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09.09.2011 idg/Oliver Weiss

ERP-Systeme müssen flexibler werden

Apps aus der Cloud, die das ERP-System einfach und schnell um benötigte Funktionen erweitern, sollen mehr Spielraum schaffen.

Die meisten ERP-Systeme sind laut Meinung vieler Experten viel zu statisch und starr und kommen mit sich laufend veränderten Anforderungen der Business-Seite nicht mehr mit. »Viele ERP-Systeme wurzeln entwicklungsgeschichtlich in der industriellen Welt«, erläutert Arnold Picot, Professor und Leiter des Instituts für Information, Organisation und Management an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Für andere Bereiche wie Wissensmanagement und Dienstleistungen, die für die Wertschöpfung immer wichtiger würden, seien diese Applikationen nur bedingt tauglich.

»Heute geht es vor allem darum, Information und Kommunikation innerhalb der Unternehmen, aber auch mit Kunden und Partnern richtig zu steuern. Diese Prozesse sind üblicherweise nicht in den Referenzarchitekturen der ERP-Anbieter hinterlegt – ERP-Systeme können nur begrenzt unternehmensübergreifend arbeiten«, sagt Picot. Dabei stellen gerade die Vernetzung mit Kunden und Partnern sowie der damit zusammenhängende Datenaustausch eine der größten IT-Herausforderungen dar, der sich Unternehmen stellen müssen.

LEERE SOA-VERSPRECHEN Ein Patentrezept, wie die ERP-Herausforderungen zu lösen sind, gibt es nicht. In den vergangenen Jahren haben die Hersteller das Konzept der Service-orientierten Architekturen (SOA) als zukunftsweisenden Weg hin zu flexiblen und agilen ERP-Systemen präsentiert. Die schwerfälligen ERP-Softwaremonolithen sollten in modulare Softwareservices zerschlagen werden, die sich auf Basis einer Integrationsplattform beliebig zu individuellen ERP-Landschaften konfigurieren lassen sollten. So weit die Theorie.

»Die Hersteller haben die Versprechen im Zusammenhang mit den Service-orientierten Architekturen nie eingelöst«, lautet die ernüchternde Bilanz von Axel Schoth, verantwortlich für das ERP Innovation Lab der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH). SOA bilde im Grunde nur eine technische Grundlage. Die Anbieter hätten sich jedoch inhaltlich einigen müssen, wie die Systeme miteinander agieren. Erst mit einer inhaltlichen Standardisierung lasse sich beispielsweise die Finanzbuchhaltung eines Softwareherstellers mit der Produktionsplanung eines anderen Anbieters relativ einfach kombinieren. Der Softwareexperte fordert Standards, wie die einzelnen Systeme Informationen und Inhalte miteinander austauschen. »Informationen müssen von A nach B geschafft werden. Das klingt einfach und trivial, ist es in komplexen Business-Softwareumgebungen aber nicht.«

ÖFFNUNG FÜR APPS »Die ERP-Anbieter haben es nicht verstanden, ihre Systeme zu öffnen«, kritisiert Schoth. Offenbar löse dies bei den Herstellern Ängste aus. Sie fürchten, austauschbarer zu werden und nicht mehr selbst das ganze Geschäft um ihre Plattform herum zu machen. Der Experte vergleicht ein mögliches ERP-Szenario mit dem App-Geschäft auf mobilen Plattformen. Apple habe seine Plattform geöffnet und anderen Anbietern die Möglichkeit geben, Produkte dafür zu entwickeln. Davon profitierten alle Beteiligten, nicht zuletzt Apple.

Die geforderte Agilität der ERP-Systeme lässt sich auch durch Cloud-basierende Ansätze erzeugen. Immer mehr ERP-Anbieter gehen dazu über, komplette Lösungen beziehungsweise einzelne ERP-Teile als Softwareservices in der Cloud anzubieten. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass Unternehmen von heute auf morgen ihre laufenden ERP-Systeme abschalten und in die IT-Wolke abwandern. Experten gehen vielmehr davon aus, dass Anwender zunächst mit einzelnen Services experimentieren beziehungsweise Teile ihres ERP-Systems aus der Cloud beziehen, um Erfahrungen zu sammeln.

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