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25.02.2009 Alexander Vukovic*

Gastkommentar: Gratwanderung Testing

Testen ist noch immer ein unbeliebter Job.

Testen ist noch immer ein unbeliebter Job. Zu stark wirken die Vorurteile, die bereits in den fachspezifischen Schulen, Fachhochschulen und Unis aufgebaut und gepflegt werden. Entwickler sind die Gurus, Tester die Loser. Aber auch in der typischen Software-Entwicklung herrscht oft noch die Meinung vor, Testen sei ein »Dodeljob«, »den können wir doch Ferialpraktikanten« oder, bei fortgeschrittenen Ansätzen, »Studenten machen lassen, die dadurch auch wiederum ihre Wertigkeit erkennen müssen«. Wenn sich alle Lösungswege als gescheitert erwiesen haben, kommt die zündende Idee, die von Testtool-Herstellern immer wieder gebetsmühlenartig gepredigt wird: Warum lassen wir den ungeliebten Job nicht einfach den Computer machen, der kann das viel besser, und außerdem beschwert er sich nicht über seine Aufgabe. Ein Computer mehr kostet viel weniger als ein zusätzlicher Tester, der Computer ist viel schneller und überhaupt, wenn die Tests automatisch laufen, dann kosten sie quasi nichts mehr und laufen über Nacht.

Schnell wird ein Testautomatisierungswerkzeug angeschafft. Und genauso schnell wird es in die Ecke gestellt. Wie kommt es dazu? Sukzessive finden sich Fakten, die der Toolhersteller verschwiegen hat: Testautomatisierung kostet Geld und ist mit Wartungsaufwand verbunden, wenn sich die zu testende Applikation oder die Anforderungen ändern. Bei der Durchführung poppen plötzlich unvorhersehbare Fenster auf, die Testdaten passen nicht zu den Testfällen, der Automat »erkennt« plötzlich ein Eingabefeld nicht mehr.

Nun ist meist schon so viel in die Testautomatisierung investiert worden, dass die Entscheidung schwierig ist, das Projekt komplett werden zu lassen. Deshalb wird nach kreativen Lösungsmöglichkeiten gesucht. Die sind schnell gefunden: Der Fachbereich soll doch einfach die Automatisierung mitübernehmen. Testen muss er sowieso, also warum soll er seine Tests nicht auch gleich automatisieren und automatisch durchführen. Es gibt sogar Toolhersteller, die versprechen, dass mit ihrem Testwerkzeug der Fachbereich dazu in die Lage versetzt wird, Tests »ganz einfach« ohne technische Kenntnisse zu automatisieren und durchzuführen. Auch dieser Ansatz scheitert häufig. Was können Unternehmen tun, um ein Scheitern zu vermeiden? Ganz einfach, wenn Automatisierung selbst gemacht werden soll: Die Kirche im Dorf lassen und Automatisierung realistisch betrachten.

*Alexander Vukovic ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter bei Seqis Software Engineering.

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