Gesundheitstelematik: Die Weichen sind gestellt Detail - Computerwelt

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24.03.2010 Edmund E. Lindau

Gesundheitstelematik: Die Weichen sind gestellt

Mit der Gründung der Elga GmbH und der kürzlich erzielten politischen Einigung zur so genannten E-Medikation, die zunächst in Wien, Salzburg und Tirol erprobt werden soll, kommt neue Dynamik in den E-Health-Umsetzungsprozess.

»E-Health ist ein internationales Thema, dem auf europäischer Ebene große Bedeutung zukommt. Leider sind wir, was die Entwicklung in diesem Bereich betrifft, in Österreich nicht mehr die Schnellsten«, stellt Clemens Auer, Sektionsleiter im Bundesministerium für Gesundheit, in seiner Einleitung zu der von Connect-Chefin Bettina Hainschink etablierten Veranstaltungsreihe im IT-Schulungszentrum des Wiener Krankenanstaltenverbundes fest. Mit der Einigung zur E-Medikation und der Gründung der Elga GmbH, die mit der Realisierung der elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) beauftragt ist, sei nun aber wieder neue Dynamik in die Entwicklung gekommen. ELGA selbst bezeichnet Auer als »klassisches Instrument der Vernetzung«, mit dessen Hilfe vor allem qualitative Verbesserungen in Diagnostik und Therapie zu erreichen seien. »Zentrale Komponenten des Systems werden bereits errichtet und sollen Ende 2010 beziehungsweise Anfang 2011 Österreichweit als öffentliche Infrastruktur zur Verfügung stehen«, gibt Auer dabei als Zeitplan vor.

Als zentrale Hauptaufgaben für die weitere Vorgehensweise defniert Auer die Sicherstellung eines föderalen Entwicklungsprozesses, die Festlegung eines semantischen Konzepts, die Herstellung von Interoperabilität sowie die Einhaltung bestimmter technischer Standards. »Besonderes Augenmerk sollte auch der Patientenautonomie zukommen. Diese sichert das Recht des Patienten auf Gesundheitsinformation und muss auch im Rahmen der IKT-Infrastruktur gewährleistet sein«, betont Auer.

ENTMYSTIFIZIEREN »Viele reden über ELGA, großteils fehlt es aber noch an konkretem Wissen und dessen Verbreitung«, gibt Susanne Herbek, Geschäftsführerin der Elga GmbH, zu bedenken. Um mit den Mystifikationen, die den Begriff begleiten, aufzuräumen, sei eine umfassende öffentliche Aufklärung zum Thema – insbesondere zu Fragen der Finanzierung und des Datenschutzes – notwendig. Die Geschäftsführerin der Elga GmbH hebt dabei vor allem den verbindenden Charakter der elektronischen Gesundheitsakte hervor, der letzten Endes eine Verbesserung der Behandlungsqualität ermöglichen soll. »Damit ELGA wirklich verbinden kann, dürfen die fragmentierte Gesundheitslandschaft und deren heterogene IT-Infrastruktur kein Hindernis darstellen«, merkt Herbek an.

Über den Erfolg von ELGA könnten schlussendlich aber nur diejenigen entscheiden, die tagtäglich mit dem System arbeiten. »Es gibt immer noch große Berührungsängste bei Patienten und Gesundheitsdiensteanbietern. Wir müssen diese Bedenken und Sorgen Ernst nehmen und klarstellen, dass ELGA kein Himmelfahrtskommando ist, sondern einen klaren Zusatznutzen bringt«, so Herbek.

OBERÖSTERREICH VORAN Dass Österreich in punkto E-Health durchaus eine Vorreiterrolle einnehmen kann, zeigt der Erfahrungsbericht des Oberösterreichischen Gesundheitsfonds. »Auch wenn auf Bundesebene noch viele Fragen offen sind, haben wir die E-Health-Strategie bereits zu Beginn des vergangenen Jahres politisch verabschiedet und befinden uns nun bereits in der Umsetzung«, so E-Health-Manager Ernst Leitner. Da die Entwicklung von ELGA eher zögerlich voranschreite, habe man sich in Oberösterreich kurzerhand dazu entschieden, schon jetzt etwas zu tun. »Im Mai 2009 haben wir ein eigenes E-Health-Management-Team ins Leben gerufen, das sehr stark in die Entscheidungsgremien der Landesgesundheitsplattform Oberösterreich eingebunden ist und ein Forum errichtet, in dem alle Gesundheitsdiensteanbieter vertreten sind«, schildert Leitner. Die Mitarbeit der einzelnen Institutionen sei freiwillig. Ein bundeslandweiter Pilotbetrieb soll Leitner zufolge noch Ende 2010 starten.

Lob für die Vorreiterrolle Oberösterreichs bekommt Leitner aus der Bundeshauptstadt. »Wir sollten auch anfangen, diesen Weg zu gehen«, sagt Konrad Hölzl vom Wiener Krankenanstaltenverbund. Man dürfe nicht den Fehler machen, auf ELGA zu warten, sondern müsse einzelne Komponenten des Systems schon heute angehen. »Ich möchte den Eindruck korrigieren, dass ELGA ab einem ganz bestimmten Zeitpunkt in Betrieb sein wird. Das System besteht vielmehr aus mehreren Teilen, die nach und nach ausgerollt werden«, so Hölzl.

»Mit der Entwicklung der E-Medikationsdatenbank – der ersten ELGA-Fachanwendung – und der ELGA-Basiskomponenten gilt es, die Einbindung und Vernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen im Sinne der Patienten rasch voranzutreiben«, unterstreicht Walter Bugnar von Siemens IT Solutions die Bedeutung der gegenwärtigen Schritte. Und auch aus Sicht der Sozialversicherung sei mit der e-card-Infrastruktur und der Vernetzung der Gesundheitsdiensteanbieter über das sichere Gesundheits-Informations-Netz bereits die Grundlage für E-Health-Anwendungen geschaffen worden, ergänzt Rainer Schmidradler, Bereichsleiter Projektmanagement bei der Sozialversicherungs-Chipkarten Betriebs- und Errichtungsgesellschaft. Wie eine sichere Datenübertragung für die E-Health-Anwendungen der Zukunft aussehen könnte, zeigte Franz Hoheiser-Pförnter vom Wiener Krankenanstaltenverbund am Beispiel der Infrastrukturlösung HEALIX. Das bundesländerübergreifende Gesundheitsnetzwerk, das in Österreich seit Dezember 2009 im Vollbetrieb läuft, soll mithilfe von föderalistischen Netzwerk- und Organisationsstrukturen den kosteneffizienten, schnellen und sicheren Austausch von Gesundheitsdaten zwischen Gesundheitsdiensteanbietern ermöglichen.

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