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25.01.2010 Katja Spaniol*

E-Health: Aus der Theorie in die Praxis

Ein österreichisches Studentenprojekt mündete durch einen erfolgreich eingebrachten Forschungsantrag in einem interoperablem Telemonitoring-Framework, welches noch 2010 erstmals eingesetzt werden soll.

Der Aufbau von E-Health in Österreich scheitert seit mittlerweile fünf Jahren an einem fehlenden Dachmanagement mit den notwendigen Kompetenzen und an der mangelhaften Vernetzung der verschiedenen Stakeholder, kritisierten Manfred Müllner, Geschäftsführer-Stellvertreter des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie, und Wilfried Seyruck, Obmann-Stellvertreter des Fachverbandes Unternehmensberatung und Informationstechnologie, kürzlich. Ein positives Beispiel stellt dagegen ein anfänglich studentisches Projekt der Institute "Biomedical Engineering" und "Information Engineering & Security" an der Fachhochschule (FH) Technikum Wien dar. Durch einen erfolgreich eingebrachten Forschungsantrag wurde es zu einem großangelegten Forschungsprojekt, in das auch die Industrie eingebunden ist. Das Ergebnis aus der Kooperation – ein modulares, interoperables Telemonitoring-Framework für den Austausch von Gesundheitsdaten – findet nun seinen Weg in die Praxis.

Als der Mediziner Stefan Sauermann, Leiter des Instituts "Biomedical Engineering", seine Studenten im Wintersemester 2007/08 vor die Aufgabe stellte, ISO-konforme Prototypen für den Datenaustausch zwischen medizinischen Geräten zu generieren, entsprang dies seiner Praxiserfahrung am Allgemeinen Krankenhaus Wien. "Damals sind wir regelmäßig daran verzweifelt, dass Geräte mit ganz unterschiedlichen Datenformaten arbeiten und daher nicht kompatibel waren", erinnert er sich. "Mühsam ausgeklügelte Algorithmen konnten deshalb nicht zum Nutzen der Patienten eingesetzt werden." Um die visionäre Idee des Telemonitorings als einem Teilbereich der Telemedizin voranzubringen – also medizinische Daten von Patienten mit chronischen Erkrankungen oder altersbedingten Beschwerden ortsunabhängig zu erfassen – engagierte er sich auch damals schon als Vorsitzender des Ö-Norm-Komitees "Medizinische Informatik" für allgemeingültige Standards. Der von ihm angeleiteten Studentengruppe gelang es bis zum Semesterende 2008, Messwerte aus Personal Health Devices zur Bewegungsanalyse automatisiert in Datenpakete zu überführen, die dem international anerkannten Standard ISO/IEEE11073 genügen.

Zu dieser Zeit lernte Sauermann auch das Unternehmen Intersystems kennen, das weltweit Softwaretechnologie für ein vernetztes Gesundheitswesen anbietet. Nicht zuletzt, weil das Technikum als eine der ersten Forschungseinrichtungen Österreichs über eine E-Card-Anbindung verfügte, kam er mit Andreas Lang, dem Account Manager des Unternehmens für Österreich, bei einer Gesundheitsveranstaltung ins Gespräch. Als er seine Studenten dann im Sommersemester eine einfache Bildschirmmaske für eine elektronische Patientenakte entwickeln ließ, über die Grobdiagnosen patientenbezogen eingegeben werden können, stellte er ihnen dafür neben der .NET-Entwicklungsumgebung auch die Objektdatenbank Intersystems Caché zur Verfügung. Für viele Anwendungen im Gesundheitswesen sei die multidimensionale Speicherung strukturierter Daten als Objekte essentiell und Caché deshalb eine sinnvolle Ergänzung in der Lehre. Kleinere Schwierigkeiten im Zusammenspiel beider Komponenten behob ein Mitarbeiter des Herstellers schnell vor Ort. "Dieser umgehende Support bei der Implementierung hat uns sehr beeindruckt", erinnert sich Sauermann.

DIE ZEIT IST REIF Im April 2008 stellten Sauermann und der Leiter des Instituts "Information Engineering & Security" Alexander Mense für die FH Technikum Wien einen Förderantrag bei der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Das Projektziel lautete, ein umfassendes Frameworks zur Übertragung der Messdaten von Personal Health Devices über zentrale Datenspeicher an die Informationssysteme oder elektronischen Patientenakten medizinischer Einrichtungen zu entwickeln. Das Framework sollte auf dem Standard ISO/IEEE11073 und auf Caché als zentraler Datenbank aufbauen sowie Produkte anderer Hersteller standardbasiert vernetzen. Für den Einsatz von Caché sprachen die positiven Erfahrungen aus dem studentischen Projekt und das Wissen, dass viele potenzielle Nutzer die im Gesundheitswesen etablierte Datenbank bereits im Einsatz haben. Dies würde die Datenübertragung später erleichtern. Im Sommer 2008 bewilligte die FFG das Förderprojekt "Healthy Interoperability", für das die Stadt Wien als Ko-Förderer auftritt. "Als wir die Nachricht erhielten, war die Freude groß. Drei Mal waren wir mit dem Antrag vorher gescheitert", schmunzeln Mense und Sauermann. "Seit dem letzten Versuch war das Thema jedoch in die öffentlichen Diskurse eingezogen und einige andere EU-Länder forschten dazu. Endlich war die Zeit reif für Telemedizin."

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