutend mit der Abkehr von allen bisher eingesetzten Werkzeugen und Lösungen ist. Vielmehr sollten Unternehmen diese Technologien in den Gesamtablauf integrieren und weiter nutzen.

HERAUSFORDERUNG NUMMER 3: MANUELLE ANPASSUNGSPROZESSE. Beim Release-Management gibt es in den meisten Unternehmen keine automatisierten Prozesse zur korrekten Auslieferung von sorgfältig programmierten Applikationen. Häufig erfolgt die Bereitstellung über immer wieder neu erstellte Skripte und manuelle Anpassungsprozesse, die Mitarbeiter unnötig binden. Paradoxe Folge: IT-Entwickler programmieren einerseits Anwendungen, die Geschäftsabläufe optimieren, nutzen die Vorteile der Technologien aber nicht selber. Wie bei der Programmierung sollten sie auch bei der Auslieferung höchste Qualitätsmaßstäbe ansetzen und die Release-Management-Prozesse automatisieren. Auf diese Weise verhindern sie, dass für den Bereitstellungsprozess unnötig viel Zeit und Arbeitsaufwand anfällt. Zugleich vermeiden sie eine häufige Ursache fehlgeschlagener Installationen.

Zur Optimierung ihrer Application-Delivery-Strategie müssen Unternehmen sich einer Reihe unbequemer Fragen stellen. Werden wir besser, schneller und effizienter bei der Anwendungsbereitstellung? An welchen Stellen haben wir Engpässe? Welche Abhängigkeiten erhöhen die unternehmerischen Risiken? Halten wir die Kostenobergrenze ein? Und können wir unsere Applikationen planmäßig ausliefern? Bei allen Entwicklungsprozessen im Unternehmen ist es essenziell, diese Leistungskennzahlen hinsichtlich Fortschritt und Erfüllungsgrad einsehen zu können.

DER NÄCHSTE SCHRITT BEIM APPLICATION LIFECYCLE MANAGEMENT Ein weiterer Fragenkatalog zielt auf die Herangehensweise der Entwicklungsteams und wie sie sich auf das Application-Lifecycle-Konzept auswirkt. Beispiel agile Softwareentwicklung und die Folgen für das Release-Management: Im Rahmen eines agilen Softwareentwicklungsprozesses sollen Programmierteams effektiver und unbürokratischer arbeiten können. Allerdings bewirkt der Wechsel von vierteljährlichen Status-Updates zuschnellen Codereviews auch, dass die Anzahl von Releases um den Faktor zehn nach oben schießt. Das Release-Management-Team steht daher unter größerem Druck, die identifizierten Probleme ohne Zusatzbudget zu lösen.

Der Software-Bereitstellungsablauf in Produktionsumgebungen ist der sensibelste Teil des Applikationsentwicklungsprozesses. Eine größere Prozessautomatisierung vermeidet hier unerwünschte Auswirkungen, insbesondere zu Beginn und am Ende des Entwicklungszyklus. Nur durch Automatisierung können Unternehmen eine größere Produktivität ohne bedeutende Neuinvestitionen erreichen. Der Zwang zu manuellen Bereitstellungsprozessen entfällt, wiederkehrende Abläufe lassen sich beschleunigen und unnötige Kosten vermeiden.

Der nächste Schritt bei der Anwendungsbereitstellung ist es, den gesamten Lebenszyklus von Applikationen unternehmensweit im Gesamtüberblick zu behalten. Dazu gehört, dass der Application-Delivery-Prozess im Unternehmen transparenter wird und dass die Entwicklungsabteilung entlastet wird. Durch Orchestrierung der IT-Abläufe gekoppelt mit zuverlässigen Prozessen zur Applikationsbereitstellung lassen sich Wertschöpfungspotenziale und die aktuelle Infrastruktur optimal nutzen, um für den Geschäftserfolg wegweisende Applikationen zu entwickeln.

* Markus Maurer ist Director Technical Services bei Serena Software. Der Artikel stammt von der deutschen Computerwoche.

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