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23.05.2012 :: Printausgabe 11/2012 :: Wolfgang Franz

Spielo: Expertise auf grüner Wiese

Der Gaming-Spezialist Spielo International stand nach einem Eigentümerwechsel Hardware-technisch quasi mit leeren Händen da. Nextiraone half aus und zog eine komplette IT-Infrastruktur mit Vorzeigecharakter hoch: von Null auf Hundert in vier Monaten.

© Nextiraone

Spielo International ist ein weltweit agierendes Unternehmen, das sich auf Design, Herstellung und Vertrieb von Spielen, Spielgeräten und Systemlösungen für die globalen Gaming-Märkte spezialisiert hat. Hinter dem Firmennamen steht der Zusammenschluss des kanadischen Unternehmens Spielo mit Atronic, Österreichs führendem Anbieter für Casinospiele, Spielgeräte und Casino-Management-Systeme. Das vereinigte Gaming-Imperium verfügt weltweit über 1.500 Kunden, 300 Spiellizenzen – darunter für das Zockerparadies Nevada – und 1.200 Mitarbeiter in 17 Ländern. Eines der Highlights aus österreichischer Sicht: Das Hauptentwicklungszentrum in Unter-premstätten bei Graz greift auf ein Rechenzentrum zurück, das alle Stückerln spielt.    

Das war nicht immer so. Einst gehörte der heimische Gaming-Spezialist einem deutschen Konzern, der über ein eigenes Systemhaus verfügte, das als Outsourcing-Anbieter die komplette IT-Infrastruktur bereitstellte. »Made in Germany« bedeutete in diesem Fall: »Sie waren relativ inflexibel für neue Technologien. Man bekam nur das, was das Systemhaus im Portfolio hatte. Wir waren dadurch sehr eingeschränkt«, sagt Robert Picher, Teamleader IT Infrastructure bei Spielo International Austria, im Gespräch mit der COMPUTERWELT.  Was ein gutes Stück schwerer wog, war das Dilemma, vor dem das Unternehmen nach dem Eigentümerwechsel stand: Die IT wurde weiterhin von besagtem Systemhaus des deutschen Konzerns betreut, der mittlerweile zum Mitbewerber geworden war.   

DAS GLÜCK AUF GRÜNER WIESE

Unter diesen Voraussetzungen brauchte es eine radikale Lösung, und das möglichst schnell. Ein anderer Outsourcer kam nicht in Frage – kein Wunder bei den gemachten Erfahrungen –, daher entschied man sich, das Heft selbst in die Hand zu nehmen und eine eigene IT-Infrastruktur aufzubauen. »Insourcing« quasi.  Als Partner wählte Spielo International Nextiraone, den herstellerunabhängigen Integrator für konvergente Sprach- und Datennetzwerke, der in Österreich mit über 300 Vertriebs- und Servicespezialisten vertreten ist. Robert Picher kannte das Unternehmen aus dem Telefoniebereich und hatte ausschließlich positive Er­fahrungen gesammelt. Grund genug, das ­Projekt im Jänner 2011 gemeinsam anzu­gehen. 

Zu Beginn stand ein Design-Workshop, in dem auch die Vertreter der ins Auge ge­fassten Lösung vertreten waren: Cisco, Netapp und Vmware. Cisco brachte die Expertise im Bereich der Serverlösungen, Router und Switches mit ein, Netapp das notwendige Know-how im Storage-Bereich, und Vmware zeichnete sich für die Virtualisierung der IT-Infrastruktur verantwortlich. Das Ergebnis des Triumvirats: Eine innovative Infrastruktur, die unter dem Begriff »Virtualized Dynamic Data Center« (VDDC) oder »FlexPod« bekannt ist.  Nachdem definiert worden war, wie groß das Data Center dimensioniert werden sollte und Robert Picher das System bei einem oberösterreichischen Unternehmen im Life-Betrieb gesehen hatte, ging es im März nur mehr um die Verträge und die geplante Konfiguration. Mitte April kam es zum Kickoff für die Implementierung, die Ende April abgeschlossen war. Das ganze Projekt hat also nicht mehr als vier Monate gedauert. Absolut rekordverdächtig für ein Projekt dieser Größenordnung. »Dank des Zeitdrucks unsererseits und dem Engagement der Nextiraone ist alles sehr schnell und reibungslos über die Bühne gegangen«, resümiert der Infrastruktur-Chef. 

DIE LÖSUNG IM DETAIL

Den Kern der neuen Infrastruktur bildet die Cisco UCS Fabric Interconnect-Lösung mit zwölf Cisco B200 Blade-Servern. Der Unified-Fabric-Ansatz soll sicherstellen, dass alle Ressourcen konsolidiert werden, und bildet gleichzeitig die effiziente Schnittstelle zwischen Storage und Netzwerk.

Die Speicherung der Daten hat Nextira-one mit Hilfe einer eigenen Plattform realisiert. Die Netapp Unified Storage Architecture-Lösung macht es möglich, Informationen in eigenen Archivierungs-Speichern abzulegen und garantiert so, dass künftig keine relevanten Daten verloren gehen. Das neue System punktet auch damit, dass alle Außenstellen per Remote Zugriff auf sämtliche Applikationen und auf die für das Unternehmen sehr wichtige Entwicklungsdatenbank für die Spiele erhalten. Die Virtualisierung der IT-Infrastruktur unterstützt das Unternehmen dabei, künftig alle Server, Netzwerke und Storage-Ressourcen eigenständig über die zentralisierte und leicht administrierbare Plattform VMware vSphere betreuen zu können. 

EINSCHULUNG UND SICHERHEIT

Damit das selbstständige Management des Netzwerkes künftig auch wirklich problemlos funktioniert, schulte der Lösungsintegrator das IT-Team des Gaming-Spezialisten im Umgang mit dem neuen System ein.

Da der Konzern in einem Bereich tätig ist, in dem Sicherheit einen hohen Stellenwert einnimmt – man denke nur an Lotteriesysteme – spielt IT-Security eine zentrale Rolle. Einerseits hält sich das Team rund um Robert Picher an die bewährten Policies. Andererseits wurde eine logische Trennung der internen und externen Server und Applikationen und Berechtigungen vorgenommen. Damit soll gewährleistet werden, dass keine vertraulichen Daten nach außen gelangen bzw. von Nichtberechtigten abgerufen werden können. Ein eigens entwickeltes Desaster-Recovery-Konzept gibt dem Kunden zudem auch in Notfällen wie Bränden oder Wassereinbrüchen die notwendige Sicherheit mit auf dem Weg. 

Das redundant abgesicherte System und die vielfältigen Möglichkeiten des neuen Rechenzentrums können überzeugen: »Wir sind nun wesentlich flexibler als früher – und das bei den hohen Sicherheitsstandards, die für unser Unternehmen wichtig sind«, so der Infrastruktur-Chef von Spielo International. 

HOHE FLEXIBILITÄT BEI GESCHÄFTSPROZESSEN

Mit der Realisierung des Data Centers konnten die weltweit angesiedelten Unternehmensstandorte mit IP vernetzt werden. Durch die Virtualisierung der ge­samten IT-Infrastruktur ist es Spielo International künftig möglich, alle Server, Netzwerke und Storage-Ressourcen – vom Entwicklungszentrum in Unterprem­stätten ausgehend – eigenständig über eine zentralisierte und leicht administrierbare Plattform zu managen. Diese Maßnahme spart dem Glücksspielhersteller langfristig nicht nur Kosten, sondern hilft auch dabei, die  Geschäftsprozesse langfristig effizienter zu gestalten. 

Braucht die R&D-Abteilung etwa einen zusätzlichen Server, dann bekommt er ihn auch – sozusagen auf Knopfdruck. Außerdem werden jene Standorte entlastet, wo nur wenige oder keine IT-Fachleute vor Ort sind. Picher achtet darauf, nicht in die Virtualisierungsfalle zu tappen, indem er dem Wildwuchs Tür und Tor öffnet. Gerade Entwicklungsabteilungen neigen dazu, Ressourcen en masse an sich zu ziehen. »Wir verhindern, dass wir einer virtuellen Maschine unnötigerweise zu viel Leistung geben – ganz nach dem Motto 'Weniger ist mehr'. Wir nehmen auch Maschinen aus dem System, die nicht mehr benötigt werden. Es liegt in unserer Verantwortung, dass die Infrastruktur optimal ausgelastet ist«, bringt es Picher auf den Punkt.  

Alles in allem zeigt sich der IT-Infrastruktur-Chef mit der Lösung mehr als zufrieden: » Das Projekt ist hervorragend abgelaufen, es gab so gut wie keine Stolpersteine. Wir haben das System mittlerweile seit einem Jahr im Einsatz, und ich habe es noch keine Sekunde bereut. Weder bereut, dass wir es gemeinsam mit Nextiraone gemacht haben, noch die technische Lösung, die wir eingekauft haben.

"PROBLEM, WENN DIE IT VOM MITBEWERB GESTELLT WIRD"

Die COMPUTERWELT hat mit Robert Picher, Teamleader IT Infrastructure bei Spielo International, über das Glück gesprochen, ein Rechenzentrum der neuesten Generation auf der grünen Wiese errichten zu können.    

Wie war die Situation vor Einführung der Nextiraone-Lösung?

Robert Picher: Wir hatten rund zehn Jahre lang einen Outsourcing-Partner, von dem wir uns aus strategischen Gründen trennen mussten. Dieser Partner hat uns die komplette IT-Landschaft zur Verfügung gestellt – von der Server-Infrastruktur und den Clients bis zu Netzwerk, Backup und Storage. Wir haben uns entschieden, nicht wieder zu einem Outsourcing-Partner zu gehen, sondern quasi Insourcing zu betreiben. Da wir das gesamte Equipment, das uns der Outsourcing-Partner zur Verfügung gestellt hatte, zurückgeben mussten, standen wir vor der Herausforderung, eine komplett neue Infrastruktur hochziehen zu müssen. Eine zweite Herausforderung war, dass wir eine Infrastruktur in dieser Dimension nie selbst betrieben haben. Das waren die Gründe, auf Unterstützung von außen zu setzen und das Projekt gemeinsam mit Nextiraone umzusetzen. 

Was waren die strategischen Gründe für die Trennung vom Outsourcing-Partner? 

Wir waren früher Teil eines deutschen Konzerns. Dieser hatte ein eigenes Systemhaus, das alle IT-Leistungen für das Unternehmen durchgeführt hat. Nach dem Eigentümerwechsel wurde die IT-Dienstleistung weiterhin vom Systemhaus der alten Firma betreut. Wir sind damit vor dem Dilemma gestanden, dass unser ehemaliger Eigentümer mittlerweile ein Konkurrent geworden war. Keine ideale Situation, wenn die IT vom Mitbewerb gestellt wird. 

In punkto Technologie war die Situation so, dass das Systemhaus die IT-Dienstleistungen für den Konzern sehr standardisiert zur Verfügung gestellt hat. Sie waren relativ inflexibel für neue Technologien. Man bekam nur das, was das Systemhaus im Portfolio hatte. Dementsprechend waren wir eingeschränkt. Ein Grund mehr, die Situation zu ändern.

Warum haben Sie sich für Nextiraone als Partner entschieden? 

Wir haben uns mehrere Lösungen angesehen. Warum wir uns für ein virtualisiertes dynamisches Data Center – auch FlexPod genannt – entschieden haben, lag unter anderem an Nextiraone selbst. Das Team hat uns von Anfang an so gut unterstützt, dass wir uns bei ihnen sehr gut aufgehoben gefühlt haben. Das begann in der Planungsphase, in der wir noch sehr wenig gewusst haben, in welche Richtung wir gehen sollen. Schon hier haben sie uns sehr massiv unterstützt und bis zu einem gewissen Grad die Richtung vorgegeben, was für uns sehr wichtig war. 

Der Hauptgrund, warum wir uns für Nextiraone entschieden haben, war die kompetente Unterstützung und die gute Erfahrung, die wir bis dahin mit dem Unternehmen gemacht haben. Das hauptsächlich im Telefoniebereich, in dem wir Nextiraone seit vielen Jahren als Partner haben. Das Service war ohne Ausnahme sehr gut. Da gab es das Grundvertrauen, dass Nextiraone in der Lage ist, auch Projekte mit uns umzusetzen, die nicht mit Telefonie zu tun haben.

Die Lösung, die wir einkauften, ist am letzten Stand der Technik. Sie bietet einige Vorteile gegenüber dem Mitbewerb. So ist sie etwa sehr wartungsarm. Wir mussten zudem nur sehr wenig verkabeln. 

Wie gut erfüllt VDDC Ihre geschäftlichen Ansprüche? 

Die Lösung passt perfekt. Der Grund, Vmware überall einzusetzen – also nicht nur am IT-Hauptstandort Graz, sondern auch in den anderen internationalen Lokationen – war der, dass wir vom zentralen Management aller virtuellen Maschinen profitieren. Das bietet uns sehr große Flexibilität. So braucht etwa unsere R&D-Abteilung sehr rasch zusätzliche Server. Wir können nun sehr zeitnah all das zur Verfügung stellen, was benötigt wird, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen. Physische Server aufzusetzen wäre in Graz mit unseren Mitarbeitern kein Problem. Nicht so in den einzelnen Standorten, wo wir wenige oder keine IT-Mitarbeiter haben. 

Wie hoch ist der Virtualisierungsgrad?

Früher war er sehr gering, er lag bei zirka 40 Prozent. Jetzt sind wir bei 80 Prozent. Wir hatten das Glück, dass wir alles neu aufgebaut haben. Da kann man diesen hohen Grad erreichen. 

Wie vermeiden Sie Wildwuchs in Sachen virtueller Maschinen?

Wir wägen sehr genau ab, ob eine virtuelle Maschine notwendig ist oder nicht. Wir setzen nicht alles um, das gewollt wird. Wir verhindern, dass wir einer virtuellen Maschine unnötigerweise zu viel Leistung geben – ganz nach dem Motto »Weniger ist mehr«. Wir nehmen auch Maschinen aus dem System, die nicht mehr benötigt werden. Es liegt in unserer Verantwortung, dass die Infrastruktur optimal ausgelastet ist. 

Kommt Cloud für Sie in Frage?

Nein, das liegt an der Strategie des Gesamtkonzerns. Wir arbeiten etwa mit Lotteriesystemen. Wir müssen daher sehr ausfallsicher sein. Da gibt man Systeme ungern aus der Hand. 

Würden Sie aus heutiger Sicht etwas anders machen?

Das Projekt ist hervorragend abgelaufen, es gab so gut wie keine Stolpersteine – abgesehen davon, dass es sehr stressig war. Das ist auch notwendig, damit etwas weitergeht. Wir haben das System seit einem Jahr im Einsatz und ich habe es noch keine Sekunde bereut. Weder bereut, dass wir es gemeinsam mit Nextiraone durchgeführt haben, noch die technische Lösung, die wir eingekauft haben. Ich würde es auch in Zukunft nicht anders machen. Man sollte nicht glauben, dass man als interne IT soviel Erfahrung hat, Projekte dieser Art alleine durchziehen zu können. Es ist wichtig, eine externe Sicht zuzulassen. Der Budget- und Zeitrahmen wurde voll eingehalten. Und auch die Qualität, die von uns erwartet wurde.

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