E-Health in Österreich geht schleppend voran E-Health in Österreich geht schleppend voran - Computerwelt

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03.09.2012 :: Printausgabe 18/2012 :: Michaela Holy +Premium Content

E-Health in Österreich geht schleppend voran

Die Stadt Wien hat die E-Health-Strategie 2012 vorgelegt, die dritte Weiterentwicklung seit 2007. Die Kernaussage ist Vernetzung, vor allem des Gesundheits- mit dem sozialen Bereich. Doch zur Zeit stehen alle in Warteposition für die Umsetzung von ELGA.

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Mit der Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) kann der Zugang zu den Leistungen des Gesundheits- und Sozialwesens wesentlich erleichtert werden. Die Europäische Union hat in ihrem Aktionsplan i2010 bereits Vorgaben zum Thema E-Health festgehalten, an deren Umsetzung Österreich und andere Mitgliedsländer arbeiten (sollen). Diese Konzepte sehen neben der europäischen und der nationalen Ebene auch den Aufbau einer regionalen beziehungsweise lokalen E-Health-Strategie vor. Auf dieser Basis wurde die Wiener E-Health-Strategie mit den jeweiligen Partnern im Wiener E-Health Strategie-Board erarbeitet. »An dieser E-Health-Strategie arbeiten alle mit, die auch im E-Health Strategie Board sitzen. Wir versuchen, die wichtigsten Stakeholder regelmäßig an einen Tisch zu holen, um gemeinsam eine Strategie abzustimmen«, erklärt Sandra Heissenberger von der Magistratsdirektion der Stadt Wien, Geschäftsbereich Organisation und Sicherheit, im Gespräch mit der COMPUTERWELT. Sie ist gemeinsam mit dem CIO der Stadt Wien, Johann Mittheisz, für die E-Health-Strategie der Stadt Wien verantwortlich. Die größten und wichtigsten Stakeholder sind dabei die Stadt Wien, der Wiener Krankenanstaltenverbund (eine Unternehmung der Stadt Wien), die Ärztekammer Wien, die Apothekerkammer Wien, die medizinische Universität, die AUVA, die Wiener Gebietskrankenkassa und die Vinzenz-Gruppe. »Das Ziel ist dass man sieht, was sich in Wien tut, wo gibt es Projekte die man miteinander verbinden kann, wo kann man Synergien finden, oder wo kann man von einem anderen auch lernen, weil er das eben schon umgesetzt hat? Das ist das Kernstück der Strategie«, sagt Heissenberger. 

E-HEALTH-STRATEGIE 2012

Nun wurde 2012 die Wiener E-Health-Strategie nach 2007 und 2010 aktualisiert, jene von 2007 bildet dabei die Ausgangsbasis für die Weiterentwicklung und Ausweitung von E-Health im Raum Wien: »»Wir hatten als erste in Österreich eine E-Health-Strategie, die war aber eher theoretisch war. Eine Strategie hat aber schon das Ziel, dass sie einen Weg beschreibt, wo es hingehen soll«, so Heissenberger. Nun sind in der Aktualisierung 2012 alle Projekte gebündelt, die die E-Health-Strategie unterstützen und die Vernetzung im Gesundheitsbereich verbessern sollen. Auch und vor allem die Vernetzung des Gesundheits- mit dem sozialen Bereich soll vorangetrieben werden, »da gibt es noch viel zu wenig, obwohl ein sehr hohes Potenzial dahintersteckt«, sagt Heissenberger. Grundsätzlich tue sich aber zur Zeit nicht sehr viel Neues auf dem Gebiet E-Health. Zwar wird kontinuierlich an der Vernetzung gearbeitet, nicht zuletzt auch mit dem Bekenntnis der Stakeholder zur E-Health-Strategie 2012 mit seinem Projektportfolio, das zur Zeit 30 Projekte in acht Kategorien wie trägerinterne Kommunikationssysteme, Gesundheit und Verwaltung oder Telemedizin und Telemonitoring umfasst. Doch zur Zeit »haben gerade alle diese Warte- bzw. Erwartungshaltung gegenüber der elektronischen Gesundheitsakte, der ELGA«, erklärt Sandra Heissenberger den aktuellen Stand von E-Health in ganz Österreich.

ALLE WARTEN AUF ELGA

Ob die elektronische Gesundheitsakte jemals zum Einsatz kommen wird, darüber scheiden sich die Geister. Derzeit liegen lediglich Begutachtungen vor, im Juni 2012 wurde ein neuer Gesetzesentwurf von Gesundheitsminister Alois Stöger vorgelegt, der wiederum umfassende Diskussionen, beispielsweise über den »gläsernen Patienten« und mögliche Datenschutzverletzungen, herbeigeführt hat. Das Wiener E-Health Strategie Board bereitet sich trotzdem auf das Thema vor. Wien baut seinen eigenen ELGA-Bereich auf – es gibt zwar zentrale Komponenten, trotzdem muss jedes Land seinen eigenen ELGA-Bereich zur Verfügung stellen. »Wir bauen das auf, wissen aber nicht, wie es mit ELGA weitergeht. Das macht aber nichts, weil der Gedanke von ELGA grundsätzlich gut ist, wir können uns so viel besser vernetzen«, sagt Heissenberger. Nach ihren Informationen bauen auch die anderen Bundes­länder eine ELGA-Infrastruktur auf und bereiten sich auf die elektronische Gesundheitsakte vor. »Wir sind mit allen Ländern in Kontakt und haben mit allen großen Krankenhausträgern ein bis zweimal im Jahr Zusammenkünfte. Hier setzen sich die Ländern mit den großen Ver­bünden zusammen und tauschen sich aus – da kann man gut erkennen, wie weit die anderen Ländern sind«, sagt Heissenberger.

Gleichzeitig zur Vorbereitung der Länder auf ELGA weitet die Ärztekammer ihre bisher in Wien laufende Informationskampagne zu ELGA nun auf ganz Österreich aus: »Ärzte und Ordinationsassistenten werden zunehmend mit Anfragen zu ELGA konfrontiert. Wir sehen es daher als unsere Pflicht, das Informationsdefizit des Gesundheitsministeriums auszugleichen«, sagt der Bundesobmann der niedergelassenen Ärzte, Johannes Steinhart, in einer Aussendung. In Wien herrsche jedenfalls reges Interesse an den ELGA-Informationen, die in den Ordinationen aufliegen. Präsident Artur Wechselberger ergänzte, dass die derzeit laufenden Expertengespräche mit dem Gesundheitsministerium zeigten, »wie viele Fallen und Mängel der aktuelle Gesetzesentwurf noch immer hat. Daher sollte man sich noch ein wenig Zeit nehmen, um ein seriöses und praktikables ELGA-Gesetz zustande zu bringen, das die ärztliche Arbeit im Sinne der Patienten unterstützt, ausreichende Datensicherheit bietet und ein System ermöglicht, dessen Errichtungskosten in einem vernünftigen Rahmen bleiben.« 

Im E-Health Strategie Board der Stadt Wien habe nur die Ärztekammer Bedenken gegenüber ELGA. Es herrsche aber eindeutig die Meinung vor, dass man sich im Gesundheitsbereich weiter vernetzen müsse, erklärt Sandra Heissenberger, und weiter: »Man muss nun abwarten, was vom Bund kommt. Wir haben allerdings schon seit zehn bis zwölf Jahren elektronische Gesundheitsakten – das Neue bei der elektronischen Gesundheitsakte ELGA ist die Vernetzung. Nun geht es eigentlich hauptsächlich um die Finanzierung. Die Verbünde hätten sich sonst untereinander vernetzt, und das passiert jetzt parallel. Es ist kein verlorener Aufwand, den wir betreiben. Wir bereiten uns auf eine Vernetzung vor, und wenn ELGA aus irgendwelchen Gründen nicht kommen sollte – die Vernetzung wird trotzdem stattfinden«, erklärt Sandra Heissenberger abschließend. (mi)

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