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21.07.2010 Thomas Mach

Qualitätssicherung aus der (Service-)Steckdose

Auch wenn es nicht so erscheint – nach wie vor werden in Unternehmen Software-Lösungen noch selbst entwickelt. Dabei spielt Testing zwar eine wichtige Rolle, wird aber meist nur stiefmütterlich behandelt. Abhilfe schaffen Managed Testing Services.

Das Testen von Software gehört – wie etwa auch die Software-Entwicklung – so gut wie nie zum Kerngeschäft eines Unternehmens. Dennoch hat das Thema Qualitätssicherung in vielen Firmen einen kritischen Punkt erreicht. Deren Software-Systeme seien zunehmend »höher integriert, durchlaufen immer kürzere Release-Zyklen und erzeugen dadurch einen entsprechend hohen Testaufwand«, wie Ronald Kaufmann, Geschäftsführer des Qualitätssicherungsspezialisten Software Quality Systems (SQS), erklärt. Wollen Unternehmen dies selbstständig durchführen, müssten sie permanent entsprechende Testressourcen vorhalten, die aber selten voll ausgelastet seien und zudem Anwender der Fachbereiche vielfach übermäßig belasten würden.

Unternehmen würden zumeist ihre Testreihen an jene Dienstleister, die auch für Entwicklung und Implementierung verantwortlich zeichnen, übergeben. »Und laufen damit direkt in einen Zielkonflikt hinein.« Denn der Dienstleister fungiere damit als Prüfer seiner eigenen Ergebnisse. »Um festzustellen, ob die Kundenanforderungen tatsächlich erfüllt sind, ist es ratsam, eine Art Gewaltenteilung einzuführen. Das Software-Testen sollte ein unabhängiger, spezialisierter Dienstleister durchführen, nicht das Unternehmen, das berät und implementiert«, unterstreicht Peter Weber, Head of Managed Services Central Europe Middle East bei SQS.

WACHSTUMSRATEN IM ZWEISTELLIGEN BEREICH Die Testdienstleistung vor Ort, Beratung und Managed Services seien mittlerweile Domäne unabhängiger Dienstleister. Diese verfügen nicht nur über die bessere Expertise im Testen, sondern können durch Near- und Offshoring auch finanziell attraktive Angebote machen. Entsprechend habe sich in den vergangenen Jahren ein eigenständiger Markt für so genannte Managed Testing Services (MTS) herausgebildet. So prognostizieren die Analysten von Pierre Audoin Consultants (PAC) in einer Studie dem Markt für Managed Testing Services bis 2013 Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Er werde sich von knapp 100 Millionen Euro nahezu verdoppeln.

Zudem haben die Marktforscher herausgefunden, dass aktuell vor allem Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern auf diese Form des Outsourcings setzen. Sie rücke jedoch auch verstärkt ins Blickfeld von Unternehmen mit weniger als 5.000 Mitarbeitern.

SAUBER SPEZIFIZIERTE TEST-PROZESSE Hauptrumpf der Managed Testing Services sei »sicherlich der hohe Testautomatisierungsgrad, der normalerweise inhouse nicht zu erreichen« sei, wie Kaufmann betont. Dabei gelte es für Tester zumeist, zunächst Prozesse und Testfälle in den Unternehmen nachzuspezifizieren. Diese müssten dann so ausführlich, detailliert und sauber dokumentiert sein, »dass sie praktisch jeder Mitarbeiter automatisiert ausführen kann«.

Als Herangehensweise biete sich in MTS-Projekten ein Global-Operations-Delivery-Modell an. »Hierbei wird in einem ersten Schritt durch Assessments der Handlungsbedarf identifiziert. Dann ermitteln die Testexperten das Einsparungspotenzial, verifizieren es anhand eines Pilotprojektes und geben es in einem kundenspezifischen Preismodell an das Unternehmen weiter.« Damit sei klar, dass der Dienstleister einen Teil des Projektrisikos übernimmt. »Aus unserer inzwischen fast dreijährigen Projekterfahrung mit Managed Testing Services können wir sagen: Sobald die Testautomatisierung greift, macht sich die Anfangsinvestition bezahlt«, unterstreicht Weber. Zu den Vorteilen von Managed Testing Services zähle zudem auch »die Reduktion der Durchlaufzeit bei gleichzeitiger Erhöhung der Testabdeckung und -qualität«, verweist Kaufmann.

Bei engen Zeitplänen könnten externe Dienstleister zudem schnell und bedarfsgerecht Software-Prüfer stellen. »Zudem spart MTS durch Offshoring und den Testautomatisierungsansatz mehr als 40 Prozent der Kosten über eine gesamte Projektlaufzeit von drei bis fünf Jahren ein.«

KUNDEN IN TESTABLÄUFE INTEGRIEREN Gleichzeitig gelte es, den Kunden in das Testgeschehen miteinzubeziehen. »Nicht alle Verantwortlichkeiten und Aufgaben lassen sich über Service Level Agreements an den Dienstleister delegieren, einige Steuerungsfunktionen müssen im Unternehmen verbleiben«, betont Weber.

So sei MTS sauber in Governance und Kundenprozesse einzubinden, darüber hinaus sollte »vorzugsweise mit Standard-Reportings« gearbeitet werden. Zusätzlich würden Monitoring-Methoden und -Tools wie Steuerkonsolen mit Key Performance Indicators und regelmäßige, standardisierte Statusberichte zur Zusammenarbeit dafür sorgen, dass Unternehmen jederzeit die Kontrolle über die ausgelagerten Testaufgaben behalten.

EINE HOHE SICHERHEIT DER GESPEICHERTEN DATEN GEWÄHRLEISTEN Zum Erfolg trage aber auch bei, »wenn der Testdienstleister bei der Anwendung von Testwerkzeugen die Standards selbst vorgibt«, erklärt Kaufmann. Vorbehalte gegenüber Offshoring-Testcentern schwächen sich Weber zufolge zunehmend ab: »Wer Off- oder Nearshoring bereits aus der Software-Entwicklung kennt, den muss man auch beim Testen nicht mehr überzeugen, allenfalls noch in Sachen Datenschutz und -sicherheit. Und eventuell vorhandene letzte Zweifel hat bisher immer ein Besuch vor Ort in unseren Testcentern in Görlitz, dem südafrikanischen Durban oder Kairo ausgeräumt. Dort können Kunden sich von der Qualität der Arbeit, des Gebäudes, der Infrastruktur und nicht zuletzt der Mitarbeiter ein Bild machen. Und Sprachprobleme gibt es übrigens auch in Kairo keine: Eine unserer ägyptischen Mitarbeiterinnen hat gar einen waschechten Wiener Akzent.«

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