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18.11.2009 idg/Thomas Mach

Kein Ende der Papierflut in Sicht

Obgleich seit mehr als zehn Jahren verfügbar, ist der elektronischen Signatur der Durchbruch bislang nicht gelungen. Verschiedene Entwicklungen machen nun aber Hoffnung, dass der Erfolg der digitalen Unterschrift doch noch kommt.

Die elektronische Signatur fristet nach wie vor ein Schattendasein. Zwar ist sie mittlerweile weithin bekannt, dennoch kömmt die digitale Signatur – aller Vorteile zum Trotz – bislang nur äußerst selten zum Einsatz. Die Gründe dafür sind mannigfaltig, ebenso wie die Versuche, die elektronische Signatur doch noch salonfähig zu machen.

Erst vor Kurzem haben Forscher der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) eine Lösung für elektronische Signaturen von digitalen Dokumenten entwickelt, die eine sehr hohe Sicherheit gegen Hacker-Angriffe verspricht. »Für Endanwender wird der einzige Effekt sein, dass der Signatur-Prozess wesentlich schneller wird«, betont Svein Johan Knapskog, Leiter des Centre for Quantifiable Quality of Service in Communication Systems der NTNU. Das Signaturschema trägt die Bezeichnung MQQ, nach der mathematischen Basis des Ansatzes, den so genannten multivariaten quadratischen Quasigruppen.

SCHNELLER, SICHERER UND ZUDEM MEHRKERN-FÄHIG »Aufgrund der Art des Designs ist MQQ auch vor Quantum-Computing-Attacken sicher«, erläutert Danilo Gilgoroski, Professor am NTNU Department of Telematics. So könne das Signaturschema den Forschern zufolge nicht durch Algorithmen geknackt werden, die bei existierenden Standards wie RSA bereits erfolgreich waren. Knapskog betont, dass es wohl kaum einen effektiverer Angriff auf MQQ als die Brute-Force-Methoden gebe.

Das mit einer Falltürfunktion arbeitende MQQ ist auch einer der ersten Algorithmen, der speziell für parallele Verarbeitung mit Mehrkern-Prozessoren ausgelegt ist. Aktuelle Standards werden in Sachen Geschwindigkeit ausgestochen. Das Bereitstellen der Signatur ist den NTNU-Forschern zufolge 10.000 Mal schneller als auf Basis von RSA oder elliptischen Kurven, während sich der Verifizierungsprozess sogar um den Faktor 17.000 beschleunigt.

Das Technologietransfer-Büro der NTNU stehe bereits in Kontakt mit Unternehmen, um zukünftige Anwendungsmöglichkeiten des patentierten Verfahrens zu klären. »Technisch wäre die Umsetzung einfach«, ist Knapskog überzeugt. Allerdings werde MQQ sicherlich mit dem allgemeinen Problem der bislang noch recht geringen Akzeptanz zu kämpfen haben, das auch die aktuellen Signaturlösungen auf anderer Basis betrifft. Wie lange es dauern wird, ehe der neue Ansatz zum Praxiseinsatz kommt, sei insgesamt schwer einzuschätzen.

Also weiterhin Papierflut in Unternehmen? Ja, befürchtet Erwin Karg, Geschäftsführer des Digitalisierungs-Spezialisten FrankenRaster. Da viele »Unternehmen, Behörden und auch öffentliche Institutionen wie Krankenhäuser oder Versicherungen« trotz des digitalen Zeitalters nach wie vor auf Papierarchive setzen – und diese bereits heute schon aus allen Nähten platzen –, würden neben Platzerweiterungen hohe Kosten drohen, wie Karg erläutert. Vor allem in Ballungszentren würden die zwangsläufig entstehenden Kosten sowie die immer größer werdenden Zugriffszeiten durch Mitarbeiter vernachlässigt oder schlichtweg komplett ausgeblendet. Aktuelle repräsentative Umfragen hätten Karg zufolge jedoch gezeigt, »dass sich Outsourcing gerade in diesem Bereich anbietet«, um Einsparpotenziale ausnutzen zu können.

PAPIERFLUT TROTZ DIGITALER SIGNATUR »Da es in der Natur des Menschen liegt, Dinge aufzuschreiben und auszudrucken, anstatt alles in digitalisierter Form vorliegen zu haben, lohnt die Auslagerung der Papierarchive an externe Dienstleister nicht nur kostenseitig. Schließlich sind sämtliche Dokumente viel sicherer als in der eigenen Firma aufbewahrt, was eine Minimierung von Risiko bedeutet.« Die bestehenden gesetzlichen Vorgaben »dürften das Papier- und damit Archivproblem auch in naher Zukunft für viele Unternehmen als Herausforderung« erscheinen lassen. So sei es Pflicht für Unternehmen, Dokumente aus allen Bereichen über längere Zeit aufzubewahren. »Besonders bei Patientenakten sowie steuerrelevanten Unterlagen wie Rechnungen oder Bilanzen ist dies eine von jedem einzelnen Unternehmen selbst zu tragende Verantwortung«, unterstreicht Karg. »Obwohl aufgrund der digitalen Signatur der Trend zu immer weniger Papier anhält, werden elektronische Daten erst seit etwa zehn Jahren erzeugt und abgespeichert. Rechnungen sowie Anträge werden Papier jedoch auch in Zukunft für sich in Anspruch nehmen.«

RECHTVERBINDLICHE SCHRIFTSTÜCKE AUF MACS Zumindest auf Mac OS-Rechnern will Intarsys, der Karlsruher Spezialist für PDF-basierte Geschäftsprozesse, dem Problem nun Abhilfe schaffen. Mit Sign Live! CC können Nutzer von Rechnern mit Mac OS X Dokumente digital signieren. Laut Intarsys können Mac-Anwender nun direkt Dokumente wie Rechnungen sowie E-Mails mit einer digitalen Signatur versehen. In Verbindung mit einer Signaturkarte werde damit der Austausch rechtsverbindlicher Schriftstücke möglich, betont der Hersteller.

Nach Angaben des Unternehmens mussten Anwender von Apple-Computern für diese Zwecke bislang den Umweg über eine Windows-Emulation gehen. Sign Live! CC erzeuge darüber hinaus Prüfberichte und erlaube es, Zertifikate zu verwalten. Intarsys zufolge werde automatisch ein Validierungsprotokoll erstellt, welches konform zur GDPdU (Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen) ist. Darüber hinaus lassen sich mit dem Produkt Workflows etwa zur Genehmigung abbilden.

Welche Vorteile sich durch die elektronische Signatur ergeben, zeigt das Beispiel der Stadt Graz. Dank der E-Government Plattform der Stadt können Amtswege bereits seit 2005 rund um die Uhr und von überall aus erledigt werden. Die Plattform bietet mittlerweile Zugriff auf über 40 Formulare der Grazer Verwaltung, die online ausgefüllt und elektronisch abgeschickt werden können. Das ermöglicht die Erledigung von Behördenwegen rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Grundlage für die elektronische Abwicklung der Online-Amtswege ist die Bürgerkartenfunktion, die beispielweise auf der E-Card freigeschalten werden kann. Die Bürgerkarte erlaubt dabei die rechtsgültige elektronische Signatur. Diese wiederum ermöglicht es, Dokumente elektronisch zu unterschreiben. Dadurch müssen selbst unterzeichnungspflichtige Formulare nicht ausgedruckt werden, sondern können rechtsgültig elektronisch versandt werden.

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