Gastkommentar: Organisatorische Herausforderung Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


16.12.2010 Georg Obermeier*

Gastkommentar: Organisatorische Herausforderung

Die Einführung der ELGA ist ein in Österreich vor allem auch von den niedergelassenen Ärzten ein seit längerer Zeit kontrovers diskutiertes Thema.

»E-Health-ELGA verunsichert« – unter diesem Titel habe ich einen Artikel zur elektronischen Gesundheitsakte in der Computerwelt gelesen. Die Einführung der ELGA ist ein in Österreich vor allem auch von den niedergelassenen Ärzten ein seit längerer Zeit kontrovers diskutiertes Thema. Als Vertreter eines Unternehmens, das mit IT-Anwendungen für E-Health-Lösungen ein Kompetenzzentrum in Österreich betreibt, ist mir gerade dieses Thema ein besonderes Anliegen. Und wie bei jedem Projekt dieser Größenordnung ist es mehr als verständlich, dass die Umsetzung und die tägliche Praxis für den anwendenden Arzt viele Fragen aufwerfen.

Ziel der ELGA – als Teil der aktuellen Regierungsvereinbarung – ist ein System, das alle relevanten Gesundheitsdaten von Bürgern elektronisch verwaltet. Dies soll zu einer besseren medizinischen Versorgung für die Bürgerinnen und Bürger der europäischen Union und einen erhöhten Informationsaustausch bei der Behandlung führen. Mit der tatsächlichen Umsetzung der Kernanwendungen der ELGA wie Portal, e-Arztbrief, e-Befund und e-Medikation, wurde in Österreich aber eben erst begonnen.

Es ist also gerade noch Zeit, die ELGA aus gesamtheitlicher Sicht zu betrachten: Denn die tatsächliche Herausforderung ist organisatorischer Natur. Zentral an diesem Projekt ist, dass die Vernetzung des Gesundheitsweisen österreichweit zu erfolgen hat und dass eine ausreichende Definition von funktionalen Benutzeranforderungen für die elektronische Gesundheitsakte verfügbar ist: Sprich, erst in zweiter Linie ist die technologische Umsetzung das Thema. So müssen in ganz Österreich in verschiedenen Systemen verteilte Daten zusammengeführt und standardisiert werden und Medienbrüche oder Inkompatibilität zwischen verschiedenen Systemen vermieden werden. Funktioniert die reibungslose Übergabe nicht, kommt es wohl tatsächlich zu Stillständen im Ordinationsbetrieb. Wir können diese Dysfunktion ausschließen, allerdings unter der Voraussetzung, das Projekt wird in erster Linie als Organisations- und erst dann als IT-Projekt angegangen. Dabei geht es vorrangig um Effizienz und Kosteneinsparungen, aber auch um die Einfachheit in der Bedienung. Über Jahre gewachsene Systeme sind fehleranfällig und kostspielig in Betrieb und Wartung. Was uns die ELGA aus Sicht der Ärzte bringen kann, ist bestmögliche Qualität in der Behandlung von Patienten, indem alle Krankheiten, Befunde, Röntgenbilder und Rezepte elektronisch gespeichert und für immer abrufbar gemacht werden. Mit der ELGA sollen unnötige Doppeluntersuchungen vermieden und Doppelverschreibungen von Medikamenten ein Ende haben. Ziel ist auch, dass die Beratung der Patienten wieder stärker in den Vordergrund rückt. Eine Entlastung wird in weiterer Folge auch durch die Anbindung von Telemedizin kommen. Für den Arzt soll die ELGA die Arbeit erleichtern und mehr Zeit für die Behandlung der Patienten bringen.

Als IKT-Dienstleister sehe ich es in unserer Verantwortung, auf die Bedürfnisse aller Anwendergruppen – insbesondere auf die der tatsächlichen Benutzer – bestmöglich einzugehen. In dem Zusammenhang kann ich nur dringend raten, die Einführung der lebensbegleitenden Gesundheitsakte vorrangig in ihrer organisatorischen Komplexität zu betrachten. Dann werden wir auch in der technologischen Umsetzung jenes bruchfreie und einheitliche E-Health-System bekommen, das allen Beteiligten jene Vorzüge bietet, die es heute schon verspricht.

* Georg Obermeier ist Vorsitzender des T-Systems E-Health-Kompetenzzentrums.

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