Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


10.02.2010 idg/Oliver Weiss

Qual der Wahl: Open Source oder kommerzielle Software

Fast jedes Unternehmen hat heutzutage zumindest schon einmal in Betracht gezogen, Open-Source-Software einzusetzen. Fünf Kriterien können dabei helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Das IT-Marktforschungs- und Beratungshaus Experton Group hat im Lauf der Jahre viele Unternehmen bei der Planung und Umsetzung ihrer Plattformentscheidungen begleitet. Aus diesen Erfahrungen wurden fünf zentrale Kriterien für Unternehmen abgeleitet, die vor der Entscheidung stehen, ob sie Open Source oder kommerzielle Software einführen.

Wie innovativ ist es? Kritiker werfen Open-Source-Software (OSS) vor, vorhandene Lösungen zu kopieren. Doch das Open-Source-Ökosystem aus Entwicklern, Startups und Integratoren hat in verschiedenen Anwendungsbereichen nachhaltige Innovationen hervorgebracht. Gute Beispiele dafür sind die Datenbank MySQL oder das Content Management System Typo3. Anwender dieser Programme profitieren von einer Fülle zusätzlicher, untereinander kompatibler Tools und Services. Die Vielfalt der OSS-Techniken mit meist standardisierten Schnittstellen bietet speziell Betrieben mit individuellen Anforderungen interessante Lösungsmöglichkeiten, die Anbieter von Closed-Source-Software (CSS) meist nur schwer oder mit erheblichem Aufwand umsetzen.

Gibt es Support? Wartung und Service von OpenSource- Software benötigt mehr Zeit und Ressourcen als der Betrieb von Closed-Source-Software. Entwickler müssen häufig in Foren nach Lösungen für Bugfixes suchen und können nicht immer auf die Hotline eines kommerziellen Softwareanbieters vertrauen. Haben die eigenen IT-Mitarbeiter allerdings schon OSS-Erfahrung sammeln können, so ist die Problemlösung der Community teilweise effektiver und schneller als der traditionelle Support via E-Mail und Telefon. Vor der Einführung einer quelloffenen Lösung sollten allerdings immer die Integrationsanforderungen geklärt werden. So kann etwa die Umstellung von Microsoft Office auf Open Office an der Vielzahl der Makros und Dokumentenvorlagen scheitern, die zu konvertieren wären. Der Migrationsaufwand und der mögliche Produktivitätsverlust durch die Einarbeitung der Anwender können die Lizenzeinsparungen aufzehren.

Was kostet es? Quelloffene Software kostet im Gegensatz zu kommerziellen Programmen keine Lizenzgebühren. Diesen Einsparungen stehen allerdings Investitionen in die Ausbildung der Mitarbeiter sowie höhere Wartungskosten gegenüber. Zudem verlangen auch die professionellen Anbieter von OSS regelmäßige Servicegebühren. Generell profitieren solche Unternehmen am meisten vom OSS-Einsatz, deren IT-Mitarbeiter sich mit quelloffenen Alternativen auskennen. IT-Organisationen ohne jegliche OSS-Erfahrungen sollten sich nicht von möglichen Einsparungen bei den Lizenzkosten verleiten lassen, sondern die Gesamtkosten betrachten. Ratsam ist es, zunächst einfache OSS-Projekte zu starten (etwa E-Mail- und Web-Server oder Firewalls), um so interne Ressourcen und Kenntnisse aufzubauen. Erst dann sollten umfangreiche Projekte gestartet werden.

Reicht die Leistung aus? Kleinere Entwickler-Communities konnten in der Vergangenheit nicht in dem Rahmen auf finanzielle Ressourcen und Hardwareinstallationen zurückgreifen wie die großen IT-Anbieter. Damit hatten sie keine Möglichkeit, Last- und Performance-Tests für Datenbanken und Betriebssysteme in großen IT-Umgebungen zu betreiben. Mit der Unterstützung von namhaften Hard- und Softwareanbietern wie IBM, HP, SAP und Novell hat sich das geändert. Eine Vielzahl von OSS-Anwendungen arbeitet in den branchenüblichen Benchmarks gleich gut wie kommerzielle Software.

Ist es sicher? OSS galt verglichen mit kommerzieller Software lange Zeit als sicherer: Weil viele Entwickler ein Auge auf Sicherheitslücken haben, wurden Probleme schneller behoben. Das Prinzip des offenen Sourcecodes hat die Basis für die kollaborative Weiterentwicklung der Software innerhalb der Community geschaffen. Auf diese Weise konnte Linux über die Jahre von einer Nischenlösung zu einem anerkannten Betriebssystem reifen. Mit zunehmender Attraktivität der quelloffenen Software zeigt sich aber auch die Kehrseite der Medaille. Der offene Sourcecode macht es potenziellen Eindringlingen leichter, Software zu knacken, da auch die Schwachstellen öffentlich sind. Problematisch ist zudem, dass in professionell vertriebenen Linux-Distributionen Haftung, Service und Support hinfällig sind, wenn Anwender selbst die Software und den Kernel anpassen, um aktuelle Security-Löcher zu stopfen.

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