Agile – das Aus für Wasserfall? Detail - Computerwelt

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16.12.2010 idg/Thomas Mach

Agile – das Aus für Wasserfall?

Viele Softwareentwickler sagen ein Aussterben des klassischen Waterfall-Vorgehens voraus. Zu früh, wie mancher Experte findet.

Wasserfall beziehungsweise Waterfall als Methode der Softwareentwicklung ist tot, ein Hoch auf agile Methoden wie Scrum – diese Meinung dürften viele Softwareentwickler teilen. Aber stimmt diese gängige Überzeugung auch? Die Antwort lautet Nein, meint Anton Dechko, Director Business Development von SaM Solutions. Wenn der Wasserfall richtig verwendet werde, könne mit ihm ebenso effizient wie mit agilen Methoden gearbeitet werden. Bei Applikationen mit zwingend notwendigen, kritischen Systemeigenschaften habe der Wasserfall sogar deutliche Vorzüge.

Waterfall ist eine alte, bewährte Methode zur sequenziellen, schrittweisen Entwicklung von Software, die bereits in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts formuliert wurde. Sie heißt Waterfall, da in einem mehrteiligen Prozess von Stufe zu Stufe vorgegangen wird, ähnlich wie manche Wasserfälle fallen. Die verschiedenen Phasen im Entwicklungsprozess werden entsprechend der Reihe nach abgearbeitet. So weit, so gut. Was sind nun aber die häufigsten Einwände gegenüber der Vorgehensweise? »Waterfall ist ineffektiv und veraltet – agile Methoden wie Scrum sind modern und produktiv«, so eine typische Einschätzung oder Fehleinschätzung. Sie geht davon aus, dass jedes Projekt unter Waterfall überdokumentiert ist und jeder einzelne Schritt zur Behebung auftretender, unerwarteter Probleme Monate dauert. Tatsächlich aber benötigen agile Methoden wie Scrum ebenso viele, den Entwicklungsprozess begleitende Dokumente wie Waterfall. Auf eine Spezifizierung der Anforderungen, die Dokumentation der Architektur oder die Festlegung von Testszenarien wird auch hier nicht verzichtet.

Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass in agilen Projekten diese Dokumente parallel zum Entwicklungsprozess und als eher informeller Text erstellt werden. Der so genannte End-User versteht diese informellen Texte besser und sieht Ergebnisse der Entwicklung unmittelbar, da der agile Ansatz auf eine schnelle Umsetzung aus ist.

Manchmal ist dies von Wert, manchmal auch nicht. Es führt aber, egal in welchem Prozessmodell, kein Weg daran vorbei, eine solide Dokumentation zu erstellen. Niemand kann ungezählte Zeilen von undokumentiertem Code pflegen, warten, erweitern oder verbessern. Die Frage ist nur, an welcher Stelle im Prozess diese Dokumentation erstellt wird: Vorab wie bei Waterfall oder begleitend zur Entwicklung wie etwa bei Scrum. Das grundsätzliche Vorgehen unter Waterfall besteht darin, erst die Dokumentation und dann die Software zu erstellen. Die Idee dahinter: Probleme lassen sich durch Prüfprozesse identifizieren, bevor die Software erstellt worden ist, was durchaus von Vorteil sein kann. In der Praxis sieht ein typischer Waterfall trotzdem oft etwas ungeplant aus: Anforderungen an die Entwicklung werden in freier Textform eingereicht, gerne in ungeordneter Form auf unzähligen Seiten, immer aber unvollständig und inkonsistent. Prioritäten existieren ebenfalls nicht, denn jede Funktion ist gerade so wichtig wie eine andere auch.

Seine Stärke spielt der Wasserfall dort aus, wo die zwingend erforderlichen Eigenschaften einer Software sehr große Bedeutung für ihre systemweiten Fähigkeiten haben. Also etwa bei der Performance, Sicherheit oder auch der Zuverlässigkeit. Dort, wo eine sorgfältige Balance oder Abstimmung notwendig ist, um den nichtfunktionalen Anforderungen zu begegnen. An solchen Stellen ist es daher immer eine gute Idee, die Anforderungen aufzuschreiben und auf einer formalisierten Grundlage mit den Projektbetroffenen bereits im Vorfeld zu diskutieren.

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